Burgfrieden bei Eintracht Frankfurt

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Friedliches Händeschütteln zwischen Michael Skibbe (links) und Heribert Bruchhagen. Mehr gab es gestern für die zahlreichen Medienvertreter nicht zu registrieren.

Frankfurt ‐ Um 14.48 Uhr gestern Nachmittag traten Heribert Bruchhagen und Michael Skibbe gemeinsam zu einer improvisierten Pressekonferenz vor die Medienvertreter. Danach stand fest, dass Skibbe trotz seiner Fundamentalkritik an der Personalpolitik des Klubs weiter Trainer der Frankfurter Eintracht bleiben wird. Von Peppi Schmidt

Wir teilen Herrn Skibbes sportliche Einschätzungen zu 100 Prozent“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen, „es gibt keinerlei Dissonanzen.“ Dabei hatte Skibbe doch gesagt, „dass der Verein nicht voran kommen, sondern eher nach unten durchgereicht wird.“ Bruchhagen und Kollegen haben diese negative Einschätzung also akzeptiert, sie wünschen lediglich, so der Eintracht-Chef, „dass die Diskussionen in Zukunft im inneren Kreis stattfinden“. Nicht der Inhalt der Kritik des Trainers wurde also in Frage gestellt, sondern nur die Form, wie er sie öffentlich gemacht hat. Dies alleine habe den Vorstand „irritiert“, sagte Bruchhagen, der nicht bereit war, weitere Fragen zu beantworten. Auch Skibbe war eher wortkarg, wollte danach nur „bestätigen“, was sein Chef ihm vorgesagt hatte. „Ich bin gerne Trainer bei Eintracht Frankfurt, und daran wird sich nichts ändern“, sagte er.

Medienandrang am Stadion

Um 10.00 Uhr hatte die routinemäßige Vorstandssitzung mit Heribert Bruchhagen, Dr. Thomas Pröckl und Klaus Lötzbeier auf der Geschäftsstelle in der Arena begonnen. Als gegen 12.30 Uhr Michael Skibbe zur Runde stieß, standen bereits sechs Kamerateams und viele Journalisten vor der Tür. Der Trainer habe seine zwei Tage zuvor über die Medien bereits geäußerten Argumente dann auch dem Vorstand in deutlichen Worten dargelegt, berichtete Bruchhagen, „wegen der vielen Ausfälle sieht er die angestrebten Ziele gefährdet.“ Dies könne er nicht nur nachvollziehen, sondern teile die Meinung ohne Einschränkung. „Die Unternehmensleitsätze aber werden wir trotzdem beibehalten“, sagte der Vorstandsvorsitzende.

Verstärkungen für Offensive unwahrscheinlich

Im Klartext: Echte Verstärkungen, wie von Skibbe gefordert, wird es nicht geben. Zwar sei man weiter bemüht, bis zum Ende der winterlichen Transferperiode noch tätig zu werden, doch große Hoffnungen wollte der sportliche Leiter dem Trainer nicht machen. „Ich bin nicht optimistisch, dass wir Qualität zu machbaren Preisen bekommen“, sagte Bruchhagen. Besonders in der Offensive muss Skibbe also weiter hoffen, dass den erfahrenen Alexander Meier und Nikos Liberopoulos nichts passiert.

Skibbe hatte in den letzten Tagen immer wieder davon gesprochen, wie gerne er bei der Eintracht ist und mit der Mannschaft arbeite, vom Vorstand war dabei aber nie die Rede. Und auch für welchen Zeitraum der angebliche Treueschwur gilt, blieb offen. Skibbes Vertrag läuft bis zum Sommer 2011. Über die unterschiedlichen Auffassungen, wie es sportlich weiter aufwärts gehen kann, wurde gestern offenbar ebensowenig gesprochen wie über Sanktionen gegen den Trainer.

Bekannt geworden ist allerdings, dass es nach Skibbes erster heftigen öffentlichen Kritik nach dem Spiel in Leverkusen am 6.November bereits Überlegungen gegeben haben soll, den Trainer offiziell abzumahnen. Angeblich sei ein entsprechender Schriftsatz bereits vorbereitet gewesen, der dem Trainer aber nicht zugestellt worden sei.

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