Scharfe Kritik an Präsident Peter Fischer

Eintracht e.V. stopft 6-Millionen-Lücke

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„Hab ich mich verhört?“ Eintracht-Präsident Peter Fischer wurde vom ehemaligen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Becker kritisiert. Neben Fischer die Vizepräsidenten (von links) Dieter Burkert, Stefan Minden und Schatzmeister Thomas Förster.

Frankfurt - Eintracht Frankfurt fühlt sich gerüstet für den Rückrundenstart in der Fußball-Bundesliga am Wochenende. Auf der Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins wurden beängstigende Zahlen präsentiert. Von Peppi Schmitt

Scharf ins Gericht ging der ehemalige AG-Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Becker mit Präsident Peter Fischer.

Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen hat noch einmal bekräftigt, dass der Klub mit Trainer Armin Veh und Manager Bruno Hübner weiter arbeiten will. „Sie genießen unser vollstes Vertrauen“, sagte er. Hübner habe mit vielen richtigen Entscheidungen in seinem ersten Jahr in der Bundesliga bewiesen, „dass er der Aufgabe vollständig gewachsen ist.“ Sowohl beim Trainer als auch beim Sportdirektor laufen die Verträge zum Saisonende aus. Trotz der angespannten sportlichen Situation sieht der Eintracht-Boss dem neuen Fußballjahr zuversichtlich entgegen. „Ich bin überzeugt, dass wir einen sicheren Platz im Mittelfeld der Liga belegen“, sagte er, „und ich halte es für möglich, dass wir in den Pokalwettbewerben gegen Porto und Dortmund sportliche Sensationen schaffen können.“

Mit dem DFB-Pokal und der Europa League will sich der Trainer noch nicht beschäftigen. Veh glaubt aber auch, dass die Eintracht gut vorbereitet ist auf das Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC. „Für uns könnte es losgehen“, sagte er gestern. Trotz der angespannten sportlichen Situation mitten in der Abstiegszone habe er „kein mulmiges Gefühl“.

Der erste Heimsieg

Es müsste nun unbedingt der erste Heimsieg her. Der letzte gelang am 4. April 2013 mit einem 3:1 gegen den späteren Absteiger Fortuna Düsseldorf. In acht Spielen der Hinrunde hat es nicht geklappt mit einem Erfolg in der eigenen Arena. Was nicht an der Unterstützung liegen kann, denn die Eintracht ist im vergangenen Jahr auf einen Zuschauerschnitt von 48.000 pro Spiel gekommen. „Das ist phänomenal“, sagte Bruchhagen. Fürs Spiel gegen die Berliner am Samstagabend (18.30 Uhr) wurden bislang knapp 40.000 Tickets verkauft, das Pokalspiel gegen Dortmund (11. Februar) ist inzwischen ausverkauft.

Zuversicht herrschte auch bei der Mitgliederversammlung des eingetragenen Vereins Eintracht Frankfurt am Montagabend, auch wenn die präsentierten Zahlen beängstigend waren. In 2013 hatte sich eine Liquiditätslücke von knapp sechs Millionen Euro aufgetürmt, gab der neue Schatzmeister Thomas Förster zu. „Es war eine Mammutaufgabe, dies wieder in Ordnung zu bringen.“ Zwar wies der e.V. ein Minus von 940.000 Euro aus, die Liquidität aber sei wieder hergestellt. Dies wurde unter anderem durch den Verkauf von fünf Prozent der Aktien der Fußball-AG an die BHF-Bank im Wert von 1,25 Millionen Euro und die Halbierung der Verwaltungskosten erreicht. Der Gesamtverein stecke auch wegen der „katastrophalen Zahlungsmoral“ seiner Mitglieder in der schwierigen Situation, beklagte Präsident Peter Fischer. Dabei ist die Zahl der Mitglieder 2013 um 9000 auf 26.852 gestiegen, von denen nur 275 zur Versammlung erschienen. Der Club habe Ausfälle von „vielen hunderttausend Euro“ zu verzeichnen gehabt, die aber durch Spenden in Höhe von 600.000 Euro kompensiert werden konnten.

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Bis 2018 sollen die Finanzen endgültig in Ordnung gebracht werden. Bis dahin sollen auch die Aktien wie vereinbart zurückgekauft sein. „Das Tafelsilber ist nur verliehen, nicht verkauft“, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Max Schumacher.

Emotional wurde es nur, als der ehemalige Vorsitzende des AG-Aufsichtsrates, Herbert Becker, mit Präsident Fischer scharf ins Gericht ging. Dessen Aussagen zum Geschäftsgebaren des inzwischen verstorbenen Schatzmeisters Fred Moske, der Gelder in Höhe von 140 000 Euro veruntreut haben soll, seien die „pure Heuchelei“. Fischer könne sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Einmal in Rage, kritisierte der ehemals oberste Aufseher des Klubs auch die öffentlichen Aussagen Fischers zu sportlichen Belangen. „Dafür bist du nicht zuständig, nicht als Präsident und schon gar nicht als Aufsichtsrat“, schimpfte Becker, „das dient nur deinem eigenen Image.“ Fischer verzichtete im Rahmen der Versammlung auf eine Replik, sagte später: „Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat, womöglich ist er nur sauer, weil er kein Amt mehr inne hat.“

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