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„Fantastisches Publikum mit riesiger Leidenschaft“

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Armin Veh beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen. © dpa

Frankfurt - Ausgerechnet in seiner Heimat Augsburg bestreitet Armin Veh sein letztes Spiel als Trainer von Eintracht Frankfurt. In einem Interview spricht er über seine Zukunft und die Zeit bei der Eintracht.

Das letzte Spiel als Eintracht-Trainer bestreiten Sie ausgerechnet vor der eigenen Haustür. Ist die Partie in Augsburg eine ganz besondere oder haben Sie mit dem Thema Frankfurt nach dem emotionalen Abschied von den Fans schon abgeschlossen?

Diesen Abschied hier werde ich nie vergessen, weil das etwas sehr Emotionales war, mit viel Gefühl. Das wird in Augsburg sicher nicht so sein, auch wenn es lustig ist, dass ich gerade dort mein letztes Spiel mache.

Kehren Sie noch einmal nach Frankfurt zurück, um ihre Wohnung auszuräumen? Oder ist der Umzug schon über die Bühne gegangen?

Dafür bin ich nicht zuständig. Das macht meine Frau. Ich sitze nicht gerne auf gepackten Koffern. Ich mag das nicht, wenn alles so rumsteht. Und nein, ich werde nicht zurückkehren. Ich habe mich schon von der Mannschaft verabschiedet.

Haben Sie sie zum Essen eingeladen?

Ja, am Dienstag. Alle, die zur Mannschaft gehören, also auch Ärzte, Physiotherapeuten, Zeugwart und Betreuer, waren dabei. Es war mir wichtig, dass wir das gemacht haben, weil man nicht immer die Zeit dazu hat. Am Samstag werde ich mich noch vom Vorstand und Aufsichtsrat verabschieden, die bleiben alle in Augsburg.

Aufstieg, tolles Comeback-Jahr mit Rang sechs und Europa League: In den drei Jahren ihres Wirkens gab es zahlreiche Highlights. Was bleibt Ihnen besonders im Gedächtnis?

Es waren viele emotionale Momente. Natürlich der Abschied in der Vorwoche und das Europa-League-Spiel in Bordeaux, wohin 12.000 Fans mitgefahren waren. Diese Bilder vergisst du nie. So etwas kann man sich nicht kaufen. Dafür arbeitet man auch. Wenn man das erleben darf, sind das bleibende Erinnerungen.

Die zu Ende gehende Spielzeit war keine einfache. Sind Sie irgendwann mal ins Grübeln gekommen, ob es am Ende für den Klassenverbleib reicht?

Wir haben viele Schläge einstecken müssen. Ich wollte auf keinen Fall, dass wir dorthin kommen, wo ich die Mannschaft übernommen habe. Wir sind froh, dass wir es vorzeitig geschafft haben. Da war auch bei mir die Erleichterung groß. Aber ich war immer überzeugt davon, dass wir es schaffen.

Sebastian Rode geht zum FC Bayern, Kapitän Pirmin Schwegler nach Hoffenheim, wohin wohl auch Stürmer Joselu zurückkehren wird. Tranquillo Barnetta ist ebenfalls nur ausgeliehen. Befürchten Sie, dass von ihrer Aufbauarbeit in Frankfurt nicht viel übrig bleibt?

Dass es eine Fluktuation gibt, ist doch in jedem Verein normal. Der Aderlass ist nicht so groß, dass man sich Sorgen machen müsste. Ich halte es für realistisch, dass sich die Eintracht dauerhaft in der Bundesliga etabliert. Und hin und wieder die Chance auf die Europa League bekommt.

Derzeit sucht die Eintracht fieberhaft nach einem Trainer. Verfolgen Sie das?

Ich bin nicht in die Trainersuche involviert, das wäre auch nicht gut. Ich kann ja nicht meinen eigenen Nachfolger auswählen. Ich habe sicher eine Meinung zu dem einen oder anderen, die werde ich aber nicht kundtun.

Wie würden Sie einem potenziellen Nachfolger den Verein schmackhaft machen?

Er hat hier auf jeden Fall seriöse Leute um sich. Er kann hier in Ruhe arbeiten, ohne das Gefühl zu haben, dass jemand an seinem Stuhl sägt. Das sind Dinge, die für einen Bundesligatrainer nicht unbedingt normal sind. Und man hat ein fantastisches Publikum mit riesiger Leidenschaft hier.

Armin Veh: Seine Zeit bei der Eintracht

Sie selbst wollen in den kommenden Tagen über ihre eigene Zukunft entscheiden. Zuletzt wurden Sie als neuer Nationaltrainer Griechenlands gehandelt. Belegen Sie schon einen Griechisch-Intensivkurs ?

Ich werde zu keinem Land oder Verein etwas sagen. Wozu ich stehe ist, dass es nur eine Sache gibt, die mich interessiert. Wenn die nicht klappt, werde ich eine Pause machen. Ich könnte mehrere Sachen machen, mich interessiert aber nur die eine. Welche das ist, dazu äußere ich mich nicht.

Wenn das nicht klappen sollte: Wie lange halten Sie es ohne Fußball aus?

Ich will nicht raus aus dem Geschäft und sage jetzt nicht, ich höre auf. Aber ich kann sehr gut ohne leben. Ich werde jedenfalls nicht zu Hause sitzen und jeden Tag auf einen Anruf warten. Wenn ich arbeiten müsste, könnte ich es ja. Es muss schon etwas sein, dass ich unbedingt machen möchte. Da gibt es nicht zu viel. Es sei denn, man packt mich auf der persönlichen Ebene, so wie in Frankfurt.

Sie beenden ihr Engagement in Frankfurt freiwillig. Acht ihrer Trainerkollegen haben den Job in dieser Spielzeit dagegen verloren. Ist der Fußball-Lehrer nur noch ein Spielball der Vereinsbosse?

Ich glaube, weniger als früher. Da ist nicht so durchdacht gehandelt worden, wie das heute der Fall ist. Das ist professioneller geworden. Aber natürlich gibt es Situationen, in denen man wechseln muss, weil der Trainer die wichtigste Person im Verein ist. Mann sagt immer, er ist das schwächste Glied. Das stimmt so nicht.

Es wurde viel über die Dominanz der Bayern diskutiert. Erdrücken die Münchner die Konkurrenz?

Wenn es nächste Saison so bleiben sollte, wäre das nicht schön. Die Bundesliga hat auch davon gelebt, dass die Bayern zwar öfter Meister geworden sind als die anderen, aber es eben auch andere Titelträger gab. Wenn die Bayern keine Fehler machen, dann wird es allerdings schwer für die anderen Clubs. Wenn sie so übermächtig bleiben, werden sie aber auch regelmäßig in der Champions League im Halbfinale oder Finale stehen. Das ist für die Bundesliga dann auch etwas Gutes.

Bundestrainer Joachim Löw hat seinen vorläufigen WM-Kader benannt. Was erwarten Sie von der Nationalmannschaft in Brasilien?

Ich erwarte nicht den Titel, aber dass man daran glaubt. Dass man begeisternde Spiele zeigt und die Stärke, die der deutsche Fußball hat, rüberbringt. Ob es dann langt, ist eine andere Sache.

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(dpa)

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