Heribert Bruchhagen
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Frankfurt - Die Diskussion über vermeintlich „spanische Verhältnisse“ in der Fußball-Bundesliga ist in vollem Gange.
Im Interview spricht Heribert Bruchhagen, Vorstandschef von Eintracht Frankfurt und Vorstandsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL), über den schwierigen „Spagat“ von DFL-Boss Christian Seifert und die Machtlosigkeit der kleinen Klubs.
Herr Bruchhagen, DFL-Chef Christian Seifert hat in der Diskussion über angebliche spanische Verhältnisse in der Bundesliga die UEFA in die Pflicht genommen. Ist die Champions League tatsächlich der Hauptgrund für die Probleme?
Seifert muss einen Spagat vollführen. Er muss die Liga international vermarkten und gleichzeitig die Chancengleichheit in der Bundesliga wahren. Der erste Punkt gelingt ihm hervorragend, weil Bayern und Dortmund so erfolgreich sind. Leider braucht er dafür diese Aushängeschilder. Was den zweiten Punkt angeht, müssen Klubs im Mittelfeld der Tabelle immer höheres Risiko eingehen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Und daran kann nur die UEFA mit einer Finanzreform in Champions und Europa League etwas ändern?
Nein, und da hat Seifert nicht ganz recht. Aus 420 Millionen Euro an TV-Geldern werden 628 Millionen Euro. Alle kriegen mehr, aber die, die oben stehen, kriegen mehr vom Mehr. Die Ligasummen sind auch zu beachten, wenn es auch korrekt ist, dass das ganz große Geld in der Champions League ausgeschüttet wird.
Die Geldverteilung in der Liga ist für die nächsten vier Jahre festgezurrt. Sie haben die Entscheidung als Mitglied im DFL-Vorstand mitgetragen. Warum?
Wenn du im DFL-Vorstand keine Gleichgesinnten hast, kannst du nichts machen. Leider ist es so, dass unsere Gremien sehr stark von den führenden Vereinen dominiert werden. Das liegt auch daran, dass es in den Vereinen des Mittelfeldes keine Kontinuität mehr gibt, weil dort, wegen vermeintlicher Zwänge, Fehlentscheidungen getroffen werden, die personelle Konsequenzen nach sich ziehen. Und die alten Seilschaften mit Franz Böhmert (Ex-Präsident von Werder Bremen, die Red.), Karl-Heinz Wildmoser (Ex-Präsident von 1860 München), Rolf Rüssmann (Ex-Manager von Borussia Mönchengladbach) - es gibt sie nicht mehr.
Wo und von wem sind noch falsche Entscheidungen getroffen worden?
Der Präsident der europäischen Klubvertretung ist nun mal Karl-Heinz Rummenigge, und von dort wurde die Stärkung der Champions League gestützt. Das ist aber kein Vorwurf an Rummenigge, es ist doch logisch, dass er als Bayern-Vorstand so handelt.
Dennoch kommt Bewegung in die Sache, nicht zuletzt wegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß ...
Ich freue mich, dass die Liga diese Problematik jetzt auch erkannt hat. Bei aller Bescheidenheit, ich habe sie schon vor 20 Jahren prognostiziert. Und damals gab es nur Prügel von Uli und Bayern München. Ganz ehrlich: Ich hätte nie erwartet, dass Uli diese Problematik anspricht. So langsam dämmert es ihm auch.
Wird in der Diskussion auf hohem Niveau gejammert?
Ja, die Bundesliga hat eine wunderbare Einnahmensituation. Wenn ein Bundesligist Probleme hat, ist das ein großes Stück weit eigene Blödheit.
sid