Interview mit Eintracht-Profi Danny da Costa 

Europa als Ziel für Eintracht Frankfurt? „Wir müssen uns nicht klein reden“

Danny da Costa möchte mit Eintracht Frankfurt wieder nach Europa.
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Danny da Costa möchte mit Eintracht Frankfurt wieder nach Europa.

Im Interview spricht Danny da Costa über die Ziele mit Eintracht Frankfurt, warum auch Europa möglich ist und wie sehr die Abgänge schmerzen.

  • Danny da Costa traut Eintracht Frankfurt den Sprung nach Europa auch in der kommenden Saison zu.
  • Im Interview spricht da Costa auch über die Corona-Krise bei Eintracht Frankfurt und die Abgänge.
  • Insbesondere zwei SGE-Abgänge schmerzen da Costa besonders.

Frankfurt - Danny da Costa (27) spielt seit 2017 für die Frankfurter Eintracht. In einem Interview mit unserem Mitarbeiter Peppi Schmitt spricht er unter anderem über Fußball in Corona-Zeiten, über die veränderte Hierarchie in der Mannschaft, über seine persönlichen Ziele und über die Perspektive der Eintracht für die neue Saison.

An Corona kommt man in diesen Monaten ja nicht vorbei. Also reden wir über Corona und ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Haben sie in der ganzen Zeit irgendwann einmal Angst gehabt, um sich oder ihre Lieben? Und wie war das bei den ersten Geisterspielen mit der Quarantäne vorher?

„Angst hatte ich nie, aber eine gehörige Portion Respekt. Speziell am Anfang, als Corona ausgebrochen ist, habe ich mich sehr damit beschäftigt. In meinem privaten Umfeld haben alle schnell darauf geachtet, die Abstands- und Hygienemaßnahmen umzusetzen. In meinem Familien- und Bekanntenkreis hat sich glücklicherweise auch niemand angesteckt. Die Woche im Hotel vor dem Re-Start war schon eigenartig. Es war anders als ein Trainingslager. Wir hatten schon das Gefühl, dass wir eingesperrt sind. Das war echt schwierig, aber notwendig, um das Hygienekonzept der DFL umzusetzen. Dann haben wir die Geisterspiele angenommen und versucht, uns zu freuen, dass wir Fußball spielen dürfen. Das ist so wie früher als wir mal angefangen haben, da haben auch nur ein paar Freunde und die Eltern zugeschaut. Wir versuchen das Beste draus zu machen. Und natürlich haben wir alle den Wunsch, bald wieder vor Zuschauern zu spielen.“

Ihr hattet einige Wochen wegen Corona Pause, dann Home-Office, dann eine Vorbereitung auf die Geisterspiele, nach Ende der Saison einen ganzen Monat Urlaub. Und nach zwei Wochen mit dem Spiel in Basel wieder eine Woche frei. Wie schwer fällt es, ständig hoch- und runterzufahren?

„Stimmt, das war alles ein bisschen konfus. Gerade am Anfang nach der Corona-Unterbrechung war es schwierig, weil wir auf Abruf bereit sein mussten. Ich glaube aber, wir haben es gut umgesetzt.“

Ein kurzer Abstecher ins Private. Wie haben die Corona-Beschränkungen ihre Hochzeitsfeier beeinträchtigt?

„Glücklicherweise nicht so sehr. Wir haben im kleinen Kreis geheiratet, deshalb mussten wir nicht auf viel verzichten. Wir mussten uns an Vorschriften halten, an Masken usw. Es ist auch etwas Besonderes, wenn man in ein paar Jahren von der Corona-Hochzeit erzählen kann. So hat jeder von uns eine Gedenkmaske bekommen.“

Zurück zum Fußball, jetzt mal ohne Corona. Die letzte Saison war für sie ein Auf und Ab, vom Stammspieler auf die Bank, am Ende wieder zurück ins Team. Wie blicken sie darauf zurück? 

„Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, warum ich nicht gespielt habe. Am liebsten möchte ich immer 90 Minuten auf dem Platz stehen. Das war also schwierig für mich, obwohl sich die Statistik mit 37 Pflichtspieleinsätzen, zehn Torvorbereitungen und vier Treffern eigentlich nicht so schlecht liest. Aber ich tue mich generell schwer, wenn ich auf der Bank sitze. Da macht man sich Gedanken und zieht sich ein wenig zurück. Ich habe versucht, über zusätzliche Dinge auf mich aufmerksam zu machen, also über das normale Training hinaus mehr zu tun. Ich habe schnell gemerkt, dass das für mich ein guter Weg ist. Und den möchte ich jetzt auch weitergehen.“

Hatten sie mal daran gedacht, die Eintracht zu verlassen?

 „Aufgeben ist nicht mein Ding. Solange ich das Gefühl habe, dass ich meine Chancen bekomme, werde ich immer versuchen mich durchzukämpfen. Grundsätzlich fühle ich mich hier sehr wohl.“

Auch jetzt gibt es wieder Konkurrenzkampf, mit Timmy Chandler zum Beispiel, je nach System auch mit Almamy Toure oder Tuta? Wie ist diesmal das Gefühl?

„Der Konkurrenzkampf gehört dazu. Mein Anspruch ist, dass ich das Beste aus mir herausholen und den besten Danny auf den Platz bringen muss. Auf dem Platz steht man in der Pflicht alles abzurufen.“

Als sie zur Eintracht kamen, wurden sie als rechter Verteidiger geführt. Sind sie jetzt eher Rechtsaußen?

„Nein, die Rolle hat sich für mich grundsätzlich nicht geändert. Ich bin als rechter Verteidiger gekommen und sehe mich immer noch auf dieser Position. Da habe ich in meiner gesamten Karriere immer gespielt, das habe ich gelernt. Meistens in einer Viererkette. Aber auch in einer Dreierkette ist es in erster Linie meine Aufgabe, die Seite dicht zu machen. Dass ich letzte Saison bei der Viererkette nicht gespielt habe, war genau mein Problem, welches ich nicht immer nachvollziehen konnte. Darüber habe ich auch das Gespräch mit dem Trainer gesucht.“ 

Wie bringt der Klub den Spielern die wirtschaftlichen Probleme der Eintracht wegen Corona näher? Und wie stehen sie zu Gehaltsverzichten?

„Beim ersten Mal ist Fredi Bobic vor die ganze Mannschaft getreten und hat erklärt, wie die Situation ist und wie die Verluste des Vereins zu kalkulieren sind. Wir sind weiterhin im engen Austausch, er versucht uns die wirtschaftlichen Probleme im Rahmen seiner Möglichkeiten transparent darzustellen. Ich bin mir sicher, dass wir als Mannschaft mitziehen werden.“

Führen sie diese Gespräche selbst oder ihr Berater?

„Das machen wir Spieler selbst von Angesicht zu Angesicht.“ 

Ist es ein Vorteil, dass die Eintracht wahrscheinlich mit einer eingespielten Mannschaft in die Saison gehen kann? 

„Ich denke schon. Ich bin schon immer ein Verfechter davon, den Kader so gut es geht, zusammenzuhalten. Mannschaften, die eingespielt sind, tun sich einfach leichter.“

Auf der Homepage der Eintracht stand nach dem Aus gegen Basel, dass der Fluch dieser Niederlage für die Liga auch ein Segen sein kann. Ist der fehlende Europacup tatsächlich hilfreich beim Versuch wieder in den Europacup zu kommen?

„Ich sage sicher nicht, dass wir zum Glück nicht dabei sind. Die Europacupspiele waren immer etwas Besonderes. Es wird uns etwas fehlen. Man hat auch gesehen, wie viel die Europa-League hier in der Region wert ist. Aber es stimmt natürlich: Vielleicht haben wir ohne den Wettbewerb hinten raus ein paar Körner mehr. 

Kollege Dominik Kohr hat gesagt, ihr solltet die Europapokalplätze angreifen. Ist das aus Ihrer Sicht ein realistisches Ziel? 

„Grundsätzlich haben wir einen starken Kader mit dem vieles möglich ist. Ich würde aber nicht sagen, dass es das Ziel sein muss. Wir müssen uns auch nicht klein reden und haben in den letzten Jahren gezeigt, was in Frankfurt als Kollektiv alles möglich ist.“

Mit Marco Russ, Gelson Fernandes und Johnny de Guzman sind Spieler gegangen, zuletzt auch Mijat Gacinovic. Verändert das die Hierarchie in der Kabine? Vermissen sie den einen oder anderen Kollegen auch privat?

„Klar verändert das viel. Marco Russ hat es mit seiner ruhigen Art immer geschafft, dass die Mannschaft einen kühlen Kopf bewahrt hat. Seine Erfahrung hat vielen Spielern geholfen. Und Gelson war mein persönlicher Sandsack. Wenn ich kurz davor war, die Nerven zu verlieren, weil ich nicht spiele oder die Ergebnisse nicht gepasst haben, war er derjenige, der mich zur Seite genommen hat. Er war auch lange Zeit mein Zimmerpartner, er hat generell einen großen Einfluss auf mich gehabt. Er hat mir geholfen, Dinge anders zu betrachten, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Wir halten auch jetzt den Kontakt. Und Johnny war eine Stimmungskanone. Ich vermisse die Jungs sehr. Speziell Mijat fehlt mir aus menschlichen Gründen enorm.“

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