Danny da Costa

„Ich würde nicht sagen, ich hätte komplett versagt“

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Frankfurts Danny da Costa (l) und Stefan Ilsanker (M) stören Salzburgs Sekou Koita. Im Hintergrund ist Frankfurts Torwart Kevin Trapp.

Eintracht-Profi Danny da Costa über seinen verlorenen Stammplatz und die Rolle der Psyche im Sport.

  • Eintracht Frankfurt: Danny da Costa hat seinen Stammplatz verloren
  • Almamy Touré spielt jetzt auf der rechten Seite
  • Danny da Costa: „Wir sind Menschen und keine Maschinen“

Danny da Costa, vor 26 Jahren in Neuss geboren und in Leverkusen fußballerisch aufgewachsen, war in der vergangenen Saison der Immerspieler bei Eintracht Frankfurt. Der rechte Läufer war unersetzlich und unverzichtbar, kam auf 50 Pflichtspiele, stand in jedem einzelnen davon in der Startelf. Eine imposante Serie.

Doch in dieser Saison läuft es nicht so rund, gerade zuletzt nicht, da saß er fast immer auf der Bank, in sieben Partien nach der Winterpause sechsmal, nur in Düsseldorf durfte er von Beginn an spielen, konnte aber auch nicht überzeugen. Da Costa, ein kluger Kopf, der noch vor seinem Karriereende ein Studium beginnen will, aber steckt nicht auf, will sich seinen Stammplatz zurückerobern. „Dafür tue ich alles.“

Danny da Costa: Vom Dauerbrenner zu einem Ergänzungsspieler

Der frühere deutsche Juniorennationalspieler, Sohn eines Angolaners und einer Kongolesin, hat ohnehin schon ganz andere Zeiten hinter sich. In Ingolstadt hatte er sich einst einen Schienbeinbruch zugezogen, in dessen Folge es Komplikationen gab und es zu Nervenschädigungen kam. „Ein Neurologe sagte mir, dass ich mich vielleicht doch eher fürs Studium entscheiden sollte, weil er der Meinung war, dass es nicht mehr möglich wäre, auf diesem Niveau Fußball zu spielen.“ Da Costa aber kämpfte sich zurück und kehrte auf den Platz zurück.

Herr da Costa, wir haben gelesen, dass Sie ein ausgewiesener Karnevalist sind, also die Fünfte Jahreszeit ganz dufte finden.

Ja, das wurde mir so mit auf den Weg gegeben, aber dieses Jahr fällt es aus. In den vergangenen Jahren ist es schon weniger geworden, wir waren viel unterwegs mit der Eintracht, da ist man froh, wenn man mal zu Hause ist. Aber früher in der Jugend habe ich das gerne mitgenommen.

Oder haben Sie gar nicht so recht Lust zum Feiern?

Sie meinen, weil ich nicht so oft spiele?

Ja. Sie sind ja vom Dauerbrenner zu einem Ergänzungsspieler geworden, der die eine oder Talsohle durchlaufen muss.

So kann man es sagen, das trifft es so ziemlich auf den Punkt.

Woran liegt es? Sind Sie das klassische Opfer des Systemwechsels?

Das würde ich nicht sagen, ich bin gelernter Rechtsverteidiger. Ich habe in all den Jahren, bevor ich zur Eintracht kam, ebenso rechter Verteidiger in der Viererkette gespielt, das ist also nicht neu für mich, ich kenne die Abläufe.

Eintracht Frankfurt: Almamy Touré auf der Position rechts

Wir haben ja anfangs eher gedacht, dass Sie in der neuen Ausrichtung nach vorne rücken und Timothy Chandler weiter hinten verteidigt.

In der Dreierkette bin ich aus der Defensive mit Anlauf gekommen, es war ja nicht so, dass ich mit dem Rücken zum Spielfeld große Aktionen hatte oder aus dem Stand heraus ins Dribbling gegangen bin. Meine Stärken liegen eher in der Defensive, ich bin robust und zweikampfstark. Wenn ich mit Anlauf aus der Tiefe kommen kann, dann kann ich mich auch offensiv immer wieder einschalten.

Nach der Winterpause standen Sie nur in einem Spiel in der Startformation. Weshalb?

Wenn ich von acht Pflichtspielen nur eines von Anfang an spiele, kann das nicht mein Anspruch sein. Natürlich habe ich immer den Anspruch, spielen zu wollen. Ich biete mich im Training an, gebe Gas, haue mich voll rein, mehr kann ich nicht beeinflussen.

Der Trainer attestierte Ihnen in der Tat gute Trainingsleistungen, warf aber auch ein, dass Sie sich erst einmal hinten anstellen müssten. Zurzeit spielt Almamy Touré auf Ihrer Position.

Die Situation ist für mich persönlich total unbefriedigend, das ist doch klar und auch normal. Ich sitze nicht gerne auf der Bank. Das hat nichts damit zu tun, dass ich die Mannschaft nicht unterstütze, im Gegenteil. Ich fiebere mit, freue mich, wenn wir gewinnen, bin voll dabei und unterstütze jeden Einzelnen. Vor jedem Spiel nehme ich Almamy in den Arm und wünsche ihm alles Gute. Wenn ich irgendwas über seinen Gegenspieler weiß, gebe ich ihm Tipps, im Training pushe ich ihn. Das ist für mich selbstverständlich. Aber genauso verständlich muss es doch sein, dass ich als Profifußballer den Ehrgeiz und den Anspruch an mich selbst habe, in jedem Spiel auf dem Platz zu stehen.

Anfangs lief es für Sie unter dem früheren Trainer Niko Kovac hier ja auch nicht so gut.

Das stimmt. Da hat es erst Timmy (Chandler; Anm. d. Red.) gut gemacht, dann Wolfi (Marius Wolf; Anm. d. Red), dann habe ich mich schwerer verletzt und war lange raus. Da musste ich mich zurückkämpfen. Aber jetzt ist die Situation ja eine andere.

Im vergangenen Jahr hieß es, „den Danny müssen wir in Watte packen, damit ihm nichts passiert“, jetzt sind Sie weit zurückgefallen. Waren die Erwartungen an Sie zu hoch, haben Sie selbst die Latte zu hoch gelegt?

Ich werde an der letzten Saison gemessen, das weiß ich. Klar bin ich hochgejubelt worden, aber ich konnte das alles immer richtig einschätzen, habe nie zu viel von mir selbst gehalten, denn ich weiß, wie schnelllebig der Fußball ist, ich weiß, wie es ist, wenn einem jemand sagt: „Tut mir leid, aber du spielst nie wieder Fußball“ (in Ingolstadt wurde bei ihm vor sechs Jahren nach einem Bruch des Schienbeins und mehreren Operationen das Kompartmentsyndrom, den Anstieg des Gewebedruckes, das zu Nervenschädigungen führen kann, diagnostiziert; Anm. d. Red.). Aber ich sage trotzdem: In der vergangenen Saison waren es zehn Scorerpunkte in 50 Spielen, und alle jubelten: „Wahnsinn, was der offensiv abreißt.“ Jetzt habe ich elf Scorerpunkte in 27 Partien, und es heißt überall: „Der Danny ist im Formtief.“ Das soll jetzt nicht heißen, dass ich meine Leistungen immer toll fand, es gab einige Spiele oder Halbzeiten, da dachte ich mir: „Junge, was spielst du da für einen Mist.“ In Mönchengladbach war das so, da habe ich 45 Minuten einfach nur schlecht gespielt. Aber ich habe dann im zweiten Abschnitt defensiv wieder stabiler gestanden und meine Zweikämpfe gewonnen, auch ein Tor ist mir gelungen. Das ist dann schon wichtig, wieder zurückzukommen.

Vielleicht ist es auch ein Wahrnehmungsproblem, weil das Offensivspiel der Eintracht ja sehr linkslastig ist.

Das mag sein, klar gab es einige Spiele in denen über meine Seite nicht so viel nach vorne lief. Klar ist aber auch, dass man mich nicht mit Filip Kostic vergleichen kann, da wir unterschiedliche Spielertypen sind. Das sieht beeindruckend aus, wenn er losmarschiert, aber er ist der Linksaußen, er hat das im Blut. Das ist nicht meine Stärke, so offen kann ich das sagen. Und wenn man dann nur diese beiden Offensivspielarten miteinander vergleicht, klar, dann würde ich auch sagen: „Sieht auf der rechten Seite deutlich unspektakulärer aus.“

Fühlen Sie sich also irgendwie falsch bemessen, bewertet?

Nein, das nicht. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich sagen würde, ich hätte in der Hinrunde komplett versagt oder es war alles schlecht. Das Gefühl hatte ich nie.

Nimmt man so einen Frust mit nach Hause? Sie wirken nicht mehr so fröhlich wieder Danny da Costa in der alten Saison.

Ich gebe mir Mühe, nicht unerträglich zu sein. Fußball ist nicht alles und sollte nicht das ganze Leben bestimmen. Es gibt genügend schöne Sachen, die Spaß machen und an denen man sich hochziehen kann.

Hatte auch die Mannschaft in der Hinrunde das Problem, dass sie an dem Team und den Erfolgen der vorherigen Saison gemessen wurde?

Die Erwartungshaltung war riesig. Meiner Ansicht nach wurden viel zu häufig Vergleiche mit der vorherigen Saison gezogen. Aber man muss ja sehen: Die Gegner bereiten sich anders vor, man wird anders wahrgenommen, wir hatten sehr viele Spiele.

Ist das eine mentale Geschichte?

Ganz klar. Wir haben alle drei Tage gespielt, kamen von einem Highlight zum nächsten Highlight, da muss man mental immer wieder hochfahren. Das ist nicht so leicht. Da bleiben vielleicht ein paar Prozentpunkte auf der Strecke, das ist auch normal, wir sind Menschen und keine Maschinen. Und wir sind es auch nicht gewohnt. Die größte Kunst der absoluten Topmannschaften ist diese Fokussierung auf den Punkt, sie können alle paar Tage spielen und sind trotzdem voll da. Das ist ein Lernprozess.

Interview: Ingo Durstewitz und  Thomas Kilchenstein

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