Bayern sind Favorit

Nur so hat die Eintracht eine Chance: Es kommt auf die Stars an

+
Die Fans von Eintracht Frankfurt träumen vom Pokal, der FC Bayern ist allerdings klarer Favorit.

Frankfurt/Berlin - 30 Jahre ist es her, da hat die Frankfurter Eintracht ihren letzten Titel gewonnen. Den DFB-Pokal 1988 mit einem 1:0 gegen den VfL Bochum durch das Freistoßtor des Ungarn Lajos Detari. Von Peppi Schmitt

 „Wir sind wieder mal dran“, sagt nun Eintracht-Legende Charly Körbel, der bei allen vier Pokalsiegen der Eintracht (1974, 1975, 1981, 1988) dabei war. Aber die Aufgabe könnte nicht schwerer sein, treffen die Frankfurter doch am Samstagabend auf den FC Bayern München. Alle Vorzeichen sprechen für den Rekordmeister und Rekordpokalsieger. Nicht nur die Fachzeitschrift „Kicker“ sieht die Bayern im Vergleich der Spieler „meilenweit vorne“. Auch die Wettbüros versprechen sich keine Geschäfte. Bei „bwin“ zum Bespiel gibt es für einen Bayern-Sieg nur 1,11 Euro für einen Euro Einsatz. Gewinnt die Eintracht gibt es 6 Euro. Selten in den letzten Jahren war die Favoritenrolle so deutlich vergeben.

Und trotzdem träumen die Frankfurter von einer Sensation. „Es gibt ja immer wieder Überraschungen, warum sollten nicht wir sie am Samstag schaffen“, hat der Frankfurter Kevin-Prince Boateng gesagt. Und gleich Beispiele für solche Überraschungen genannt, wie die englische Meisterschaft von Leicester City oder den jüngsten Sieg des VfB Stuttgart in München. Doch vom Pokal hat Boateng nicht gesprochen. Da soll es zwar angeblich „eigene Gesetze“ geben, aber in den letzten Jahren haben sich immer die Favoriten durchgesetzt.

Sucht man nach einer echten Überraschung muss man schon weit zurückgehen in der Historie. Zum Beispiel zu den Offenbacher Kickers, die 1970 gegen den 1.FC Köln 2:1 gewonnen haben oder zu Bayer Uerdingen, die es 1985 tatsächlich geschafft haben, den FC Bayern 2:1 zu besiegen. In den Neunzigern konnte der damalige Zweitligist Hannover 96 mal Borussia Mönchengladbach 4:3 nach Verlängerung (1992) bezwingen und der 1. FC Kaiserslautern als feststehender Absteiger aus der Bundesliga den Karlsruher SC 1:0 (1996) schlagen. Die letzte, allerdings eher kleine Überraschung war 2007 der 3:2-Erfolg nach Verlängerung des 1. FC Nürnberg gegen den gerade frischgebackenen Meister VfB Stuttgart. In den letzten Jahren aber haben sich immer Favoriten durchgesetzt oder es waren von vorneherein Spiele auf Augenhöhe wie zwischen dem FC Bayern und dem BVB.

Frankfurter Körperlichkeit gegen Münchner Überlegenheit

Also was kann die Eintracht tun, um tatsächlich mal wieder für eine echte Pokalsensation zu sorgen? „Wir müssen natürlich einen richtig guten Tag erwischen“, nennt Sportvorstand Fredi Bobic die Grundvoraussetzung. Und die Bayern sollten tunlichst nicht ihre beste Form erreichen. Denn im Normalfall sind sie sie sowohl individuell als auch mannschaftlich deutlich besser besetzt. Die Frankfurter müssen also versuchen, dass aus dem „Normalfall“ ein „Ausnahmefall“ wird. Sie müssen mutig ihre Chance suchen und sie möglichst cool nutzen. „Eklig sein, fies spielen“, empfiehlt Haudegen Marco Russ. Da wird dann sicherlich eine Rolle spielen, wie viel Schiedsrichter Felix Zwayer durchgehen lässt. Denn zweifellos werden die Frankfurter versuchen der technischen Münchner Überlegenheit Körperlichkeit entgegenzusetzen.

Doch all das wird noch nicht reichen. Die Eintracht muss selbst ihre Qualitäten ausspielen. Trainer Niko Kovac muss es gelingen, die richtige Mischung aus Kämpfern und guten Fußballern zu finden. Da mit Ausnahme des erkrankten Danny Blum und des gesperrten Gelson Fernandes alle Spieler zur Verfügung stehen, gibt es schon ein paar taktische Möglichkeiten. Und Kovac hat die Chance, auch von der Bank noch Qualität nachzulegen. Nicht so viel wie sein Kontrahent Jupp Heynckes, aber doch mehr als in den letzten Spielen.

Dortmund besiegt die Eintracht im DFB-Pokalfinale: Bilder

Wären da nicht die letzten Wochen der Enttäuschung und des körperlichen Nachlassens gewesen, könnte man als Beobachter auf die Idee kommen, dass einzelne Frankfurter Spieler sich in besonderen Momenten zu außergewöhnlichen Höhen aufschwingen können. Das kann sicher Torwart Lukas Hradecky in seinem definitiv letzten Spiel für die Eintracht vor seinem Wechsel nach Leverkusen. Das gilt auch für Kapitän David Abraham und für den „Senkrechtstarter“ Marius Wolf in seinem wahrscheinlich letzten Spiel für die Eintracht vor seinem Wechsel zu Borussia Dortmund. Auch für Omar Mascarell, der vielleicht zu Real Madrid zurück muss und vor allem für Kevin-Prince Boateng, der eine dreiviertel Saison seine große Klasse demonstriert hat und daran anknüpfen will. Und da ist noch Ante Rebic, der vielleicht als einziger Frankfurter an guten Tagen die Klasse hätte, sogar im Ensemble des Gegners mitzuspielen.

Klar ist aber auch: Nur wenn alle diese Stars, oder zumindest fast alle an ihre Bestform herankommen, könnte es was werden mit der Sensation. Und die anderen, die für Frankfurt guten, im Vergleich aber höchstens durchschnittlichen Spieler, müssten über sich hinauswachsen. Und da gibt es ja noch die Zufälle und Unwägbarkeiten des Fußballs. „In einem Spiel passieren viele Dinge“, spricht Boss Bobic aus Erfahrung, „es gibt rote Karten, komische Situationen, einer haut über den Ball – es gibt einfach viele Sachen, die dir in die Karten spielen können“. Darauf hofft die Eintracht mit ihren weit mehr als 20.000 Fans im Olympiastadion.

Die DFB-Pokal-Sieger seit 1985

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.