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Erleichterung nach Stendera-Doppelpack

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Von: Peppi Schmitt

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Eintracht Frankfurt: Bilder zum Sieg in Hannover
Mit 2:1 gewinnt Eintracht Frankfurt bei Hannover 96. Marc Stendera erzielt beide Tore nach einem Frankfurter Rückstand. © dpa

Hannover - Eintracht Frankfurt hat dank eines Doppelpacks von Marc Stendera erstmals seit mehr als 27 Jahren wieder in Hannover gewonnen. Für einen Polizeieinsatz sorgten allerdings mehr als 100 Eintracht-Fans.

So begehrt war Marc Stendera noch nie. Nach dem ersten Doppelpack seiner Karriere musste der abgekämpfte Frankfurter Fußballprofi immer wieder erklären, wie Eintracht Frankfurt bei Hannover 96 die Wende gelang und er zum Matchwinner wurde. Brav zog der 19 Jahre alte Bundesliga-Spieler nach dem mühsamen 2:1 (0:0) von einem Mikrofon zum nächsten und wiederholte mit einem eher müden statt begeisterten Blick: "Wir haben uns den Arsch aufgerissen. Da siehst du, dass du durch Kampf Spiele entscheiden kannst."

Dazu bedurfte es in Hannover aber auch eines Gegners, der die Führung von Felix Klaus (51.) leichtfertig und lethargisch verschenkte. "Normalerweise ist das 0:1 in unserer Situation tödlich", kommentierte Trainer Armin Veh, der nach dem Abpfiff fast jeden in den Arm nahm, der ihm über den Weg lief. "Das war immens wichtig", betonte Veh. Die Erleichterung war dem Eintracht-Coach nach dem gedrehten Spiel anzumerken. Denn der Druck nach fünf Spielen ohne Sieg war groß, vor allem nach dem 1:5-Desaster gegen Gladbach: "Wir sind unheimlich glücklich, nachdem wir zuletzt nicht groß gepunktet haben."

Bei wem er sich besonders bedanken musste, war klar. "Stendera war der, der das Spiel entschieden hat", lobte der Coach den Nachwuchskicker und betonte: "Das war nicht abgestaubt, sondern herausgespielt." Zweimal nutzte der U21-Nationalspieler Kopfballablagen bei den Treffern in der 57. und der 65. Minute. Stendera gab zu, dass diese Variante nicht eingeübt war. "Nee, das war eher Zufall", sagte der Jungprofi, der das erste Mal in seiner Karriere doppelt traf. "Ich habe einfach nicht nachgedacht und abgezogen."

So ging die anfangs gezeigte Beton-Taktik des Frankfurter Trainers doch noch auf. Wie Hannover agierte die Eintracht vor der Pause extrem vorsichtig, mied jegliches Risiko und stümperte bei den wenigen Offensivbemühungen. Oder wie Veh es ausdrückte: "Die erste Halbzeit war von beiden Mannschaften das Spiel, bei dem man nicht unbedingt ins Stadion gehen musste." Auch Stendera bat um Verständnis. "Wenn du nicht punktest, viele Gegentore fängst und ein bisschen Unruhe drin ist, dann ist es normal, dass man verunsichert ist", sagte der später bejubelte Youngster.

So war es im Grunde fast Glück für die Eintracht, dass Hannover in Führung ging. Nach einem blöden Fehler von Stefan Reinartz im Mittelfeld, verpasste es Carlos Zambrano gegen Kiyotake richtig zuzupacken. Prompt setzte der Japaner Felix Klaus ein und der ließ Torwart Lukas Hradecky keine Chance. Es war der erste ernsthafte Schuss aufs Frankfurter Tor und es blieb der letzte. „Es gibt ja moderne Trainer, die den beabsichtigten Fehlpass wollen“, scherzte Veh, „das war der beabsichtigte Rückstand.“ Danach war die Eintracht noch mehr gefordert. „Wir hatten nichts mehr zu verlieren", sagte Veh. Was nicht wirklich stimmte. Denn natürlich hatte die Eintracht viel zu verlieren, nämlich dieses Spiel gegen einen biederen Gegner und damit den letzten Rest an Selbstvertrauen. Veh reagierte schnell und richtig, brachte Slobodan Medojevic für Reinartz, „weil ich mehr Aggressivität wollte."

Wichtiger als der Wechsel in der Aufstellung aber war der Wechsel in der Einstellung. Auf einmal ging`s nach vorne. „Das Gegentor hat uns aufgeweckt“, sagte später Bastian Oczipka, „vorher waren wir verängstigt und das Spiel auf schwachem Niveau.“ Es war dann ausgerechnet der Jüngste, der das Spiel drehte. Marc Stendera traf einmal mit links, einmal mit rechts. Beim Ausgleich hatte Bastian Oczipka geflankt und Alex Meier mit dem Kopf zurückgelegt, Stendera noch einen Gegner umkurvt und getroffen. Beim Siegtor war die Flanke von Constant Djakpa gekommen. Diesmal hatte Stefan Aigner zurückgeköpft und Stendera Nationaltorwart Ron-Robert Zieler wieder keine Chance gelassen.

„Ich sage ihm immer wieder, als Sechser muss er mehr in den gegnerischen Strafraum kommen“, erklärte Trainer Veh später. Stendera hörte aufs Wort und erzielte den ersten Doppelpack seiner Karriere. Wirklich überraschend war das für den Trainer nicht. „Er macht sich halt keinen Kopf“, sagte Veh. Soll heißen: Noch hat Stendera seine Unbekümmertheit nicht verloren. Fünf Minuten vor Schluss ging er dann, es kam Johannes Flum. „Ich war einfach platt", sagte Stendera, „und da ist es besser, wenn ein frischer Spieler kommt und hilft, den Sieg über die Zeit zu bringen." Das gelang den Frankfurtern, Hannover kam zu keiner echten Chance mehr. Die Eintracht spielte nach den späten Toren wie befreit auf: Stefan Aigner scheiterte bei einer klaren Gelegenheit genauso an Zieler wie kurz vor dem Ende Haris Seferovic.

Beim Spiel nicht dabei waren rund 140 Frankfurter Fußballfans, die nach Angaben der niedersächsischen Polizei gewaltbereit waren und bereits vor dem Anpfiff des Bundeslandes verwiesen wurden. "Sie hatten Gegenstände zur Vermummung dabei", sagte ein Polizeisprecher. Auch mit Quarzsand gefüllte Handschuhe seien bei einigen Frankfurtern gefunden worden: "Das brauche ich normalerweise nicht, wenn ich ins Stadion gehe." Die Fußballfans wurden von Einsatzkräften zurück bis an die Landesgrenze von Hessen eskortiert. (dpa/ps)

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