Bester Torschütze sitzt auf der Bank

Die Eintracht und der „Fall Meier“

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Alex Meier im Spiel gegen Darmstadt 98.

Frankfurt - Keine Mannschaft schießt in diesem Jahr so wenig Tore wie die Frankfurter Eintracht. Es waren gerade mal vier in neun Spielen, darunter ein Elfmeter von Makoto Hasebe. In sechs der neun Begegnungen haben die Frankfurter überhaupt nicht getroffen. Von Peppi Schmitt

Über die Gründe für die "Torschusspanik" wurde in den letzten Wochen viel geredet, es wurde analysiert, es wurde nach Gründen gesucht, intern wie extern. Nun rückt auch die Personalpolitik in den Fokus. Denn dass ausgerechnet der beste Frankfurter Torschütze der letzten Jahre und auch dieser Saison, Alexander Meier, seit Wochen eine immer kleinere Rolle spielt, fällt vielen schwer nachzuvollziehen. Die Bild-Zeitung titelte: "Armer Alex!". Die FAZ stellte die Frage: "Aber wo bleibt Meier?" und lieferte die sachliche Argumentation pro Meier gleich mit. Ein "Renner" weniger wäre im Spiel gegen den HSV "nicht weiter aufgefallen", aber ein Spieler mit "Übersicht und Instinkt" hätte das Spiel entscheiden können.

Der Trainer reagiert entgegen seiner sonstigen Gewohnheit ausgerechnet auf dieses Thema ziemlich sensibel. Er könne die Frage nach Meier "überhaupt nicht verstehen", hatte Niko Kovac nach der Nullnummer gegen den Hamburger SV gesagt, "ich habe keine Notwendigkeit zum früheren Wechsel gesehen." Erstaunliche Aussagen, denn selbstverständlich sind Fragen nach Meier berechtigt und erlaubt und natürlich hätte eine Notwendigkeit bestanden einen Stürmer zu bringen, der (fast) immer für ein Tor gut ist.

Nun wird sich Kovac etwas dabei denken, dass er seit einigen Wochen nicht mehr hundertprozentig mit Meier plant. Der Eintracht-Coach verfolgt aktuell einen anderen Spielansatz. Die Kompaktheit soll nach der Niederlagenserie wieder hergestellt werden, bevorzugt schon mit laufstarken Spielern in der Spitze, die die Gegner schon früh attackieren. Dass dabei freilich die Kaltschnäuzigkeit und Konzentration beim Abschluss auf der Strecke bleibt, ist offensichtlich. So gehört Branimir Hrgota sicher zu den fleißigsten Frankfurter Profis, aber Stürmer werden eben auch daran gemessen, ob sie wenigstens einen Teil ihrer klaren und glasklaren Torgelegenheiten nutzen.

Meier ist im Grunde seit dem 0:3 bei Bayer Leverkusen am 11. Februar nicht mehr erste Wahl, wurde nach und nach aufs Abstellgleis geschoben. Obwohl er damals eine der vielen großen Gelegenheiten vorbereitet hatte, jene als Mijat Gacinovic alleine auf den Torwart gelaufen war, um dann an Bernd Leno zu scheitern. Zwischenzeitlich hatte Trainer Kovac seinen Kapitän sogar gelobt für dessen Umstellung des eigenen Spiels. "Die Kritik an Alex ist nicht korrekt, er hat sein Bestes gegeben", hatte Kovac Meier nach dem Pokalspiel gegen Bielefeld explizit in Schutz genommen. Meier ist in dieser Spielzeit eben längst nicht mehr nur der reine Strafraumstürmer.

Eintracht-Zeugnis gegen HSV

Der Umgang mit ihm ist in Frankfurt auch ein emotionales Thema, weil der inzwischen 34 Jahre alte Kapitän von den Fans verehrt wird, sich nie etwas hat zuschulden kommen lassen und bundesweit als mustergütiger Profi gilt. Die Zahlen sprechen sowieso für ihn. Zwölf, neunzehn, acht und sechzehn Treffer hat Meier in den vergangenen vier Spielzeiten für die Eintracht erzielt. Darum war sein Vertrag im letzten Sommer auch bis 2018 verlängert worden. In dieser Saison hat Meier fünfmal getroffen, eine höhere Quote durch zwei verschossene Elfmeter selbst versaut.

Im Jahr 2017 hat die Eintracht genau zwei Spiele gewonnen, beide Male mit Meier über 90 Minuten. 1:0 auf Schalke, Torschütze Meier, 2:0 gegen Darmstadt, Vorbereiter des 2:0 von Rebic Meier. Das Spiel in München hat Meier, den die Fans als "Fußball-Gott" feiern, wegen einer Grippe verpasst, nachdem er im Heimspiel gegen Freiburg wegen dieser Erkrankung nur für ein paar Minuten reingekommen war. Vor dem Spiel gegen den HSV hatte Trainer Kovac darauf hingewiesen, "dass Alex nach der Grippe noch Nachholbedarf hat."

Dass der Spieler dies anders sieht, dürfte klar sein, zumal er in der Woche vor dem Spiel ganz normal mit der Mannschaft trainiert hatte. Zuletzt war Meier nur noch eine Kurz-Teilzeitkraft. Beim 0:2 in Berlin war er trotz Rückstand 90 Minuten auf der Bank geblieben, gegen Freiburg hat er zehn Minuten gespielt, gegen Hamburg nun nur noch sechs. Äußern wollte sich der dienstälteste Eintracht-Profi zu seiner aktuell wenig befriedigenden Situation nicht. Doch wer ihn genau beobachtet, sieht, wie sehr ihn das mangelnde Vertrauen mitnimmt, wie sehr es an ihm nagt. Nach dem Abpfiff gegen den HSV war er noch kurz mit den Kollegen in die Fankurve gegangen, dann aber im Laufschritt in die Kabine, vorbei an den wartenden Journalisten, ohne Kommentar. Sonst steht er immer bereitwillig zur Verfügung.

Nullnummer zwischen Frankfurt und Hamburg

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