Die Rückkehr des Baumeisters

Bobic vor der Reise in seine Stuttgarter Vergangenheit

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Fredi Bobic

Frankfurt - Am Samstag kehrt Fredi Bobic mit der Frankfurter Eintracht zurück nach Stuttgart. Elf Jahre hat er für den VfB gespielt, sechs Jahre in der Jugend, von 1994 bis 1999 als Profi. Von Peppi Schmitt

Frischer in Erinnerung ist seine Arbeit in der sportlichen Führung der Schwaben zwischen 2010 und 2014. Der ursprüngliche Vertrag als Sportdirektor war nach zwei Jahren 2012 zunächst verlängert worden, im April 2013 wurde Bobic dann sogar zum "Vorstand Sport" befördert. Eineinhalb Jahre später war am 24. September 2014 Schluss, Bobic wurde entlassen, nachdem der VfB nach vier Spielen mit lediglich einem Punkt auf dem letzten Platz stand. Trainer war damals übrigens ein gewisser Armin Veh, der selbst ein paar Wochen später seinen Vertrag kündigte.

Seit dem 1. Juni 2016 arbeitet Bobic für die Eintracht als Sportvorstand. Und nutzt seitdem die Zeit, um den Traditionsverein von Main umzukrempeln, von links auf rechts zu drehen, dem Club neue Strukturen zu verpassen. In seinem Vorstandskollegen Axel Hellmann hat Bobic einen Bruder im Geiste gefunden. Zwei Männer, die die Eintracht modernisieren wollen und auf diesem Weg in den letzten Monaten große Schritte vorangekommen sind.

Gerade bei Bobic war dies nicht selbstverständlich. Als er als Nachfolger von Heribert Bruchhagen, freilich mit etwas anderer Arbeitsbeschreibung, vorgestellt wurde, schlug ihm viel Skepsis entgegen. Der 46 Jahre alte Bobic hat sich davon nicht beeindrucken und schon gar nicht entmutigen lassen. Er hat es als Teil seiner Aufgabe verstanden, Skeptiker mit Leistung zu überzeugen. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen in den 21 Monaten seiner bisherigen Amtszeit. Sein Vertrag läuft offiziell noch bis 2019, dass er verlängert wird, ist keine Frage, sofern er selbst weiter Spaß an der Aufgabe hat. Auch dies scheint außer Frage zu stehen.

Bobic hat sich als "Macher" erwiesen, als Baumeister. Als ein Mann mit einem klaren Plan, besser gesagt mit klaren Vorstellungen. Wer auch immer bei der Eintracht nach ihm und seiner Arbeitsweise gefragt wird, gibt die gleiche Antwort: Bobic arbeite mit hoher Intensität, kämpfe für seine Überzeugungen, arbeite fleißig und ausdauernd daran, den sportlichen Teil der Eintracht an die Herausforderungen der Zeit anzupassen. Hat er sich zu einem Thema eine Meinung gebildet und ist überzeugt davon, zieht er es durch. Als Beispiel dient die Internationalisierung der Mannschaft. Was zu Beginn in der veröffentlichten Meinung, auch bei Teilen der Anhängerschaft, durchaus umstritten war, ist längst zum Alltag geworden. Ob nur noch ein oder zwei deutsche Spieler im Team stehen, wird kaum noch thematisiert. Bobic hat es mit seinen sportlichen Mitstreitern Bruno Hübner und Niko Kovac geschafft, dass die Identifikation mit der Mannschaft und einzelnen Spielern alleine über die Leistungen auf dem Rasen gemessen werden. Und die steigen kontinuierlich an.

Die Eintracht ist unter Bobic und Kovac besser geworden. Eine Folge des Personals und der Trainingsarbeit mit dem Personal. Die Einkaufspolitik ist sicher nicht immer zu hundert Prozent aufgegangen, das ist bei der großen Anzahl von Neuzugängen auch nicht möglich. Es sind Spieler wie Shani Tarashaj oder Michael Hector, um nur zwei zu nennen, gekommen und gegangen ohne wirkliche Spuren zu hinterlassen. Auch in dieser Spielzeit gibt es Profis, die (noch) nicht wirklich weitergeholfen haben wie Jonathan de Guzman oder sogar der zweitteuerste Einkauf Jetro Willems. Doch die Mehrzahl der Transfers waren für die Eintracht gewinnbringend. Vor allem sportlich und damit mit Blick in die Zukunft voraussichtlich auch wirtschaftlich. Das Gesamtpaket stimmt also. Das spricht für Bobics Auge und sein Geschick bei der Zusammensetzung der Scoutingabteilung. Die wurde von Grund auf reformiert und ausgebaut. Wie viele Fachleute da wirklich arbeiten, ist in der Öffentlichkeit gar nicht mal bekannt.

Eintracht Frankfurt stellt Fredi Bobic vor: Bilder

Dass der Sportvorstand auch die "Mannschaft hinter der Mannschaft" immer weiter ausgebaut hat und womöglich noch weiter ausbauen wird, ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Längst ist die Zahl der Trainer, Betreuer, Analysten, Mediziner und medizinischer Betreuer und Organisatoren rund ums Team größer als die Zahl der Spieler. Das kostet Geld, bringt aber ganz offenbar einen Mehrwert. Gerade erst hat Trainer Kovac die medizinische Abteilung und die Rehatrainer gelobt, weil sie Spieler wie Omar Mascarell und David Abraham nach langen Verletzungspausen topfit zurück an den Start gebracht haben. Den Ursprung hat diese Ausweitung der eigenen Ressourcen in Bobics Denken, dass die Eintracht im Umfeld des Teams stark sein muss, weil sie sich im direkten Vergleich mit den Großen der Branche bei Spielern (noch) hinter anstellen muss. Dazu gehören auch Straffungen im Nachwuchsbereich. Bobic hat sie unter anderem mit der Anstellung von Marco Pezzaiuoli als Technischen Direktor und Bindeglied zwischen Jugend und Profis in Angriff genommen.

Bobic redet nicht viel. Und er redet auch in der Öffentlichkeit nicht so wirklich gerne. Das liegt womöglich an schlechten Erfahrungen, die er einst in Stuttgart machen musste. In Frankfurt ist die Skepsis nicht nur Anerkennung gewichen, sondern Vertrauen. Nach dem Motto: Der macht das schon und er macht es richtig. Das ist für den früheren Nationalspieler Bobic persönlich ein Quantensprung wie ihn parallel auch die Mannschaft hinter sich hat. Den Spielern rät der Sportvorstand, "sich ihre Ziele selbst zu setzen". Ganz so, wie er es für sich selbst tut.

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