Kapazitäten erschöpft

Kovac nach Niederlage in Stuttgart: "Alles war zu wenig"

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Nach der Niederlage in Stuttgart herrscht Frust bei der Eintracht.

Stuttgart - Am Montag beim 2:1 gegen Leipzig, das war die neue starke Frankfurter Eintracht, selbstbewusst, entschlossen, aggressiv, kampfstark. Am Samstag beim 0:1 (0:1) in Stuttgart war es die ganz alte Eintracht, mutlos, langweilig, brav, schwach in Auftreten und Umsetzung. Von Peppi Schmitt

Dementsprechend sauer waren die Bosse. Deutlich geigten Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic den Spielern die Meinung. "Das Spiel hatte kein Niveau und wir waren noch schlechter", schimpfte Kovac. "Wir hatten nichts verdient, weil der letzte Hunger gefehlt hat", sagt Bobic. Die Mängelliste war diesmal lang, zu lang. "Taktisch, technisch, körperlich, mental, das war alles zu wenig", fällte der Trainer ein eigentlich vernichtendes Urteil über seine Mannschaft. Nichts von dem, was man sich vorgenommen habe und was in den wenigen Trainingseinheiten geübt worden sei, habe die Mannschaft umgesetzt.

Kovac war sauer und gab sich diesmal auch keine Mühe, das irgendwie zu kaschieren. "Wenn man ein solche Leistung abliefert, kann man kein Spiel in der Bundesliga gewinnen", sagte er. Besonders ärgerlich war aus Sicht des Trainers, dass auch der Gegner nicht wirklich gut gespielt hatte. Vor drei Wochen, als die Eintracht in Augsburg mit 0:3 unterlegen war, habe das auch an den Augsburgern gelegen. "Die haben uns aufgefressen, aber der VfB musste sich nicht einmal ein Bein ausreißen", stellte Kovac fest. Nichts ärgert den ehrgeizigen Trainer mehr als selbst verschuldete Niederlagen. Kovac hatte seine Mannschaft nicht wieder erkannt. Und er hatte einen Rückschlag in dieser Art und Weise nicht erwartet.

Sein Chef hieb in die gleiche Kerbe. Wer unter der Woche über Champions-League und Europa-League rede, der müsse dies am Spieltag mit Leistung untermauern. "Wenn sie solche Spiele haben wollen, müssen sie solche Spiele wie in Stuttgart anders bestreiten", sagt Bobic, "wenn wir nicht am Limit spielen und nicht das Maximum herausholen, dann können wir leicht verlieren." Was in Stuttgart ähnlich eindrucksvoll bewiesen wurde wie die eigenen Stärke ein paar Tage früher.

Deutlich wurde bei der Pleite in Schwaben, dass die Eintracht zwar inzwischen einen breiteren Kader hat, der den einen oder anderen Ausfall kompensieren kann, aber eben nicht den Ausfall von ganz wichtigen Spielern. Omar Mascarell und Kevin-Prince Boateng waren nicht zu ersetzen. Mascarell mit seiner Passgenauigkeit und Boateng mit seinen Führungsqualitäten waren genau jene Puzzleteile, die diesmal gefehlt haben für ein stimmiges Gesamtbild. Makoto Hasebe, der in der Position von Mascarell spielte, hatte unendlich viel Bälle, nutzte dies aber viel zu häufig zu Rück- und Querpässen. Es gab auch keinen "Weckruf". Nicht auf dem Platz, auch in der Halbzeit nicht in der Kabine. Zumindest ist er nicht angekommen. Dafür wäre Anführer Boateng prädestiniert gewesen. Der Trainer freilich wollte die Leistung darauf nicht reduzieren. "In Augsburg haben wir auch mit Boateng verloren", sagte er trocken.

Bilder: Eintracht unterliegt in Stuttgart

Es war ein schlechtes Spiel, das die 55.000 Zuschauer gesehen hatten. Auf dem Rasen sei "nichts passiert", stellte Bobic ganz sachlich fest. Die Stuttgarter hatten die eine Chance, die ihnen die Eintracht geschenkt hatte, zum Tor des Tages genutzt und sich dann auf ihre starke Abwehr verlassen. Und die Frankfurter hatten kein Gegenmittel mehr gefunden. Irgendwie hatten sie es auch gar nicht so richtig versucht. Das war das eigentlich Enttäuschende. Alleine die eingewechselten Luka Jovic, dessen Schuss abgeblockt wurde, und Marco Fabián, der vorbeizog ("Da habe ich versagt"), hatten zwei kleinere Gelegenheiten. Der Rest war Ballgeschiebe ohne Idee und ohne Esprit.

Hinterher rätselten bei der Eintracht alle, ob ausgerechnet aus diesem Spiel Tendenzen herauszulesen sein könnten. Ist plötzlich aus der Auswärtsstärke eine Auswärtsschwäche geworden? Und dafür scheint die Heimstärke zurückgekehrt. Die jüngste Statistik mit vier Heimsiegen in Liga und Pokal in Folge und zwei Zu-Null-Niederlagen auf fremdem Plätzen spricht dafür. Einerseits, so der Eintracht-Trainer, sei dies "Bestandteil der Realität". Die Eintracht sei eben noch nicht so weit, wie sie viele gerne sehen würden. Freilich, dazu gehören aber auch alle die Verantwortung bei der Eintracht tragen. Sie sehen die Chance, die sich bietet, und die sich auch nach Stuttgart immer noch bietet. Andererseits, sagt Kovac, müsse er sich schon Gedanken machen, "warum nach Heimsiegen wie gegen Gladbach oder Leipzig so schlechte Auswärtsspiele zustande kommen".

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Es wird also in dieser Woche vor dem Heimspiel gegen Hannover genaue Analysen der letzten Auftritte geben. Ansätze dafür gibt es genug. Hatte es nach dem Leipzig-Sieg noch ganz, ganz viele hoffnungsvolle Perspektiven gegeben, sind nach Stuttgart auch negative Szenarien aufgetaucht. "Irgendwann sind die Kapazitäten beim einen oder anderen auch erschöpft", ahnt Kovac. Danny da Costa beispielsweise hat in Stuttgart mit Ausnahme eines Lattenschusses nicht viel zustande gebracht. Marius Wolf hat diesmal viele falsche Entscheidungen getroffen. Ante Rebic hat ordentlich begonnen, ist dann aber in alte Muster mit Eigensinnigkeiten und unnötigen Fouls verfallen. Und Sébastien Haller ist weit von jener Form entfernt, die ihn in der Vorrunde so ausgezeichnet hat. Diese Tendenz gibt es freilich schon länger.

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