Rüffel von Kovac und Bobic

Eintracht und die ganz große Chance

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Niko Kovac

Frankfurt - So sauer hat man Niko Kovac selten gesehen. Der Trainer der Frankfurter Eintracht war bedient nach der 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart. Von Peppi Schmitt

Die schützende Hand, die er sonst immer über seine Spieler hält, hat er diesmal weggezogen. "Das war zu wenig, in allen Bereichen", sagte Kovac, "so kann man kein Bundesligaspiel gewinnen." Spielt der Gegner besser, kann er Niederlagen akzeptieren, trifft das nicht zu, wird er grantig. Das liegt in Kovacs Natur. So wie diesmal in Stuttgart. "Die mussten sich nicht einmal ein Bein ausreißen, das ärgert mich maßlos", hat er gesagt. Die Niederlage hatten sich die Frankfurter Fußballprofis mit Nachlässigkeiten aller Art selbst eingebrockt. Und das kann und will Kovac nicht akzeptieren. Der 46 Jahre alte Fußball-Lehrer kündigte "deutliche Worte" an, wenn es an diesem Dienstag mit einer ersten Einheit in die Trainingswoche geht.

Ganz sicher wird er darauf hinweisen, was in den zweieinhalb Monaten bis zum Saisonende auf dem Spiel steht. Denn die Lage der Frankfurter ist trotz der zweiten Auswärtsniederlage in der Rückrunde weiterhin so komfortabel wie sie es im gesamten letzten Jahrzehnt nicht mehr war. Die Eintracht liegt zehn Spieltage vor Schluss auf Platz vier, also noch immer in einem Bereich, der sogar die Teilnahme an der Champions-League garantieren würde. So gut die Platzierung ist, so groß sind diesmal die Chancen auf Europa. Und so groß ist auch die Angst, diese ganz große Gelegenheit zu verspielen. So wie vor einem Jahr, als nach einer tollen Vorrunde ein kompletter Einbruch in der Rückrunde erfolgt ist und die Mannschaft von Platz sechs (29 Punkte/8 Siege) auf Platz elf (13 Punkte/3 Siege) mit insgesamt 42 Punkten abgestürzt war. Diese Gefahr besteht diesmal im Grunde nicht. Denn die Eintracht hat in der Rückrunde bislang auch gut gepunktet, bisher schon jene dreizehn Punkte geholt, bei denen es in der letzten Rückrunde insgesamt geblieben war. Und die Frankfurter haben gute Spiele geliefert, bessere sogar als in der Hinserie. Leipzig war nur das jüngste Beispiel, aber auch die Siege gegen Köln oder Mönchengladbach sind nur über viel Qualität zustande gekommen.

Und doch stehen die Hessen gerade jetzt wieder am Scheideweg. Die Leistung von Stuttgart war ein echter Rückschlag, nicht wegen der Niederlage an sich. Das kann passieren, da haben die Verantwortlichen wie Trainer und Sportvorstand Recht. Aber die Art und Weise gibt zu denken. Denn es hat an den "Basics" gefehlt, die Niko Kovac vom ersten Tag an als Grundvoraussetzung für sportlichen Erfolg definiert hat. Die Eintracht hat in Stuttgart ohne Leidenschaft gespielt, ohne Überzeugung, als gäbe es die große Euro-Chance gar nicht. "Wenn sie solche Spiele haben wollen, müssen sie solche Spiele wie in Stuttgart anders bestreiten", rüffelte Sportchef Bobic. Am Tag nach dem Frust haben die Frankfurter Unterstützung bekommen von ganz unerwarteter Seite. Die Konkurrenz nämlich hat im Sinne der Frankfurter gespielt. Bayer Leverkusen hat zu Hause gegen Schalke verloren, das war vielleicht noch zu erwarten. Aber Leipzig war zu Hause dem Tabellenletzten 1. FC Köln unterlegen. Das war eine dicke Überraschung und hat noch einmal unterstrichen, wie groß die Frankfurter Chancen in dieser Saison wirklich sind. Kein Team im Kampf um die Plätze hinter den Bayern spielt wirklich konstant. Es wird auf die Nerven ankommen, auf die Entschlossenheit, auch auf den Mut, die Gelegenheit beim Schopf zu packen.

Eintracht-Zeugnis gegen Stuttgart

Fünf Heimspiele, allesamt gegen Mannschaften, die hinter der Eintracht rangieren, und fünf Auswärtsspiele stehen noch auf dem Programm. Auch wenn Hochrechnungen immer ein wenig risikobehaftet sind, deutet vieles daraufhin, dass in dieser Spielzeit rund 50 Punkte für Europa reichen würden. 39 hat die Eintracht schon aufs Konto geschaufelt. Elf oder zwölf sind also noch nötig, vier Siege. Das ist möglich, wenn die Einstellung stimmt. Die Spieler müssen diese Aussichten als Motivation begreifen und nicht als Druck empfinden. Es wird die Kunst des Trainers sein, dies zu vermitteln. Hilfreich wird sein, dass einer wie Kevin-Prince Boateng , der schon so einiges in seiner Karriere erlebt hat und vor nichts und niemandem Angst hat, am Samstag beim Heimspiel gegen Hannover 96 zurückkehren wird. Bei allen Rechnungen ist eines klar. Gewinnt die Eintracht gegen die Niedersachsen, dann bleibt sie in den Champions-League-Rängen. Und dann sind es nur noch neun Spiele.

Bilder: Eintracht unterliegt in Stuttgart

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