Akku leer, kein Glück, zu viel Unruhe

Eintracht und die Gründe für die Krise

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Die Spieler von Eintracht Frankfurt scheinen am Ende ihrer Kräfte oder sind in einem Formtief - wie Mijat Gacinovic.

Frankfurt - Wiederholt sich die Geschichte? Verspielt die Frankfurter Eintracht tatsächlich auf der Zielgeraden, in die man in einer ausgezeichneten Ausgangsposition eingebogen war, wieder die Teilnahme am europäischen Wettbewerb? Von Peppi Schmitt

Vieles deutet darauf hin. Die Tendenz ist negativ, die Formkurve zeigt ziemlich steil nach unten. Wäre das Pokalspiel auf Schalke nicht gewesen, könnte man von einer veritablen Krise sprechen. So ist es ein Einbruch, der vor vier oder sechs Wochen nicht zu erwarten gewesen war. Damals gab es sogar Träume von der Champions-League. Jetzt wären alle froh, wenn es die Europa-League würde. Platz sieben gilt als Hypothek für die Vorbereitung auf die neue Saison und doch ist mehr wohl nicht erreichbar. Gründe dafür gibt es einige. Eine Analyse.

Der Akku bei vielen Spielern ist leer. An was das liegt, ist schwer einzuschätzen. Es könnte eine falsche Trainingssteuerung sein, dies wurde dem Trainerteam schon in der vergangenen Saison vorgeworfen. Es könnte auch am kraftraubenden Spiel der Eintracht liegen. Irgendwann fehlen dann die Körner. Bei aller taktischen Variabilität, die Niko Kovac seinem Team beigebracht hat, muss die Eintracht immer an die hundert Prozent kommen. Damit bleibt neben der körperlichen auch die mentale Belastung immer hoch. Nur ganz selten gibt es klare Siege, meistens sind die Ergebnisse knapp. Zuletzt wurden allerdings die Niederlagen klarer. Wie in Augsburg (0:3), wie in Leverkusen (1:4), wie nun gegen Hertha (0:3).

Die Ausfälle sind zu viele: Carlos Salcedo, Ante Rebic, jetzt Jonathan de Guzman und Makoto Hasebe fallen mit Verletzungen oder Sperren aus. Der Anspruch, durch viel Prophylaxe vor allem muskuläre Verletzungen verhindern zu können, kann nicht mehr erfüllt werden. Rebic muss wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade passen, de Guzman hat sich eine Muskelzerrung zugezogen. Zum Ende der Saison sind solche Verletzungen durchaus normal, davor ist eben auch die Eintracht nicht gefeit.

Das Spielglück ist weg: In Bremen und in Dortmund hatten die Frankfurter auf Augenhöhe gespielt und unverdient verloren. In Dortmund war es ein Gegentor in der 94. Minute, in Bremen ein Blackout von Torwart Lukas Hradecky, die zu Niederlagen führten. Gegen Hertha sind nun wichtige Schiedsrichterentscheidungen gegen die Eintracht gefallen. Zwei, drei Punkte mehr und die Eintracht wäre im grünen Bereich, so aber ist die rote Ampel an.

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Der Kader ist längst nicht so ausgeglichen wie suggeriert. Seit Kevin-Prince Boateng nicht mehr im Vollbesitz seiner Kräfte ist und Ante Rebic nicht spielen kann, fehlen genau die Spieler, die den Unterschied ausmachen können und ausgemacht haben. Spieler, die der Trainer in der Vorrunde besser gemacht hat, können das Niveau aktuell nicht mehr halten. Bei Mijat Gacinovic, vor allem bei Sébastien Haller zeigt die Formkurve deutlich nach unten. Einige andere, die vor einem Jahr noch zum direkten oder erweiterten Stamm gehört hatten, konnten offenbar mit der Entwicklung nicht mithalten und sind hinten runtergefallen. Das gilt für Marc Stendera, für Branimir Hrgota, auch für Taleb Tawatha und zuletzt Danny Blum. Die Unzufriedenheit im Kader hat sich ausgebreitet, das konnte allerdings nicht ausbleiben und ist kein spezielles Frankfurter Problem.

Der Fokus lag auf dem Pokalspiel. Auf Schalke haben alle die womöglich letzten Reserven mobilisiert. Das war sicher nicht falsch, denn eine Finale ist ein hohes Ziel. Doch die für Europa und die gesamte Entwicklung des Vereins wichtigeren Spiele waren gegen Hoffenheim, Leverkusen und vor allem Berlin. Trainer und Mannschaft haben es nicht geschafft, beides zu stemmen, und sich vorzeitig für Europa zu qualifizieren. Was vor der Saison nicht der Anspruch gewesen war, nach der Entwicklung bis zum 28. Spieltag aber der Anspruch sein muss.

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Das Theater um den Trainer: Niko Kovac hat seine Spieler zu Konzentration auf das Wesentliche ermahnt. Die Eintracht müsse bei allem im Vordergrund stehen, die Lebensweise ganz besonders auf den sportlichen Erfolg ausgerichtet sein. Alles andere müsse ausgeblendet werden. Alles richtig und nachvollziehbar. Nur er selbst hat sich nicht daran gehalten. Der Wechsel zu den Bayern, wann auch immer er vereinbart wurde, ist zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt an die Öffentlichkeit geraten. Es gibt keine Zweifel daran, dass Kovac mit vollem Engagement für die Eintracht arbeitet und doch hat die Unruhe allen Beteiligten geschadet. Das Problem: Egal was der Trainer und die Eintracht auch anstellen, das Thema werden sie nicht mehr los. Am Samstag spielen die Frankfurter in München und am 19. Mai spielen sie in Berlin wieder gegen die Bayern. Viel Zeit für Diskussionen.

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