DFB ermittelt wegen Randale in Magdeburg

„Kriminell“: Eintracht-Vorstand attackiert Fans

Fussball DFB-Pokal, 1. FC Magdeburg - Eintracht Frankfurt
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Frankfurt - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat ein Ermittlungsverfahren gegen die Frankfurter Eintracht und den 1. FC Magdeburg wegen der Ausschreitungen beim Pokalspiel eingeleitet. Das ist nicht wirklich überraschend. Von Peppi Schmitt

Es wird so kommen, wie es immer kommt bei dieser Gemengelage: Gegen die Eintracht und den 1. FC Magdeburg werden mindestens hohe Geldstrafen ausgesprochen. Womöglich droht diesmal sogar ein Ausschluss aus dem DFB-Pokal. Auch dies würde nur den Verein treffen, nicht die wirklich Schuldigen, die es wieder einmal geschafft haben, sich hinter der großen Mehrheit feige zu verstecken. „Das Abschießen von Leuchtspurmunition auf Menschen, ist kriminell“, fand Eintrachts Vorstandsmitglied Axel Hellmann am Tag danach deutliche Worte.

In einer internen Besprechung hatten Vorstand, Fan-Betreuer und die Kommunikationsabteilung die Vorkommnisse von Magdeburg schonungslos analysiert. Aus dem Frankfurter Block waren unter dem Schutz von Rauchbomben zwei Leuchtspurraketen in den benachbarten Zuschauerblock geschossen worden. Magdeburger Fans hatten daraufhin versucht, den Innenraum zu stürmen, das Spiel wurde für knapp zwölf Minuten unterbrochen. Die Polizei konnte Schlimmeres verhindern. Die Folgen für die Eintracht sind noch nicht absehbar. „In jedem Fall schadet es dem Verein, der Mannschaft und der Fan-Kultur enorm“, sagt Hellmann, der in Magdeburg eine neue Dimension der Gewalt festgestellt hat. Es sei „Pyrotechnik als Waffe gebraucht worden“, sagte er, „das ist unbegreiflich.“

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Droht Eintracht ein Ausschluss aus dem Pokalwettbewerb?

Alle Versuche, dies mit tatsächlich erfolgten rechtsradikalen Provokationen unter anderem aus Berlin angereister Neo-Nazis zu rechtfertigen, laufen ins Leere. Denn klar ist: Es waren geplante Aktionen einiger Frankfurter „Ultras“, die so gerne für sich reklamieren, die „wahren“ Fans zu sein. In Wahrheit sind sie das Gegenteil. Die jüngeren dieser Gruppe haben mit der Eintracht längst nichts mehr zu tun, jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch kann leicht auf sie verzichten. Daran können auch ein paar eindrucksvolle Choreografien nichts ändern. In Magdeburg hatten sie sich die Gesichter angemalt, um anonym zu bleiben, die Raketen wurden dann im Schutz des Rauchs abgefeuert. Und so ist es auch ein Märchen, dass es immer nur eine kleine Minderheit sei, die zündelt und randaliert. Nein, es ist eine relativ große Gruppe, die von einer noch größeren gedeckt und manchmal auch bejubelt wird.

Randale beim DFB-Pokalspiel der Eintracht: Bilder

Die Eintracht hat nun einen Aufruf an alle Fans gestartet. „Sie müssen uns helfen, den oder die Täter zu finden“, sagte Hellmann, dies habe nichts mit Denunziation zu tun, „sondern es geht darum, Kriminelle auszusortieren.“ Wer wie die Klubführung im Sinne der Fans Kollektivstrafen ablehne, müsse auch bereit sein, zu helfen, einzelne Täter zu finden. Aus Sicht des Frankfurter Vorstandes ist längst „unsere Fan-Kultur in Gefahr“. Dem DFB-Sportgericht stehen weitere Maßnahmen der Bestrafung zur Verfügung, von Zuschauerteilausschlüssen wie jetzt am kommenden Samstag beim Spiel gegen Schalke, über komplette Geisterspiele bis hin zu einem Pokalausschluss oder der Umwandlung von Steh- in Sitzplätze. Der Eintracht selbst werde durch die Uneinsichtigkeit einer Gruppe „Stück für Stück Maßnahmenmöglichkeiten genommen“, sagte Hellmann.

Peinlich waren auch die Reaktionen nach den Vorkommnissen in Magdeburg. Dass die Mannschaft sich nach dem Elfmeter-Sieg auch noch vor der Kurve bedankte, war völlig daneben. „Uns war gar nicht so richtig bewusst, was da passiert ist“, gab Kapitän Alex Meier zu. Und die Hilfe von der sportlichen Leitung war ausgeblieben. Dass in den sozialen Netzwerken der Eintracht wie Twitter und Facebook die Randale einfach verschwiegen wurde, machte die Hilflosigkeit des Vereins deutlich.

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