Interview mit Adi Hütter

Einstelliger Tabellenplatz wäre super

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Adi Hütter will mit seine Mannschaft im Trainingslager in Gais bis Sonntag einiges erarbeiten. „Es ist wichtig, dass wir nicht zu leicht ausrechenbar sind und mehr als eine Grundordnung spielen können. Wir wollen variabel sein. Deshalb geht es jetzt im mannschaftstaktischen Bereich darum, unser Spiel zu verfeinern."

Frankfurt - Er soll den zu Bayern München abgewanderten Niko Kovac ersetzen: Adi Hütter, der neue Trainer von Eintracht Frankfurt, spricht im Interview mit Daniel Schmitt über seine Erwartungen an die neue Saison, über die Neuzugänge und die Ziele der Eintracht.

Herr Hütter, Sie sind knapp einen Monat in Frankfurt. Haben sich Ihre Erwartungen von der Eintracht erfüllt?

Absolut. Die Eintracht ist ein Traditionsverein, das habe ich schon am ersten Tag gespürt. Ein Verein, der durch den Pokalsieg viel Euphorie hat, der mit vielen Emotionen ausgestattet ist.

Gibt es auch ein Aber?

Es ist klar, dass noch nicht alles einwandfrei laufen kann. In einem WM-Jahr ist in allen Vereinen transfermäßig noch viel Bewegung drin, das betrifft uns natürlich auch.

Am Freitag wurde der achte Neuzugang verpflichtet, Chico Geraldes. Was hat Sie an ihm überzeugt?

Chico Geraldes ist sehr interessant, weil er ein junger Spieler ist, laufstark, der auf der Achter- oder Zehnerposition spielen kann. Bei Sporting Lissabon hat er eine gute Ausbildung genossen. Deshalb hatten wir ihn schon länger im Auge. Er hat viel Entwicklungspotenzial.

Geraldes, Goncalo Paciencia und Allan Souza wurden zuletzt häufig von ihren Klubs verliehen, Evan Ndicka und Lucas Torro spielten in ihren Heimatländern jeweils in der zweiten Liga. Viel Erfahrung ist das nicht. Ein Problem?

Es beginnt ja jeder mal irgendwo. Wie man nach oben kommt, das ist egal. Ob man gleich bei einer Spitzenmannschaft spielt oder mal einen Umweg über die zweite Liga nimmt. Da gibt es unterschiedliche Wege. Entscheidend ist, dass wir Spieler gesucht haben, die Potenzial besitzen. Das sind vielleicht noch keine fertigen Fußballer, aber sie sind gewillt, bei uns den nächsten Schritt zu gehen. Sie sind hungrig. Außerdem haben wir noch genug Erfahrung in der Mannschaft.

Wie läuft die Entscheidungsfindung ab, bis es zu einem Transfer kommt?

Es gibt so viele Spieler in Europa, in Südamerika – da kann man als Trainer gar nicht alle kennen. Deshalb läuft es in allen Vereinen gleich ab. Man hat eine Scouting-Abteilung – bei uns mit Ben Manga an der Spitze, der quasi über jeden Fußballer europaweit informiert ist. Wir haben uns sämtliche Videos angeschaut, Informationen über sie zusammengetragen und auf dieser Grundlage entschieden, sie zu holen.

Es sind Führungsspieler gegangen. Sind die Neuen schon so weit, Abgänge wie die von Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf oder Omar Mascarell zu kompensieren?

Es ist immer spannend, diese Frage von der anderen Seite zu betrachten. Wer hat zum Beispiel vor zwei Jahren Marius Wolf gekannt? Und auch in der vergangenen Saison sind Spieler wie Boateng oder Ante Rebic erst im letzten Moment verpflichtet worden. Damals wusste auch nicht jeder, ob das funktioniert. Außerdem ist ja nicht so, dass wir keine Spieler hätten, die Führungsqualitäten mitbringen. David Abraham, Marco Russ oder Carlos Salcedo haben viel Erfahrung. Klar, ein Boateng war ein Schlüsselspieler, der viel geregelt hat. Aber natürlich hoffe ich, dass wir Spieler finden, die in diese Rolle hineinwachsen.

Haben Sie bestimmte Namen im Kopf?

Das ist schwierig, für diese Rolle jemanden herauszudeuten. Am Ende wird es vielleicht ein ganz anderer. Ich möchte auch nicht, dass sich alles auf ein oder zwei Spieler fokussiert. Wir brauchen eine homogene Mannschaft.

Sie wollen mit Ihrer Mannschaft den Gegner früh attackieren. Pressing und Gegenpressing lauten die Stichworte. Welche Vorteile bringt diese Spielweise mit? Und welche Gefahr?

Wer meinen Weg ein bisschen verfolgt hat, der kann herauslesen, dass ich schon immer gerne versucht habe, mit Angriffsfußball zum Erfolg zu kommen. Aber das ist nur der Plan A, es gibt auch einen Plan B. Denn ich glaube nicht, dass man in jedem Stadion der Bundesliga die ganze Zeit nach vorne rennen und hinten offen wie ein Scheunentor sein kann. Wir brauchen schon eine richtige Balance im Spiel.

Wie wollen Sie diese hinbekommen?

So etwas muss man schon über einen längeren Zeitraum aufbauen. Angriffsfußball bedeutet, dass der hohe Aufwand vorne auch Ertrag bringen muss. Und hinten darf es nicht zu viel Risiko sein. In Salzburg zum Beispiel haben wir viel nach vorne gespielt und die wenigsten Gegentore bekommen. In Bern die meisten Tore erzielt, die zweitwenigsten bekommen. Wenn es so läuft, dann ist alles in Ordnung. Aber ständig nur Pressing zu spielen, gerade mit den kräftezehrenden Europa-League-Spielen unter der Woche, das wäre zu mutig.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Südtirol: Bilder

In knapp zwei Wochen steht das erste Spiel im Supercup gegen den FC Bayern an. Welche Wertigkeit hat die Partie für Sie? Ein besseres Testspiel oder eine echte Titelchance?

Es geht um einen Titel, also möchte man auch gewinnen. Nicht nur die Bayern, sondern auch wir. Es gibt keinen besseren Test, als zu Hause vor ausverkauftem Haus gegen Bayern München zu spielen. Man spürt, dass die Zuschauer schon wieder gierig auf die Eintracht sind. Wir wollen uns gut präsentieren. Aber natürlich wissen wir, dass wir danach immer noch 14 Tage bis zum ersten Bundesligaspiel haben.

Für die Liga haben Sie keine Platzierung als Ziel ausgegeben. Nun war die vergangene Runde mit Platz acht und Pokalsieg schon ziemlich gut. Haben Sie Bedenken, an den gestiegenen Erwartungen scheitern zu können?

Manchmal gehört auch das Scheitern im Leben dazu. Wenn Euphorie da ist, ist das super. Aber gerade deswegen muss man kühlen Kopf bewahren. Außer vielleicht in München weiß keine Mannschaft vor dem Saisonstart richtig, wo sie steht. Es gibt immer mal Teams, die sich vorne reinspielen. Und dann welche, die überraschend hinten reinrutschen. Für mich zählt erst einmal, dass wir eine Art von Fußball spielen, die die Leute begeistern kann. Wenn alles top funktioniert, bin ich aber überzeugt, dass wir eine gute Saison spielen. Dass ein einstelliger Tabellenplatz super wäre, darüber brauchen wir nicht diskutieren.

Bilder: Der Kader von Eintracht Frankfurt

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