Rätsel um Regäsel

Eintrachts Mega-Kader: 29 Profis für 18 Plätze

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Die Eintracht hat einen großen Kader für die Rückrunde.

Frankfurt - Die winterliche Transferperiode ist am Mittwochabend zu Ende gegangen. Mit Slobodan Medojevic (zu Darmstadt 98) und Max Besuschkow (ausgeliehen bis zum Saisonende an Holstein Kiel) haben zwei Profis die Frankfurter Eintracht verlassen. In die letzten dreieinhalb Monate der Saison gehen die Frankfurter mit 35 Spielern, die mit Verträgen gebunden sind. Von Peppi Schmitt

Darunter der einzige Neuzugang Marijan Cavar (Mostar), der in der kommenden Woche nach seinen ersten Länderspielen für Bosnien-Herzegowina an seinem neuen Arbeitsplatz erwartet wird, den fünf A-Jugendspielern Sahverdi Cetin, Nelson Mandela, Deji Beyreuther, Noel Knothe und Renat Dadashov sowie Yanni Regäsel, der nach wie vor nicht am Mannschaftstraining teilnehmen darf. Inklusive Cavar und Comebacker Alexander Meier werden sich also 29 Spieler um die elf Start- und weitere sieben Bankplätze bemühen. Eine enorme Anzahl und große Herausforderung für Trainer Niko Kovac, der den quantitativen Überfluss managen muss, ohne dass Unzufriedenheit aufkommt und es dadurch zu Reibungsverlusten kommt.

Ein wenig hatte die Eintracht darauf spekuliert, dass noch der eine oder andere weitere Spieler sich in diesem Winter verändern würde. Marc Stendera und Taleb Tawatha, um zwei Beispiele zu nennen, haben ihre Bundesligatauglichkeit ja bereits unter Beweis gestellt und doch stehen sie vor einer ungewissen Zukunft bei der Eintracht. "Die Spieler kennen ihren Status quo", sagt der Trainer, "wenn jemand gekommen wäre, hätten wir nachgedacht." Aber ganz offensichtlich gab es keine adäquaten Angebote. "Und in die 5.Liga schicken wir keinen unserer Spieler", sagt der Trainer. Der Weg von Besuschkow, für ein halbes Jahr bei einem Aufstiegsanwärter aus der Zweiten Liga zu spielen, sei dagegen genau das Richtige. "Für alle Seiten ist diese Leihe eine sehr gute Lösung", sagt auch Manager Bruno Hübner.

Für einige im Aufgebot würde es ein schwerer Weg, räumt Kovac ein, "das Niveau wird höher und der Konkurrenzkampf größer". Dafür würden Rückkehrer wie Marco Fabián oder auch in naher Zukunft David Abraham sorgen. Und Omar Mascarell hat sich nach langer Pause mit Beginn der Rückrunde seinen Stammplatz zurückgeholt. Gerade im Mittelfeld ist das Gedränge groß. Aktuell sind defensiv Mascarell und Kevin-Prince Boateng unangefochten. Gelson Fernandes ist erster Einwechselspieler, Jonathan de Guzman steht kurz vorm Comeback nach einer Schulteroperation. Makoto Hasebe könnte dort spielen, wenn Abraham für die Abwehr zurück ist. Welches Leistungsvermögen Neuzugang Cavar hat, wird sich bald herausstellen. Für eine oder zwei zentrale Offensivpositionen gibt es mit Mijat Gacinovic, Aymen Barkok, Daichi Kamada, Marco Fabián und Marc Stendera auch fünf Anwärter. Auf der linken Verteidigerposition steht Tawatha hinter Timmy Chandler und Jetro Willems aktuell nur noch an dritter Stelle. Hoffnungslos aber sei die Situation für die aktuellen "Reservisten" nicht. Und bedauern müsse sie auch niemand. "Sie haben Verträge, verdienen ordentliches Geld und müssen sich empfehlen", empfiehlt Kovac als Strategie für die Spieler, ihre Lage aus eigener Kraft zu verbessern, "wer nicht im 18er- Kader steht, muss arbeiten, arbeiten, arbeiten." Alle Spieler seien in jedem Fall weiter "Teil der Mannschaft", versichert der Eintracht-Coach.

Mitgliederversammlung der Eintracht: Bilder

Für einen gilt das freilich nicht wirklich. Yanni Regäsel, vor zwei Jahren von Hertha BSC gekommen, immerhin in seiner ersten Rückrunde zehnmal eingesetzt, ist komplett außen vor. Und das schon lange. Seit einigen Monaten darf er nicht mehr mit der Mannschaft trainieren, wurde von der täglichen Arbeit freigestellt und hat klare Signale erhalten, er möge sich doch bitte nach einem neuen Verein umsehen. Doch das hat offenkundig nicht geklappt. Es sei "Aufgabe der Berater" einen neuen Arbeitgeber für den 22 Jahre alten Verteidiger zu suchen, sagt Kovac, "aber bis jetzt gibt es wenige Interessenten." Was durchaus erstaunlich ist, denn auf Zweitliga-Niveau wie jetzt beispielsweise Medojevic oder Besuschkow könnte Regäsel sicher auch spielen. Doch so bleibt der "Fall Regäsel" weiter ein Rätsel.

Der Spieler, so Kovac, habe die Trennung von der Eintracht, die ihn natürlich weiter bezahlt, ziemlich klaglos akzeptiert. Das individuelle Training, mit der er sich beschäftigt, findet jedenfalls nicht im Kreis der Mannschaft statt. "Es gibt keinen Streit", sagt Kovac. Und es gibt auch keine gerichtlichen Bemühungen, sich ins Mannschaftstraining "zurückzuklagen". Was womöglich daran liegt, dass Regäsel von der Agentur "Lian Sports" vertreten wird, die mit Mijat Gacinovic, Ante Rebic, Luka Jovic und Taleb Tawatha vier weitere Klienten bei der Eintracht hat.

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