Statistik spricht gegen die Hessen

Eintracht Frankfurt kämpft gegen den Rückrundenfluch

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Eintracht Frankfurt um Jonathan de Guzmán hat sich in Florida auf die Rückrunde vorbereitet.

Frankfurt - „Normalerweise“, so hat es Adi Hütter vor ein paar Wochen gesagt, „werden meine Mannschaften im zweiten Teil der Saison besser.“ Das ist dem Trainer der Frankfurter Eintracht so rausgerutscht bei einer seiner Analysen.  Von Peppi Schmitt

Einfangen kann er diesen Spruch nicht mehr, will er auch nicht. Aber ein bisschen vorsichtiger ist Hütter doch geworden. Denn er weiß natürlich, dass die 27 Punkte, die die Eintracht in der Vorrunde der Bundesliga und die 18 Punkte, die sie in der Gruppenphase der Europa-League erreicht hat, nur schwerlich zu toppen sein werden.

Hütter wollte mit seiner Einschätzung den eigenen Spielern vermitteln, dass durchaus noch Luft nach oben ist und den Anhängern Mut machen, dass die Frankfurter Festspiele noch lange nicht beendet sind. Bei seiner vorangegangenen Station bei den Young Boys in Bern hat er es auch tatsächlich zweimal geschafft, in der Rückrunde mehr Punkte zu holen als in der Vorrunde.

Der Trainer will damit dem gegenläufigen Trend bei der Eintracht in den letzten zehn Jahren entgegenwirken. Nimmt man die Saison 2011/12 in der 2. Liga mal aus, haben die Frankfurter seit 2008 nur zweimal (2014 und 2016) in der Rückrunde mehr Punkte geholt als in der Vorrunde. In aller Regel waren es weniger.

Klare Erklärungsmuster, um den Gründen für das Nachlassen auf die Spur zu kommen, sind nicht zu erkennen. Zumal die Adler in jenem Zeitraum von fünf verschiedenen Trainern mit durchaus unterschiedlichen Spielansätzen angeleitet wurden. Aber egal ob Friedhelm Funkel, Michael Skibbe, Armin Veh, Thomas Schaaf oder Niko Kovac, alle hatten mit einer Art „Frühjahrmüdigkeit“ zu kämpfen.

An der Art und den Orten der Vorbereitung auf die jeweiligen Rückrunden kann es auch nicht gelegen haben. Mal wurde das Training verschärft im Winter, dann wurde wieder lockerer gearbeitet, mal stand die Kondition im Vordergrund, mal die Taktik. Neuzugänge haben selten eine große Rolle gespielt.

Die Eintracht war mit Veh und Schaaf und Kovac in Abu Dhabi, lebten am Persischen Golf im absoluten Luxus. Funkel hatte die portugiesische Algarveküste bevorzugt, Skibbe die türkische Mittelmeerküste, beides gleich zwei Nummern kleiner. Und Kovac war letztes Jahr mit der Mannschaft im Winter auch einmal in Spanien. Die Trainingsbedingungen waren immer gut.

Adi Hütter wagt dagegen in diesem Jahr einen ganz neuen Ansatz, er ist mit der Mannschaft in die USA geflogen. Aus seiner Sicht ist der Neustart allerdings gar keine „richtige“ Winter-Vorbereitung, sondern nach weniger als zwei Wochen Ferien nur die Fortsetzung der Saison nach einer kleinen Pause. Im Grunde nicht anders als die „Länderspielpausen“ im Herbst. Zurück zu den Frankfurter Abwärtstendenzen im Frühjahr.

Bilder: Eintracht verliert im Florida Cup

Ganz schlimm war die „Rückrunde der Schande“, so genannt von Präsident Peter Fischer, in der Saison 10/11, als die Eintracht unter Trainer Skibbe nach 23 Punkten und Platz 8 im Winter mit nur noch elf Punkten in der Rückrunde bis auf einen Abstiegsplatz stürzte. Das waren im zweiten Teil zwölf Punkte weniger als im ersten, aber nicht einmal der Negativrekord in der jüngeren Geschichte.

Noch schlimmer, aber mit weniger gravierenden Folgen, verlief die Rückrunde der Saison 16/17. Da holte die Eintracht unter Niko Kovac nach 29 Punkten in der 1. Halbserie nur noch 13 dazu, ein Minus von 16 Punkten. Das Kunststück der absoluten Ausgeglichenheit ist übrigens Friedhelm Funkel gelungen. Die 46 Punkte in der Saison 07/08 verteilten sich gleichmäßig (23) auf die beiden Halbserien.

Und einmal war der Trend sogar komplett gegenläufig. Das war damals allerdings auch bitter nötig. Nach nur 15 Punkten in der Vorrunde 13/14 lag die Eintracht unter Armin Veh auf einem Abstiegsplatz, nachdem sie mit der Zusatzbelastung der Europapokalspiele nicht fertig geworden war. In der Rückrunde ging es bergauf, es wurden 21 Punkte geholt und noch Platz 13 erreicht. Das war die Ausnahme von der Regel.

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