Eintracht-Profis wecken Begehrlichkeiten

Das Millionen-Monopoly: Wen kann Bobic teuer verkaufen?

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Marius Wolf ist eines der größten „Schnäppchen“ bei Eintracht Frankfurt, mit seinem Verkauf könnte der Verein einen ordentlichen Gewinn erzielen - würde damit aber die mannschaft sportlich schwächen.

Frankfurt - Fredi Bobic hat vieles verändert bei der Frankfurter Eintracht. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Axel Hellmann und Oliver Frankenbach hat er den Verein „auf links gedreht“. Von Peppi Schmitt

Der Sportvorstand, seit Mitte 2016 im Amt, hat eine neue Mannschaft aufgebaut, in jeder Beziehung andere Schwerpunkte gesetzt. Zur Geschäftsphilosophie von Bobic gehört auch eine andere Transferpolitik. Im ersten Jahr musste er über viele sogenannte „Leihgeschäfte“ die Mannschaft stabilisieren. In der Transferperiode im vergangenen Sommer hat er dies deutlich verändert. Preiswert einkaufen, teuer verkaufen - so wurde das Geschäftsmodell beschrieben. „Wir wollen unsere Transferbilanz verbessern“, sagt Bobic, „dabei versuchen wir, Spieler zum Beispiel für fünf, sechs, sieben Millionen Euro zu verpflichten, die wir nach einiger Zeit für 30, 35 oder 40 Millionen Euro verkaufen können.“

Die spektakulären Quantensprünge auf dem Transfermarkt, in dem Spielerwechsel in inzwischen dreistelliger Millionenhöhe möglich sind, lassen darauf schließen, dass Bobic den Markt richtig einschätzt. Durch die bislang so erfolgreiche Saison könnten auch die Spieler der Eintracht Begehrlichkeiten geweckt haben. Zumindest wäre das zu vermuten. Aber ist das wirklich so? Welchen Spieler könnten die Frankfurter teuer verkaufen? Ist der beschriebene „Königsverkauf“ realistisch? Und will sie das überhaupt? Eine Analyse:

Lukas Hradecky (28 Jahre): Der Torwart ist einer der besten der Liga und sicher begehrt. Aber der Vertrag des Finnen läuft aus und die Eintracht würde bei einem Weggang keine Ablöse erhalten. Das wäre ein schlechtes Geschäft. Wohl auch deshalb bemüht sich der Verein, ihn mit deutlichen Gehaltsaufbesserungen doch noch zum Bleiben zu bewegen.

Jetro Willems (23): Für sechs Millionen Euro haben die Frankfurter den Verteidiger aus Eindhoven geholt. Der Marktwert ist in den letzten Monaten aber sicher nicht gestiegen, denn Willems gehört nicht zum absoluten Stamm. Unwahrscheinlich, dass er mit Gewinn verkauft werden könnte.

Sébastien Haller (24): Mit sieben Millionen Euro an den FC Utrecht ist er der bislang teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Nach der Vorrunde war er der erste Verkaufskandidat. Der Franzose hat viele Tore erzielt, inzwischen acht, darunter ein paar besonders spektakuläre, die in vielen Ländern über die Bildschirme geflimmert sind. Doch in der Rückrunde schwächelt Haller. Möglich, aber aktuell nicht wirklich wahrscheinlich, dass sich trotzdem ein englischer Club entschließt, viel Geld auszugeben.

Omar Mascarell (25): Für eine Million Euro hat die Eintracht den Spanier von Real Madrid geholt Die „Königlichen“ waren aber schlau genug, sich eine Rückkaufoption einräumen zu lassen. Für vier Millionen Euro könnte Real den Mittelfeldspieler zurückholen, in den eigenen Kader integrieren oder ihn meistbietend weiterverkaufen. Sehr wahrscheinlich, dass Real die Option zieht, auch wenn Mascarell aktuell verletzt ist. Für die Eintracht würde ein Gewinn übrig bleiben, aber nicht in jener Höhe, die eigentlich Mascarells Klasse und den marktüblichen Preisen entspricht.

Bilder: So ergeht es den Eintracht-Abgängen

Mijat Gacinovic (23): Für 1,25 Millionen Euro haben Manager Bruno Hübner und der frühere Trainer Armin Veh ihn aus Novi Sad geholt. Der flinke Stürmer ist inzwischen zum A-Nationalspieler aufgestiegen und hat seinen Marktwert deutlich erhöht. Allerdings: Gacinovic ist in der Rückrunde bei der Eintracht nicht mehr allererste Wahl. Interesse von anderen Vereinen könnte es geben, ein Verkauf mit Gewinn wäre wahrscheinlich. Aber nicht in der von Bobic gewünschten Dimension. Es sei denn, der Serbe würde bei der WM durch die Decke schießen. Das ist eher unwahrscheinlich.

Ante Rebic (24): Für zwei Millionen Euro aus Florenz gekommen. Der kroatische Nationalspieler ist die heißeste Frankfurter Aktie auf dem Transfermarkt. Er spielt eine tolle Saison, hat schon sechs Tore geschossen, wird mit zur WM fahren. Ein Stürmer seiner Klasse kann sicher für einen zweistelligen Millionenbetrag wechseln. Sportlich wäre er allerdings ein Riesenverlust.

Marco Fabián (28): 3,7 Millionen Euro hat die Eintracht für ihn nach Guadalajara überwiesen. Der Mittelfeldspieler ist sicher einer der ersten Verkaufskandidaten, zumal er auch sportlich ersetzbar erscheint. Die Eintracht muss hoffen, dass er es zur WM schafft und dort gute Leistungen zeigt. Sonst ist das Erzielen einer hohen Ablöse utopisch.

Archivbilder: Die teuersten Transfers der Bundesliga-Geschichte (2014

Die teuersten Transfers der Bundesliga-Geschichte

Marius Wolf (22): Gerademal 500.000 Euro haben die Frankfurter für ihr größtes Juwel an Hannover 96 bezahlt. Kollege Kevin-Prince Boateng prophezeit Wolf eine Nationalmannschaftskarriere. In der Bundesliga dürfte Wolf begehrt sein, zumal er sehr variabel einsetzbar ist. Zehn, fünfzehn Millionen Euro Ablöse sind realistisch. Die offene Frage: Will Wolf überhaupt weg, wenn nicht einer der ganz Großen anklopft?

Fazit: Es gibt den einen oder anderen Spieler, für den die Eintracht viel Geld erlösen könnte. Aber der ganz große Durchbruch für die „Verkaufsphilosophie“ wie beispielsweise im letzten Sommer beim 1.FC Köln (Anthony Modeste für 29 Millionen Euro nach China) oder beim SC Freiburg (Maximilian Philipp für 20 Millionen Euro nach Dortmund) ist nicht in Sicht.

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