Veh nimmt endgültig Abschied von Spielidee

Eintrachts Offensive: Keine Form, keine Tore

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Stefan Aigner (rechts) vergab gegen Leverkusen zwei klare Torchancen - die einzigen der Eintracht in dem Spiel.

Frankfurt - Bevor Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh sich nach dem Spiel gegen Leverkusen noch mit den Frankfurter Journalisten zusammenstellte, verabschiedete er sich herzlich von seinem Kollegen Roger Schmidt und tauschte mit ihm noch ein paar Gedanken aus. Von Peppi Schmitt

Da war die Rede davon, dass ihm die eigene eher defensive Spielweise nicht wirklich gefalle, dass die Leistungsunterschiede in der Liga aber inzwischen viel zu groß geworden sind, um noch den offenen Schlagabtausch zu suchen. Das klang nach echtem Bedauern. Vor ein paar Wochen, genau nach dem 1:5 gegen Mönchengladbach, hat Veh Abschied genommen von seiner Fußballidee, vom schönen, vom offensiven Spiel. „Wir können das derzeit nicht umsetzen“, hat er gesagt. Seitdem hat sich nichts geändert. Die Eintracht spielt längst nicht mehr jenen Fußball, den Veh und die Zuschauer lieben. Nur mit der Abkehr von der eigenen Überzeugung scheinen noch Erfolge möglich. Eine neuerliche Veränderung der Spielphilosophie ist deshalb nicht in Sicht, gerade in den beiden Derbys gegen Mainz 05 und Darmstadt 98, die nun folgen, wird es darauf ankommen, zu punkten. Irgendwie, ohne Rücksicht auf Ideale, auf Schönheit oder Spektakel.

Es gibt wohl kaum einen anderen im Club, dem das so gegen den Strich geht wie dem Trainer selbst, der so gerne von mehr träumt. Doch Veh ist auch Realist. Nur deshalb hat er davon gesprochen, „dass es in dieser Saison darum geht, drei Mannschaften hinter uns zu lassen.“ Das haben ihm einige übel genommen, aber die meisten haben die Notwendigkeit dieser Kurskorrektur eingesehen. Nach dem Spiel gegen Leverkusen hat Vorstand Axel Hellmann den Trainer in den Arm genommen, das hatte etwas von Trost. Der 54 Jahre alte Fußball-Lehrer hat die Niederlage gegen Bayer relativ gelassen aufgenommen, „weil das gegen eine so starke Mannschaft passieren kann.“ Und weil er weiß, dass seine Möglichkeiten durch viele Umstände arg begrenzt sind. Zum einen haben er und Sportdirektor Bruno Hübner es im Sommer verpasst, die neuralgischen Punkte, die durchaus bekannt waren, mit konsequenter Personalpolitik in Angriff zu nehmen. Zum anderen wurden sie überrascht von den Formschwächen einzelner Spieler.

Eintracht Frankfurt muss monatelang auf Luc Castaignos verzichten. Der Angreifer muss am linken Knöchel operiert werden. Er hatte sich beim Spiel gegen Leverkusen eine Verletzung des Syndesmosebandes zugezogen.

Am meisten Sorgen mache er sich, „weil wir so wenig Chancen herausspielen“, gibt Veh zu. Dieser Mangel hat viele Gründe. Das Mittelfeld produziert zu wenige kreative Ideen. Gute Pässe in die Spitze sind Mangelware. Auch die Standards sind eher schwach. Jene tolle Freistoßflanke von Marc Stendera, die Slobodan Medojevic den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer ermöglicht hat, war bislang die große Ausnahme. Und die Stürmer sind nicht so in Form, wie man das erhofft hatte. Oder, und das wäre die schlechtere Variante, sind sie vielleicht auch nicht so gut wie gedacht.

Die meisten Treffer hat einmal mehr Alexander Meier erzielt, genau fünf. Dass der Kapitän seit Wochen durchhängt, ist noch am ehesten zu erklären. Nach seinem Blitzstart nach Knieoperation und fünf Monaten Pause mit den drei Treffern beim 6:2 gegen den 1.FC Köln war allgemein eine Formdelle erwartet worden. „Nach einer so langen Verletzung, geht es schnell nach oben, aber man kann danach auch in Loch fallen“, hatten Trainer wie Spieler gleich nach der Gala gesagt. Genauso ist es eingetroffen. Meier ist viel gelaufen in den letzten Spielen, gegen Leverkusen gut 10,5 Kilometer, das war der viertbeste Wert der Eintracht. Aber er hat wenig bewegt, keinen einzigen Torschuss abgegeben. Und doch besteht die Hoffnung, dass es nach Auf und Ab nun bald wieder aufwärts geht.

Eintracht-Zeugnis gegen Leverkusen

Neben Meier war Stefan Aigner in den letzten Jahren der Garant für Tore. In dieser Saison hat er noch gar nicht getroffen. Das ist schlimm für die Mannschaft und tragisch für den Spieler. Denn Aigner spielt nach schwachem Start längst wieder besser. Er kämpft und rackert, geht keinem Zweikampf aus dem Weg und spielt sich Chancen heraus. In Hoffenheim erzielte er zwei Tore, eines wurde zu Recht wegen Abseits abgepfiffen, ein anderes zu Unrecht. Auch gegen Leverkusen hatte er zwei hundertprozentige Chancen. Doch einmal verzog er mit rechts, einmal mit links. Der Ball will einfach nicht mehr ins Tor. „Aber wir brauchen seine Tore“, klingt der Trainer fast schon verzweifelt.

Mit Haris Seferovic und Luc Castaignos, davon war Veh zum Saisonstart überzeugt, hatte er ein ideales Angriffsduo gefunden. „Die passen zueinander“, war seine Überzeugung. Das klappte in den ersten Spielen gut, danach nicht mehr. Das Duo ist längst gesprengt, freiwillig, weil dem Trainer zwischenzeitlich die Laufarbeit von Bundesliga-Neuling Castaignos gefehlt hatte, unfreiwillig, weil sie selten gemeinsam zur Verfügung stehen. Mal war Seferovic verletzt oder zuletzt gesperrt, jetzt ist Castaignos wieder verletzt und kann bis zum Winter nicht mehr spielen. Die Konsequenz aus all dem Ungemach und Unvermögen kann nur sein, dass die Frankfurter im Winter nachrüsten. Ein Linksaußen muss her, am besten auch noch ein kreativer und schneller Mittelfeldspieler. Aber beides in der winterlichen Transferperiode zu finden, ist außerordentlich schwer.

Bilder: Eintracht verliert verdient gegen Leverkusen

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