Schwere Zeiten für Rönnow

Der Frankfurter Plan: Trapp soll der Anführer werden

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Kevin Trapp soll der neue Anführer der Mannschaft von Eintracht Frankfurt werden.

Frankfurt - Über Beschäftigungsmangel braucht sich Moppes Petz nicht zu beklagen. Der Torwarttrainer der Frankfurter Eintracht hat inzwischen fünf Torhüter unter seinen Fittichen. Von Peppi Schmitt

So groß war die Gruppe der Torwächter bei der Eintracht eigentlich noch nie. Frederik Rönnow haben die Frankfurter aus Bröndby ursprünglich als Nachfolger für den nach Leverkusen abgewanderten Lukas Hradecky geholt. Felix Wiedwald ist aus Leeds gekommen und sollte die Nummer zwei werden. Jan Zimmermann war als Ergänzung gedacht und Tobias Stirl aus der A-Jugend durfte einen Vertrag unterschreiben, weil die Eintracht dringend deutsche Spieler gebraucht hat, um die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu erfüllen. Mit der kurzfristigen Verpflichtung von Kevin Trapp wurde die Hierarchie nun komplett durcheinandergewirbelt. Der Nationaltorwart ist natürlich die unangefochtene Nummer eins, er soll der Anführer der neuen Eintracht werden. Rönnow rückt auf die Bank. Vor einer Woche in Freiburg hatte Trainer Adi Hütter auch noch Jan Zimmermann Wiedwald vorgezogen, inzwischen ist also nichts mehr, wie es geplant und gedacht war. Nur die Rolle des jungen Stirl ist unverändert geblieben. Er verdient ein paar Euro als Jungprofi und sammelt seine Spielpraxis in der U19.

Für den Torwarttrainer ist die große Gruppe eine tägliche Herausforderung. „Bei zwei Torhütern, ist man selbst bei jeder Übung noch mehr gefordert“, beschreibt er den gravierendsten Unterschied, „bei vier oder fünf müssen alle in die Übungen integriert werden.“ Was im Grunde nicht schlecht sei, denn das Torwartspiel beinhaltet ja längst nicht mehr nur das Bälle abwehren auf der Linie, sondern erfordert immer mehr fußballerische Fähigkeiten. Und die werden durch Eigenbeteiligung beim Training der Kollegen durchaus gefordert und gefördert. Wichtig sei, so der erfahren Petz, „dass es keine langen Standzeiten gibt.“ Die Torhüter müssen also in Bewegung bleiben.

Neben dem reinen Training auf dem Platz ist aktuell auch viel Fingerspitzengefühl im Umgang miteinander gefragt. „Psychologie braucht man immer in unserem schönen Job“, sagt der 56 Jahre alte Petz, „man muss halt auch mal schlechte Dinge vermitteln“. Denn natürlich hat sich das Torhüter-Quartett nicht vor Begeisterung überschlagen, als nun auch noch Kevin Trapp hinzugekommen ist. „Meine Aufgabe ist es, alle gleich zu behandeln und deutlich zu machen, dass alle fünf wichtige Teile des Ganzen sind“, sagt der Torwartcoach.

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In dieser Woche ist die Gruppe selten komplett. Tobias Stirl ist am Mittwochabend mit den U19-Junioren unterwegs. „Da macht es ja keinen Sinn ihn vorher oder nachher zu belasten, er soll ja frisch sein“, sagt Petz. Und bei Frederik Rönnow war es völlig unklar, ob er nun mit der dänischen Nationalmannschaft spielt oder nicht. Die dänischen Nationalspieler und ihr Trainer Age Hareide liegen mit ihrem Verband wegen Sponsorenverträgen im Clinch und haben einen Boykott des Nations-League-Spiels gegen Wales, angesetzt für Sonntag, angekündigt. Zumindest nach Dänemark fliegen wollte Rönnow.

Für den 26 Jahre alten Dänen sind es besonders schwierige Tage. Der überraschende Coup mit Trapp hat ihn ganz sicher zurückgeworfen, auch wenn die Eintracht in offiziellen Erklärungen hofft, „dass er in seine Rolle als Nummer eins hineinwachsen wird.“ Er soll also von der Erfahrung von Trapp profitieren und sich in dessen Schatten entwickeln. Das macht freilich nur Sinn, wenn Trapp tatsächlich nur eine Saison bleibt. Offiziell ist der Nationalspieler ja auch nur bis zum Sommer nächsten Jahres von Paris St. Germain ausgeliehen. Doch ob das so kommt, ist fraglich. Denn es gibt auf beiden Seiten, bei der Eintracht und beim Spieler, durchaus Bestrebungen die Zusammenarbeit auszuweiten und ganz langfristig anzulegen.

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Denn Trapp wollen sie in Frankfurt als Identifikationsfigur aufbauen. Das ist der eigentliche Plan und das macht ja auch Sinn. Ein Gesicht für die Eintracht wird nämlich dringend gebraucht, das ist Konsens auf allen Ebenen des Klubs. Im Klartext: Trapp soll der neue Anführer werden. So wie einst Pirmin Schwegler oder letztes Jahr Kevin-Prince Boateng. Viele trauen dem in Paris gereiften Torhüter diese Führungsrolle zu. Er sich selbst auch. Am Ende der Saison wird es dann eine Frage des Geldes sein, ob die Pläne so tatsächlich zu realisieren sein werden.

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