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Eintracht nur noch peinlich

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FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt
FSV Mainz 05 - Eintracht Frankfurt © dpa-avis

Frankfurt - Die Frankfurter Eintracht ist nicht nur schlecht, sie ist einfach nur noch peinlich. Mit der 2:4-Niederlage beim FSV Mainz 05 verspielen die Hessen nicht nur den in einem knappen Jahr mühsam wieder aufgebauten Kredit, sie machen sich so zum Gespött der Liga. Von Peppi Schmitt

Auch die eigenen Fans, zumindest jene, die in Mainz dabei waren, haben nun die Nase voll. Zusammengehalten wird das fragile Gebilde nur noch vom anstehenden Pokalfinale. Längst hat sich Ratlosigkeit auf allen Ebenen breit gemacht. Trainer Niko Kovac ist stinksauer, wirkt aber auch ratlos, weil er keine wirklichen Maßnahmen gegen mangelnde Qualität, immer wiederkehrende taktische Fehler und das schleichende Gift der fehlenden Einstellung mehr findet. Manager Bruno Hübner war nach der Peinlichkeit des Derbys in der Kabine so sauer, dass er mehr als deutliche Worte gefunden haben soll. "Das bleibt in der Kabine", sagte er, "aber klar ist doch, dass alle Verantwortlichen nicht zufrieden sind und sich konstruktiv und auch mal lautstark austauschen." Hübner bemängelte öffentlich die "fehlende Leidenschaft und Gier".

Die Wahrheit auszusprechen getrauen sich nur wenige in diesen Tagen der tiefen Krise. Aus Lukas Hradecky ist es herausgeplatzt nach dem Abpfiff. "Vier Gegentore in einer halben Stunde, das ist unmöglich, da muss man auch nicht mehr viel analysieren", sagte der finnische Torwart, der noch zu den Besseren gehört hatte, "jeder muss in den Spiegel schauen, auch ich, und herausfinden ob er etwas besser machen kann." Ganz ähnlich äußerte sich Haris Seferovic: "Die zweite Halbzeit war noch schlechter als zuletzt gegen Wolfsburg", sagte der Schweizer, der die Eintracht verlassen wird und auch deshalb keine Rücksichten mehr nehmen muss, "jeder muss ich an die eigene Nase fassen, ob er hundert Prozent gibt."

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Es kracht nun also auch innerhalb der Mannschaft. Seit einigen Wochen laufen auch die Vorgaben des Trainers ins Leere. "Wir können keinen Ball annehmen, wir verursachen zu viel Freistöße, obwohl das vorher angesprochen wurde, dann können sie freistehend aufs Tor köpfen", war der Torwart auf 180. "Wir müssen nichts schön reden", empfahl auch Trainer Niko Kovac, "Mainz wollte den Sieg mehr als wir und deshalb brauchen wir keine anderen Entschuldigungen zu suchen."

Dass Schiedsrichter Marco Fritz mit einer einseitigen Spielleitung auch Einfluss genommen hatte, war dennoch Thema. Vor allem dem ersten Mainzer Treffer, der die Gastgeber aus ihrer Lethargie geholt hatte, war eine krasse Fehlentscheidung vorangegangen. "Vorm 1:2 war das eine klare Abseitsposition", schimpfte der Frankfurter Trainer, "wenn die Linienrichter das nicht sehen, sind sie hier fehl am Platz." Auch der Elfmeter in der Nachspielzeit sei keiner gewesen, meinte Kovac, "dann können wir aufhören, Fußball zu spielen." Es ehrt die Frankfurter, dass sie nicht versucht haben, ihre eigene Schwäche hinter der Schwäche des Unparteiischen zu verbergen.

Natürlich wird auch Kritik am Trainer und einzelnen Maßnahmen des Trainers laut. So blieb unverständlich, warum Kovac den völlig überforderten Aymen Barkok fast 70 Minuten auf dem Platz gelassen hatte. Dass er dann mit Max Besuschkow einen Neuling brachte und nicht den kopfballstarke Marco Russ, musste auch nicht jeder verstehen. Eine Auswechslung von Barkok sei früher gar nicht möglich gewesen, sagte der Eintracht-Coach später, "auf der Bank hatten wir nicht wirklich viele Lösungen." Den jüngsten Spieler seiner Mannschaft nahm er explizit in Schutz. "Aymen ist gerade 18 Jahre alt, da muss man auch für Fehler Verständnis haben."

Dass der ehemalige Nationalspieler Stefan Effenberg bei "Sky" deutliche Worte in Richtung des Frankfurter Trainers fand, nehmen sie bei der Eintracht gelassen hin. Ein solche Katastrophen-Bilanz, wie sie die Eintracht aufweist "überlebt normalerweise kein Trainer", hat Effenberg gesagt, "nur das Pokalkfinale hält die Kovac-Brüder noch am Leben." Manager Hübner ordnete diese Aussagen in die Rubrik "nicht ernst zu nehmen "ein. "Das war halt Effenberg", sagte der Frankfurter Sportdirektor, "mit so etwas beschäftigen wir uns nicht, Niko macht hier einen richtig guten Job."

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