Eintracht mit dem letzten Aufgebot in Sinsheim

"Wir werden es Hoffenheim sehr, sehr schwer machen"

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Niko Kovac

Frankfurt - Freitagmorgen, die offizielle Pressekonferenz zum Spieltag war gerade vorüber, als ein paar Profis der Frankfurter Eintracht sich auf den Weg durch den Presseraum der Arena in die Mixed-Zone machten. Von Peppi Schmitt

Dort standen keine Interviews auf dem Programm, sondern gymnastische Übungen, ein bisschen Krafttraining, aufwärmen vor dem anschließenden Training auf dem Platz. Es wurde geflachst und gelacht, es herrschte durchweg beste Laune. Der Einzug ins Pokalfinale und der Sieg am letzten Samstag gegen den FC Augsburg haben die Stimmung bei der Eintracht binnen vier Tagen von Grund auf verändert. Trotz großer personeller Probleme fahren die Hessen am Sonntag voller Selbstvertrauen und Zuversicht zum schweren Auswärtsspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim. "Wir werden es Hoffenheim sehr, sehr schwer machen", kündigte Trainer Niko Kovac an, "der Kopf ist jetzt frei, da gelingt vieles einfacher."

Natürlich steht der Pokal und das Endspiele im Mittelpunkt aller Gedanken bei den Frankfurtern. Aber auch in der Liga wäre ja bei gutem Verlauf der letzten vier Spiele noch einiges möglich. Würde die Eintracht den siebten Platz erreichen, der aktuell nur ein Punkt entfernt ist, wäre sie sicher für den Europapokal qualifiziert. Schafft sie das nicht, müsste der Pokalsieg gegen Borussia Dortmund her. Der Trainer hat jedenfalls eine ganz klare Meinung. "Es wird kein gutes Endspiel geben, wenn wir vorher keine guten Ergebnisse mehr erreichen", sagt Kovac. Und versucht seinen Spielern einzubläuen, "dass sich große Mannschaften und große Fußballer dadurch auszeichnen, dass sie sich alle drei Tage selbst motivieren können." Nun ist die Eintracht sicher keine "große" Mannschaft, aber es kann ebenso sicher nicht schaden, von den Großen zu lernen.

Bilder: Gladbach scheitert nach Elfer-Krimi an Frankfurt

Der morgige Gegner wird bei den Frankfurtern noch ein bisschen mehr Adrenalin freisetzen als sonst üblich. In der Hinrunde war es beim 0:0 hoch hergegangen. Timothy Chandler war zu Unrecht vom Platz gestellt worden, David Abraham hatte nach einem Ellbogenschlag gegen Sandro Wagner zu Unrecht auf dem Platz bleiben dürfen, die Hoffenheimer hatten die Eintracht später in der einen oder anderen Aussage als "Tretertruppe" gebrandmarkt. Und schließlich gehört der ehemalige Darmstädter Wagner sowieso zu jenen Spielern, denen in Frankfurt wenig Sympathien zufliegen. "Was vor fünf Monaten war, ist lange vorbei", sagt Kovac, "es bringt nichts, weiter Öl ins Feuer zu gießen." Er geht von einem "normalen" Bundesligaspiel aus, in dem die Hoffenheim mit aller Macht versuchen wird, die Chance auf die Champions-League-Qualifikation zu wahren. "Aber wir werden alles geben", sagt Kovac.

Währenddessen mahnte Sportvorstand Fredi Bobic die Fans, sich in Sinsheim sportlich zu benehmen und auf Schmähungen jeder Art gegen TSG-Boss Dietmar Hopp zu verzichten. "Ich mag Dietmar Hopp, das sage ich ganz offen, auch wenn einige mir das negativ auslegen werden", sagte Bobic bei der Bild, "er hat in seinem Leben unfassbar viel Gutes bewirkt – deshalb ist es beschämend, dass er so behandelt wird. Ich hoffe und appelliere, dass bei unserem Spiel solche Anfeindungen ausbleiben."

Hektisches 0:0 zwischen Eintracht und Hoffenheim: Fotos

Die Personalsituation könnte vor der Begegnung schwieriger kaum sein. Die Ausfallliste ist lang, das Lazarett der Eintracht fast so gut besetzt wie die Kabine. Dass Makoto Hasebe, Jesus Vallejo, Slobodan Medojevic, Yanni Regäsel und Alexander Meier nicht zur Verfügung stehen, ist schon seit einigen Wochen ein Nachteil. Nach den letzten kräftezehrenden Spielen fallen nun für Hoffenheim auch Marius Wolf (Schulter-OP), Branimir Hrgota (Magen-Darm-Probleme), Andersson Ordonez (Knie und Wadenschmerzen), Omar Mascarell (Achillessehnenentzündung) und Mijat Gacinovic (Zerrung) aus. Bei Wolf haben es sich die Verantwortlichen nicht leicht gemacht mit der Entscheidung über das weitere Vorgehen der Behandlung, nachdem sich der Angreifer in Gladbach die Schulter ausgekugelt hatte. "Es macht keinen Sinn, die OP hinauszuzögern", sagt der Trainer, "die Gefahr, dass er sich die Schulter wieder auskugelt, ist zu groß." Damit ist für den aus Hannover ausgeliehenen Profi die Saison zu Ende.

Seine Mannschaft sei natürlich "dezimiert", gibt Kovac zu, aber er wird noch einen halbwegs guten Kader mit siebzehn, achtzehn Spielern zusammenbekommen. Besonders prekär ist die Situation im defensiven Mittelfeld. Da wird wohl Guillermo Varela spielen und möglicherweise Marc Stendera sein Comeback nach fast einem Jahr Pause feiern. Stendera hatte sich im letzten Jahr beim Relegations-Rückspiel in Nürnberg ein Kreuzband im Knie gerissen. Im Aufgebot stehen wird auch Aymen Barkok. Das war so nicht geplant, denn den 18 Jahre alten Mittelfeldspieler wollte Kovac eigentlich zur Verstärkung in die U19 schicken, die am Samstag ein vorentscheidendes Spiel im Abstiegskampf gegen den 1.FC Kaiserslautern bestreitet. Doch das sei nun wegen der "schwierigen Lage" nicht möglich.

DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

Mögliche Aufstellung: Hradecky - Abraham, Hector, Oczipka - Chandler, Varela, Tawatha -Blum, Fabián, Rebic - Seferovic
Bank: Lindner, Russ, Stendera, Besuschkow, Barkok, Tarashaj, Hrgota

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