Sportvorstand Bobic: „Nachlässig“

Licht und Schatten beim Unentschieden gegen Donezk

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Danny da Costa (links) vergab in der Schlussphase gute Möglichkeiten zum Siegtreffer für Eintracht Frankfurt.

Charkiw - Peter Fischer brachte es auf den Punkt. „Wir haben alle irgendwie einen Kloß im Hals“, sagte der Präsident der Frankfurter Eintracht nach dem 2:2 im Europa-League-Hinspiel bei Schachtjar Donezk. Von Peppi Schmitt

Unentschieden auswärts gelten in der K.o-Runde gemeinhin als gute Ausgangsposition fürs Rückspiel, dieses Remis aber fühlte sich an wie eine Niederlage. Denn die Eintracht hatte mit dem frühen Platzverweis für den Ukrainer Stepanenko den Sieg auf dem Silbertablett präsentiert bekommen, nahm das Präsent aber nicht an. „Wir nehmen ein gutes Ergebnis mit, aber es war mehr drin“, kommentierte Trainer Adi Hütter gewohnt gelassen. Sportboss Fredi Bobic war da schon kritischer. „Es ist einfach schade, denn es war mehr möglich“, sagte er, „wir waren manchmal ein wenig nachlässig“.

Der Respekt vor dem Gegner ist mit den 90 Minuten in Charkiw noch gewachsen. Und da ist ja auch noch die Erinnerung an 2014. Da hatte die Eintracht im Sechzehntelfinale aus Porto ein 2:2 mitgebracht, war aber nach einem 3:3 zu Hause ausgeschieden. „Ich habe da ein Déjà-vu-Erlebnis“, sagte der Präsident. Trainer von Porto damals: Paulo Fonseca, aktueller Coach von Schachtjar. Es herrschte also durchaus Enttäuschung vor, als sich die Frankfurter am Freitagmorgen auf den Rückweg machten.

Dabei hatte es bei aller berechtigten Kritik auch einige gute Nachrichten gegeben. Die Frankfurter haben eben nicht nur ein vernünftiges Ergebnis mitgebracht, sie haben sich auch auf Augenhöhe mit dem ukrainischen Meister bewegt. Die Schwächen von Schachtjar waren offensichtlich und werden fürs zweite Spiel noch verschärft durch den Ausfall von zwei Stammspielern. Stepanenko ist ebenso gesperrt wie Kryvtsov (dritte gelbe Karte).

Rebic reibt sich auf

Die Einkaufspolitik der Eintracht im Winter hat sich schon jetzt als gewinnbringend herausgestellt. Die beiden Neuen Martin Hinteregger und Sebastian Rode sind Verstärkungen. Gut zu wissen auch, dass die Eintracht nicht alleine von ihren drei Stürmern abhängig ist. Mit Hinteregger und Filip Kostic haben zwei andere für die Tore gesorgt. Dies alles macht Hoffnung.

Aber es gab in Charkiw auch negative Faktoren. So scheint der Höhenflug der Stürmer vorbei zu sein. Zu sehen war dies vor allem an Ante Rebic. Der kroatische Vizeweltmeister fällt seit einigen Spielen nach und nach wieder in alte Verhaltensmuster zurück. Er rieb sich in Zweikämpfen auf, leistete auch viel Arbeit für die Mannschaft. Aber in seinem eigenen Anspruch, Besonderes leisten zu wollen, wirkt er unruhig, fahrig, je näher er dem gegnerischen Tor kommt auch zunehmend hektischer. Körperlich scheint Rebic in Bestform, mental aber ist er davon weiter entfernt. Dass der 21 Jahre Luka Jovic noch keine wirkliche Konstanz im Spiel haben kann, ist dagegen selbstverständlich. Immerhin hat Jovic mit einer prachtvollen Flanke den Treffer von Kostic vorbereitet.

Eintracht Frankfurt: Zeugnis gegen Schachtjor Donezk

Nach der Auswechslung des angeschlagenen Rode fehlte es der Eintracht im Mittelfeld an spielerischer Klasse. Der kluge Pass in die Spitze kommt ab und zu mal von „Libero“ Makoto Hasebe, sonst aber bleibt er Mangelware. Jetro Willems, für Rode gekommen, hätte das spielerische Vermögen, um für überraschende Aktionen zu sorgen, doch ihm fehlt es an Leidenschaft und Laufbereitschaft. Die Leistung des Holländers war im kämpferischen Bereich ein Ärgernis.

Durchaus weiterhelfen würde es der Eintracht bei so feldüberlegen geführten Spielen auch, hätte sie einen Spieler in den Reihen, der gefährliche Freistöße aufs Tor schießen kann. Aber es gibt bei den Frankfurtern keinen Spezialisten. Gegen Donezk durfte es mal Rebic versuchen, mal Kostic, mal Willems. Wirklich torgefährlich wurde es nicht. Auch seitliche Freistöße und Eckbälle könnten weiterentwickelt werden. Mit Hinteregger gibt es jetzt ja einen Spieler, der über ein gutes Kopfballspiel verfügt. Beim 1:0 hat es immerhin ja mal funktioniert.

Remis gegen Donezk: Frankfurt darf auf Achtelfinale hoffen

Die Chancen aufs Weiterkommen liegen weiter bei 50:50. „Wir haben gute Chancen, vor unseren eigenen Fans den Einzug in die nächste Runde klar zu machen“, sagte Mijat Gacinovic. Das sieht der Gegner genauso. „Es war ein Spiel gegen eine richtig gute Mannschaft, eine Partie auf Top-Niveau“, sagte Donezk-Trainer Fonseca, „wir sind mit dem Unentschieden natürlich nicht komplett glücklich, aber wir können es noch schaffen.“

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