Fabian, Stendera, Hrgota und Kamada 

Das Eintracht-Karussell: Nicht alle dürfen immer mitfahren

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Marc Stendera (rechts) gehört zu den Spielern, die derzeit kaum oder gar nicht zum Einsatz kommen.

Frankfurt - Es ist ein Karussell der Freude, auf dem die Profis der Frankfurter Eintracht in diesen Tagen und Wochen fahren. Ein paar sind immer dabei, wenn Trainer Niko Kovac die Spaßfahrten organisiert, viele dürfen regelmäßig an der wilden Fahrt teilnehmen. Von Peppi Schmitt

Manchen ist es erlaubt, ab und zu auf den Zug aufspringen und einige wenige aber sind nur Zuschauer auf dem Jahrmarkt des Frankfurter Erfolgs. Der Trainer weiß um die Problematik. „Am Erfolg“, sagt Niko Kovac, „wollen immer gerne alle teilnehmen“. Das aber ist bei 25 Feldspielern und drei Torhütern, die aktuell bereit wären, Fußball zu spielen, schlicht nicht möglich. Kovac versucht, auf die Fahrt so viele mitzunehmen, wie es denn irgendwie geht. Viele sollen die Nase in den Wind strecken bei der Abenteuerreise durch die Bundesliga und helfen, das Karussell immer schneller drehen zu lassen. Ein paar aber bleiben außen vor, stehen mit großen Augen und vermutlich mit noch größerem Frust nur an der Seite und ärgern sich, weil sie nicht mitfahren dürfen.

Parallel zum Erfolg der Mannschaft, die auch sieben Spieltage vor Schluss noch immer auf einem Champions-League Platz rangiert, verändern sich auch die Befindlichkeiten der Spieler. Da geht es nicht nur um den Spaß am Spiel oder um viel Geld, das über Prämien zu verdienen ist. Es geht auch darum, den Anschluss an die Kollegen nicht zu verlieren oder die ganz persönlichen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Marco Fabián ist das Musterbeispiel für den Interessenkonflikt eines gestandenen Profis. Der Mexikaner kämpft um einen Platz in der Nationalmannschaft, will unbedingt im Sommer mit zur Weltmeisterschaft nach Russland reisen. Doch dazu braucht er gute Leistungen bei der Eintracht. Dies wiederum setzt voraus, dass er auch die Gelegenheit bekommt, Leistungen zu zeigen.

Doch damit ist es seit Jahresbeginn nicht weit her. Zweimal durfte Fabián nach Einwechslungen sein Können unter Beweis stellen, das hat weder in Augsburg noch in Stuttgart so wirklich geklappt. Und da er auch beim Training nicht wirklich Lobbyarbeit in eigener Sache machen konnte, ist er aktuell außen vor. „Ich erwarte von ihm einfach mehr, weil ich weiß, dass er mehr kann“, sagt Trainer Kovac. Dies habe er dem Spieler auch schon mehrfach persönlich mitgeteilt. Der Blick zurück zeigt zweierlei: Einerseits war Fabián in der letzten Saison einer der wichtigsten Frankfurter Spieler (sieben Tore, vier Assists), andererseits hat er wegen einer Rückenoperation ein halbes Jahr gefehlt. Seit Jahresbeginn ist er wieder dabei und sagt, „dass ich im Training immer mein Bestes gebe.“ Mit der Kommunikation zwischen dem verhinderten Spielmacher und dem Chef soll es auch nicht so weit her sein.

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Jetzt ist Fabián mit seinem Landsmann Carlos Salcedo, der ebenfalls nur ab und zu beim Karussell mitfahren darf, zur Nationalmannschaft geflogen. Und sein Vereinstrainer hofft, „dass er dort zum Spielen kommt.“ Der umgekehrte Weg also. Kovac weiß, wie wichtig es im Endspurt der Saison sein wird, dass das Klima so gut bleibt, wie es bislang war. Er versucht so gerecht wie möglich zu sein. Und wenn er Spieler wie Jonathan de Guzman oder Mijat Gacinovic eben als stärker ansieht als Fabián, muss man ihm dies abnehmen. „Rotation ist wichtig für das Wohlbefinden meiner Mannschaft“, sagt Kovac und ist deshalb schon ein paar Kompromisse eingegangen. Im Sinne der teaminternen Hygiene sind Spieler im Kader wieder aufgetaucht, die kurz vor der persönlichen Resignation gestanden hatten. Danny Blum ist gegen Dortmund sogar mit einem Tor ins Team zurückgekehrt und hat sich damit gleich die nächste Chance verdient.

Andere aber sind außen vor: Branimir Hrgota ist der große Verlierer unter den Stürmern. Im Trainingslager im Januar hatte er noch einmal aufbegehrt und gute Leistungen gezeigt. Beim Jahresauftakt gegen Freiburg durfte er beginnen, spielte 69 Minuten, vergab eine sogenannte „hundertprozentige“ Chance. Seitdem ist es vorbei. Dreimal hat der Schwede es noch in den Kader geschafft, zuletzt ein halbes Dutzend Mal nicht einmal mehr das. „Brane tut mir leid“, gibt der Trainer zu, „er gibt immer alles und ist nicht wirklich weit hinten dran.“ Doch mit Ante Rebic, Sébastien Haller oder Luka Jovic kann er nun mal nicht mithalten.

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Ähnlich geht es Mittelfeldspieler Marc Stendera. Das Eigengewächs hat in diesem Jahr 21 Minuten gespielt und es noch ein weiteres Mal in den Kader geschafft. Das war vor gut zwei Wochen gegen Hannover. Die Spielart der Eintracht, sehr aggressiv, möglichst schnell und dynamisch, kommt ihm wahrlich nicht entgegen. Selbst Ayman Barkok ist in der internen Hierarchie etwas weiter vorne platziert. Der U20-Nationalspieler hat drei Kurzeinsätze in 2018 und war immerhin noch dreimal im Aufgebot. Den Anschluss komplett verloren hat Daichi Kamada. Der junge Japaner spielt im Grunde keine Rolle mehr oder, will man es positiv beurteilen, noch keine Rolle. Seit Jahresbeginn hat er in allen zehn Pflichtspielen nicht einmal dem Kader angehört. Dieses Schicksal tragen mit ihm nur die „Auszubildenden“, also die mit Verträgen ausgestatteten Jugendspieler, und der dritte Torwart Leon Bätge. Aber sie haben noch länger Zeit, dann doch noch irgendwann auf das Bundesliga-Karussell aufzuspringen.

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