Hellmann: "Stadion ist zu klein"

Mitglieder wählen Peter Fischer mit großer Mehrheit wieder

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Bei der Mitgliederversammlung von Eintracht Frankfurt wurde Präsident Peter Fischer mit großer Mehrheit wieder gewählt.

Frankfurt - Die mit so viel Spannung erwartete Mitgliederversammlung der Frankfurter Eintracht wurde zu einem Triumphzug für Präsident Peter Fischer. Nicht die Wahl für eine weitere Amtszeit, seine sechste, war dabei überraschend, sie erfolgte in offener Abstimmung bei sechs Gegenstimmen. Von Peppi Schmitt

Sondern die Begeisterung, mit der die Mitglieder Fischers politischen Aussagen folgten und der AfD auch mit einigen Reden in der Aussprache eine eindeutige Absage erteilten. Der 61 Jahre alte Präsident wurde nach seiner insgesamt mehr als einstündigen Rede mit "Standing Ovations" der rund 800 anwesenden Mitglieder gefeiert. Fischer hatte seine in die Diskussion geratenen Vorwürfe gegen die AfD verteidigt und wiederholt. "Ich habe in einem Interview gesagt, dass niemand Mitglied bei Eintracht Frankfurt sein kann, der diese Partei wählt und ich habe von dieser Aussage nichts zurückzunehmen oder zu relativieren", sagte Fischer, "wir müssen uns für die Verteidigung der Werte unserer Gesellschaft ohne Zweifel engagieren. Die sind viel stärker in Gefahr, als wir das wahrnehmen." Gegenreden aus der AfD, wie vorher angekündigt, gab es überraschenderweise nicht.

Fischer wies auf die Satzung der Eintracht hin, in der Werte wie Fairness, Anti-Rassismus, Antisemitismus und Integration ausländischer Mitbürger fest verankert sind. "Unserem Verein liegt ein Wertesystem zugrunde, zu dem sich jeder kraft Mitgliedschaft bekennt", sagte Fischer. Der Sport in der Eintracht sei nicht unpolitisch, er sei aber parteipolitisch neutral. "Aber die weltanschauliche Haltung einer Partei muss in Einklang mit unserer Satzung stehen", sagte er, "die Frage ist: Wie passt ein Bekenntnis zu unserer Satzung mit der Unterstützung einer Partei zusammen, deren Spitzenfunktionäre sich regelmäßig diskriminierend, ausgrenzend und herabwürdigend äußern? Ich sage eindeutig: Das ist unvereinbar!" Natürlich werde die Eintracht keine "Gesinnungsprüfung" vornehmen, er appellierte aber auch an das Verantwortungsbewusstsein der Mitglieder. "Prüft euch selbst und prüft euch ehrlich", rief Fischer den Mitgliedern zu, "denn beides, Eintracht und AfD, geht nicht zusammen."

Fischer, der seit 2000 den Verein anführt, zeigte klare Kante. "Sie können sicher sein, dass ich die Werte unserer Satzung nach innen und auch öffentlich weiter verteidigen werde", sagte er. Für seine 16 Minuten langen Ausführungen zu diesem Thema wurde Fischer begeistert gefeiert. Ähnlichen Beifall erhielt Trainer Niko Kovac, der zum "lebenslangen Mitglied" ernannt wurde. "Die Eintracht ist meine erste Station in der Bundesliga, ich werde diesen Verein immer im Herzen tragen", sagte Kovac, "das ist eine Ehre für mich".

Mitgliederversammlung der Eintracht: Bilder

In der Aussprache zu den Reden gab es ausschließlich Unterstützung für Fischer. Den eindrucksvollsten Beitrag lieferte der Verwaltungsrats-Vorsitzende Michael Zink zum Argument, nicht alle AfD-Wähler seien Nazis: "1932 haben elf Millionen Deutsche die NSDAP gewählt. Von diesen elf Millionen Menschen wollte vermutlich auch niemand Juden ins Gas schicken oder ihre Söhne in den Krieg. Aber mit ihrer Stimme haben sie es ermöglicht. Das müssen wir verhindern." Stürmischen Beifall gab's zur Unterstützung. Schließlich ging auch Oberbürgermeister Peter Feldmann als Eintracht-Mitglied ans Mikrofon. "Es ist die Pflicht eines Präsidenten, sich so klar gegen Rassismus und Ausgrenzung zu äußern, Respekt Peter Fischer", sagte das Stadt-Oberhaupt. Die Eintracht sei "jeden Tag eine Säule der Integration, sie ist der Stolz unserer Stadt."

Eine beeindruckende in die Zukunft weisende Rede hielt AG-Vorstand Axel Hellmann. "Kraft, Leidenschaft und Wucht umgeben diesen Club", sagte er, "Eintracht Frankfurt ist aktuell in einen guten Zustand." Der Verein befinde sich in einer Phase des "Booms und Wachstums, wie es die Eintracht noch nie erlebt hat." Der Umsatz betrage alleine für die AG 100 Millionen Euro, zudem sei die Eintracht schuldenfrei. Hellmann: "Unser Club definiert sich nicht nur auf dem Rasen, sondern es ist ein Gesamtkunstwerk." Er sei stolz auf die Entwicklung. "Diese Eintracht ist professionell, würdevoll und groß, so stelle ich mir das vor", sagte er. Entscheidend für die weitere Zukunft seien die Fragen um die Arena im Stadtwald. "Das Stadion ist für uns zu klein", sagte Hellmann deutlich. Die Arena müsse "umgebaut, ausgebaut und modernisiert werden." Die Eintracht will dabei Herr im Haus werden. "Wir wollen entscheiden, was im Stadion passiert", sagte Hellmann, "und niemand sonst. Das Jahr 2018 wird da ganz entscheidend."

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