Tawatha kommt aus Haifa

Frankfurter „Multi-Kulti“-Truppe aus 15 Nationen

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Niko Kovac baut derzeit seine komplette Mannschaft um.

Frankfurt - Ganz zum Schluss seiner ersten Pressekonferenz in der neuen Saison hat Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovac, quasi en passant, noch zwei Personalien verkündet. Von Peppi Schmitt

Zum einen hat er den aktuell letzten verbliebenen Innenverteidiger David Abraham für „unverkäuflich“ erklärt, zum anderen hat er angekündigt, dass die Eintracht mit Taleb Tawatha einen linken Verteidiger gefunden hat, „den wir gerne holen würden“. Am Abend bestätigte die Eintracht den Transfer. Der israelische Nationalspieler mit sudanesischen Wurzeln ist 24 Jahre alt, stand bei Maccabi Haifa unter Vertrag und hat bei der Eintracht einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Angeblich sollen die Frankfurter etwas mehr als eine Million Euro Ablöse bezahlt haben. „Er ist extrem schnell, hat Zug zum Tor und schlägt gute Flanken“, sagt Kovac. Das alles passt ins Anforderungsprofil, das Kovac gemeinsam mit Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner für neue Spieler entworfen hat. „Wir wollen offensiver und attraktiver spielen“, sagt Kovac, dazu benötige man „gute, junge und talentierte Spieler.“ Erst am Ende der siebenwöchigen Vorbereitungszeit inklusive zweier Trainingslager in Österreich und Italien könne man dann einschätzen, zu was die Mannschaft in der Lage sein wird. „Wir sollten in jedem Fall demütig sein und keine großen Reden über Tabellenplätze schwingen“, mahnt Kovac. 

Die Mannschaft wird total umgebaut. Tawatha ist nach Torwart Leon Bätge und den Stürmern Danny Blum, Branimir Hragota und Ante Rebic, dessen Wechsel heute offiziell verkündet worden ist, schon der fünfte Neuzugang. Der spanische Mittelfeldspieler Omar Mascarell soll ebenso folgen wie zwei neue Innenverteidiger. „Das ist unsere größte Baustelle“, gibt Kovac zu, „da müssen wir sehen, dass wir wieder viel Qualität reinkriegen.“ Genau dies ist der Grund für die Unverkäuflichkeit von Abraham. Liga-Konkurrent Werder Bremen hat bereits Interesse signalisiert und könnte nach Millionen-Verkäufen von wichtigen Spielern wie Yannick Vestergaard und Anthony Ujah auch viel Geld einsetzen. Einen Verkauf aber schließen die Frankfurter aus, „weil David ein Spieler mit Mentalität und Charisma ist, der im Abstiegskampf den Laden zusammengehalten hat.“ Die Einschätzung des Trainers ist da unmissverständlich.

Trainingsauftakt bei Eintracht Frankfurt: Fotos

Fest steht schon jetzt, dass die Frankfurter in der neuen Saison eine „Multi-Kulti“-Truppe aufs Feld schicken werden. Aktuell besteht der Kader aus Spielern aus insgesamt 15 Nationen, darunter auch völlig verschiedenen Kulturkreisen. „Die Amtssprache ist deutsch“, sagt Kovac, will dem Vielnationenteam aber sonst keine besondere Bedeutung beimessen. „Wir spielen Fußball und machen keine Politik“, sagt der in Deutschland aufgewachsene Kroate, „wir leben in einer globalen Welt.“ Der Sport müsse bei allen Entscheidungen im Vordergrund stehen und deshalb erwarte er mit seiner neuen Mannschaft auch keine Probleme. „Das wäre zu banal“, sagt der Frankfurter Trainer. Nach zehn Tagen Urlaub in seiner kroatischen Heimat trat Kovac gut erholt auf, voller Tatendrang.

Bilder: Zu- und Abgänge bei Eintracht Frankfurt

„Ich freue mich, dass wir endlich anfangen können“, sagte er. Nachdem er in der abgelaufenen Saison als „Retter“ ins kalte Wasser geworfen wurde und inklusive der Relegation nur elf Spiele Zeit hatte, will er nun in der Vorbereitung Akzente setzen. Mit der Einkaufspolitik verfolgt er das Ziel, „den Konkurrenzdruck innerhalb des Kaders zu erhöhen“. Im Angriff ist das mit Rebic, Blum und Hrgota bereits gelungen, in der Abwehr sollen die nötigen Transfers noch getätigt werden. Dabei gehe Qualität vor Schnelligkeit. „Wir dürfen nicht alles auf einmal verschießen“, mahnt Kovac. Soll heißen: Ein bisschen des sowieso knapp bemessenen Geldes soll zurückgehalten werden bis zum Ende der sommerlichen Transferperiode Ende August/Anfang September. Ziel aller Aktivitäten: „Wir wollen nicht mehr in eine solche Situation wie in der letzten Saison kommen.“ Mit der Abstiegszone wollen sie in Frankfurt nichts mehr zu tun haben.

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