Hütters Stil begeistert die Fußball-Fans

Eintracht Frankfurt: Eine Mannschaft zum Verlieben

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Was für eine Mannschaft! Und die Reise der SGE durch Europa ist noch nicht vorbei.

Die internationale Reise der Frankfurter Eintracht wird weitergehen. Im Viertelfinale der Europa-League treffen die Frankfurter nun am 11. und 18. April auf Benfica Lissabon.

Frankfurt - Ganz Deutschland wird im April nicht nur zuschauen, ganz Deutschland wird den Frankfurtern auch die Daumen drücken. Dass die Hessen als einziges Team aus der Bundesliga noch im Wettbewerb sind, ist das eine, das Überraschende an dieser märchenhaften Geschichte. Wie die Frankfurter das schaffen, das ist das andere, das Verblüffende. Die Eintracht spielt einfach nur schönen Fußball, hat eine Richtung eingeschlagen, die unbeirrt nach oben geht. Der 1:0-Erfolg bei Inter Mailand war in weiten Phasen grandios herausgespielt, hätte viel höher ausfallen können und hat die deutschen Fußball-Anhänger für die Enttäuschungen durch die vermeintlich „Großen“ aus Dortmund, Schalke und vor allem München entschädigt. „Wir spielen für uns, aber auch für Deutschland und die Punktewertung“, sagte Manager Bruno Hübner. „Es ist schön, dass wir die deutsche Fahne hochgehalten haben“, sagte Trainer Adi Hütter. Nach Donezk wurde mit Inter schon die zweite Mannschaft rausgeworfen, die in der Champions-League gestartet war. Es ist also Zeit, über diese Mannschaft zu reden, über diesen Trainer.

Was Adi Hütter anpackt, funktioniert. Er hat die Eintracht als Nachfolger von Niko Kovac noch einmal verbessert. Die SGE spielt unter dem Österreicher, in Mailand unter seinem Assistenten Christian Peintinger, offensiv, mutig, leidenschaftlich, einfach nur begeisternd. Im Rahmen einer Videobotschaft hatte sich der auf die Tribüne verbannte Coach vor dem Spiel in der Kabine noch einmal an die Mannschaft gewandt. Mit Erfolg. „Ich habe gehört, es soll noch einen kleinen Schub gegeben haben“, sagte er am Tag danach. Die schwersten Minuten auf der Tribüne seien für ihn erstaunlicherweise nach dem Spiel gewesen, als er 15 Minuten nicht nach unten durfte. „Vorher hat es mir die Mannschaft leicht gemacht“, kritisierte er die UEFA, „aber 15 Minuten warten zu müssen, ist übertrieben und ich verstehe es nicht“. Zur Welle vor den Fans gemeinsam mit seinen Trainerkollegen („Vielen Dank, sie haben es toll gemacht“) hat es dann doch noch gereicht. Es ist eine Welle des Erfolgs und der Begeisterung, auf der die Eintracht surft. „Ich möchte mich mit dem Fußball, den wir spielen, identifizieren und auch meine Jungs sollen das tun“, sagt Hütter zu seinem offensiven Stil. Einst hieß es, die Hessen würden mit Größen wie Yeboah, Möller und Bein "Fußball 2000“ spielen, unter Hütter spielen sie „Fußball 2030“. Kein anderes Team in Deutschland bringt so viel Power und so viel Herz auf den Platz.

Für Sebastian Rode musste in Mailand ein neuer medizinischer Terminus gefunden werden. Der Neue aus Dortmund musste wegen eines „Ganzkörperkrampfes“ ausgewechselt werden. „Ich hatte erst Wadenkrämpfe, habe mich dann selbst gedehnt und dabei einen Krampf im Bauch bekommen“, erzählte Rode später strahlend. Da war ein Fußballprofi bei allen Strapazen einfach nur glücklich.

Kollege Sébastien Haller musste sich beim Gespräch mit den Journalisten auf dem Tresen in der „Mixed-Zone“ abstützen, so geschwächt war er. „Ich war noch am Mittwoch krank, ich bin dankbar, dass die medizinische Abteilung mich hingekriegt hat“, sagte der Franzose, der sich wie viele andere am Ende nur noch über den Platz schleppen konnte.

Die neue Eintracht ist überall stark. Hinten mit einem Torwart Kevin Trapp, der im „San Siro“ eine überragende Vorstellung zeigte. Das sind die Spiele, die der Nationaltorwart sich wünscht, für die er lebt. Die große Bühne für einen großen Torwart. Vor ihm harmoniert eine Weltauswahl. Der Österreicher Martin Hinteregger (die Statistik weist tatsächlich 100 Prozent gewonnene Zweikämpfe auf), der Japaner Makoto Hasebe und der Franzose Evan Ndicka hielten dicht. „Wir hätten 4:0 oder 5:0 gewinnen können“, sagte der Baumeister im Hintergrund, Sportvorstand Fredi Bobic, „ich bin einfach nur stolz.“ Das Wort Stolz ist häufig gefallen in der magischen Nacht von Mailand. Keine Überheblichkeit, kein Größenwahn, einfach nur Stolz auf das Geleistete und das Erreichte. Und die Gewissheit, dass in dieser Saison nun alles möglich ist.

Sieg gegen Inter Mailand - Frankfurter Reise durch Europa geht weiter

Im Mittelfeld in unterschiedlichen Besetzungen werden die Frankfurter immer besser. Bestes Beispiel: Filip Kostic. Der Serbe ist Verteidiger, Mittelfeldrenner, Linksaußen in einer Position. Er rennt und rennt und rennt. „Unglaublich, was Filip abreißt“, lobte Trapp. Dass Rode der Mannschaft zu einem Qualitätssprung verholfen hat, ist offensichtlich. Das Fehlen von Gelson Fernandes ist nicht einmal aufgefallen. Am Ende durfte sogar Marc Stendera mithelfen, der seit Monaten nicht mehr gespielt hatte.

Und da ist ja noch der Angriff. Luka Jovic hat das „goldene Tor“ erzielt. Mit einem Lupfer in Weltklassemanier. Er hätte noch mehr Tor erzielen können. „Ich bin ein bisschen enttäuscht“, sagte Bobic lachend. Jovics Marktwert schießt weiter nach oben. Zur Zeit ist er sicher der beste Stürmer der Bundesliga. Haller ist der ideale Partner, Paciencia hat nur ein paar Minuten gespielt, Ante Rebic war nicht einmal dabei. Er soll am Sonntag gegen Nürnberg spielen. Was für ein Luxus.

Das ist Eintracht Frankfurt im Frühjahr 2019: Schnell, stark, immer mit einem Plan, begeisternd, eine Mannschaft zum Verlieben.

Von Peppi Schmitt

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