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Eintracht Frankfurt und die neue Stabilität - Schlüsselspiel gegen Düsseldorf

Garanten für neue Stabilität in der Abwehr: Torwart Kevin Trapp und Innenverteidiger David Abraham.
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Garanten für neue Stabilität in der Abwehr: Torwart Kevin Trapp und Innenverteidiger David Abraham.

Der hessische Bundesligist Eintracht Frankfurt sichert sich hinten ab und steht vor einem Schlüsselspiel bei Fortuna Düsseldorf.

  • Eintracht Frankfurt zieht sich aus dem Abstiegssumpf
  • Umstellung auf Viererkette mit Erfolg
  • Schlüsselspiel gegen Fortuna Düsseldorf

Frankfurt - Für Art und Weise, wie sich Eintracht Frankfurt ausgangs der Hinserie taktisch verhalten hatte, hat der Trainer Adi Hütter im Rückblick dieser Tage nur ein einziges Wort als passend empfunden: „Fürchterlich.“

Und weil es so nicht mehr weitergehen konnte, weil ein Punkt aus sieben Bundesligaspielen definitiv zu wenig war und Eintracht Frankfurt immer tiefer in den Abstiegssumpf zu rutschen drohte, hat der Fußballlehrer als kluger Kopf nicht stur an seinem einstmals erfolgreichen Konzept festgehalten, sondern hat Veränderungen vorgenommen, struktureller Art: Aus einer Dreierabwehr formte er flugs eine Viererabwehrkette, von der bisherigen 3-5-2-Taktik wechselte er auf ein 4-2-3-1-System, er verdichtete das Zentrum in der Defensive, opferte dafür einen Mann in der Spitze, bekam aber dafür das, was der Mannschaft in den letzten Wochen des ausgehenden Jahres 2019 am meisten fehlte: Stabilität.

Eintracht Frankfurt: Knüppeldicker Tanz

Konsequenz der sehr intensiven Trainingstage im US-Camp in Florida war: Auf einmal standen die einzelnen Mannschaftsteile deutlich enger beieinander, auf einmal griff wieder ein Rädchen ins andere, auf einmal war die so sehr herbeigesehnte und zuletzt verschütt gegangene Kompaktheit wieder hergestellt. Und Eintracht Frankfurt gewann zwei Spiele, die sie von der Papierform eigentlich nicht zwingend gewinnen musste. Die Hessen kassierten zudem in den beiden Spielen gegen durchaus offensiv eingestellte Teams aus Hoffenheim und Leipzig nur ein einziges Gegentor, auch das sagt eine Menge aus. In den sieben Spielen vor der Winterpause mussten die Frankfurter im Schnitt zwei Gegentreffer pro Partie schlucken. Auch die Rückkehr von Kevin Trapp ins Tor hat dem Team zusätzliche Stärke vermittelt. „Wir haben ein anderes Gesicht gezeigt“, sagte Trainer Hütter nach dem 2:0 gegen RB Leipzig, er meinte damit in erster Linie zwar das Auftreten in der zweiten Halbzeit, seine Aussage passt aber auch auf den Auftakt in die Rückrunde. „Diese sechs Punkte tun uns gut.“

Diese neue Frankfurter Stabilität ging, fast zwangsläufig, auf Kosten der Spielkultur. Spielerisch war das streckenweise nicht berauschend, was Eintracht Frankfurt, speziell in der ersten Hälfte gegen Leipzig, zu Wege brachte. Das Hauptaugenmerk war klar auf die Defensive gelegt, die Sicherung des Frankfurter Allerheiligsten genoss oberste Priorität. „Wir haben unheimlich gut verteidigt“, fand Mittelfeldspieler Sebastian Rode. Auch er taugt als Beispiel dafür, was sich in jüngster Zeit geändert hat: Der 29-Jährige hat mittlerweile vornehmlich Defensivaufgaben zu verrichten, er muss viele Räume zulaufen, Löcher stopfen, muss rackern und ackern, und fällt damit für den Spielaufbau mehr und mehr aus.

Das mag nicht immer schön aussehen, keine Frage, aber den Eintracht-Verantwortlichen war, und das war richtig, zunächst wichtig, mittels Verdichtung den Abwärtstrend zu stoppen. „Der Zweck heiligt die Mittel“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic und lobte ausdrücklich, wie „gemeinschaftlich, geschlossen und leidenschaftlich verteidigt“ wurde. In erster Linie ging es für Eintracht Frankfurt darum, Abstand zu den unangenehmen Plätzen im Keller zu bekommen. „Uns tut in dieser Situation jeder Punkt gut“, sagte Hütter, wohlwissend, dass noch lange nicht alles perfekt läuft. Der Abstiegskampf ist bei sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz nicht beendet. „Wir sind noch nicht draußen“, findet Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt: Coach hat Philosophie modifiziert

Auch der Coach ist einen Schritt zur Seite getreten, hat seine Philosophie vom frühen Attackieren ein Stück weit modifiziert - so lange Land unter herrschte und auch sein Arbeitsplatz nicht mehr der sicherste war. Er hat etwa auch seinen intelligentesten Spieler, nämlich Makoto Hasebe, aus der Mannschaft genommen, um zwei gelernte Innenverteidiger, nämlich David Abraham und Martin Hinteregger, rustikal und kompromisslos, ins Zentrum der Abwehr zu stellen - beide gehörten in den beiden Spielen zu den besten Akteuren. Natürlich will sich Adi Hütter nicht untreu werden, die Mutlosigkeit gegen Leipzig anfangs hat ihm gar nicht gefallen. Er will weiterhin Spieler, die sich was zutrauen, die agieren, die Courage zeigen. Aber eben alles zu seiner Zeit. „Wir werden wieder mutiger spielen, wenn wir in anderen Gefilden segeln“, versprach der 49 Jahre alte Österreicher. Bis es dazu komme, werde noch Zeit vergehen. „Wir haben einen weiten Weg bis dahin, wo wir schon einmal waren“, sagt Hütter.

Aber jetzt genießen die Frankfurter noch „die schöne Bundesligawoche“ (Bobic) mit einem normalen Samstag-Samstag-Rhythmus, in dem unter der Woche ein geregeltes Training absolviert werden kann. „Es gibt nichts ekligeres für einen Trainer als mit der einen Hälfte der Mannschaft zu üben, während die andere regenerieren muss“, sagt Hütter. Zu was konzentriertes Arbeiten auf dem Platz mit dem gesamten Team führen könne, zeige Eintracht Frankfurt aktuell, die Mannschaft ist in die Spur zurückgekehrt, der Bock ist umgestoßen.

Für Coach Hütter natürlich kein Grund, locker zu lassen. Die Begegnung am kommenden Samstag, erneut um 15.30 Uhr, bei Schlusslicht Fortuna Düsseldorf, verortet er so: „Das ist ein absolutes Schlüsselspiel.“ Mit einem Sieg wären die deutlich selbstbewusster auftretenden Hessen aus dem Schlamassel heraus, danach kommt es dann wieder knüppeldick beim Tanz auf drei Hochzeiten in Liga, DFB-Pokal und Europa League und sieben Spielen bis zum 1. März. Bobic: „Dann geht es ans Eingemachte.“ Dessen ungeachtet gibt er das klare Ziel aus: „Wir wollen so lange wie möglich dabei bleiben.“

Im Waldstadion Frankfurt* stehen große Veränderungen an. Ein neuer Caterer bringt einige Veränderungen mit sich. Aber das wird nicht alles sein.

Kompakt soll es neuerdings zugehen bei Eintracht Frankfurt, die Stürmer müssen sich daran anpassen - und hoffen insgeheim sicher auf eine Systemanpassung.

Von Thomas Kilchenstein

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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