Stürmer fällt bis zur Rückrunde aus

Eintracht verliert Spiel und Luc Castaignos

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Luc Castaignos wird der Eintracht erst in der Rückrunde wieder zur Verfügung stehen.

Frankfurt - Die Frankfurter Eintracht verliert verdient gegen Leverkusen. Auch am Tag nach dem 1:3 reißen die Negativnachrichten nicht ab. Von Peppi Schmitt

Die Analyse des Chefs war kurz und knapp und treffend. „Wenn man gegen eine bessere Mannschaft wie Leverkusen eine Chance haben will, darf man nicht viel Fehler machen und braucht ein wenig Spielglück“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht Heribert Bruchhagen. Und da die Eintracht das eine nicht schaffte und das andere nicht hatte, unterlag sie der Werkself verdient mit 1:3 (1:2). Wohl auch deshalb blieb Trainer Armin Veh relativ gelassen. „Ich kenne die Liga und deshalb weiß ich, dass so eine Niederlage passieren kann“, sagte er und sah sich einmal mehr in seiner Auffassung bestätigt, dass es in dieser Saison nur darum gehen kann, drei Mannschaften in der Tabelle hinter sich lassen.

Besonders bitter für die Eintracht: Neben den Punkten hat sie mit Luc Castaignos noch einen wichtigen Spieler verloren. Der holländische Angreifer zog sich eine nicht näher benannte Verletzung am Sydesmoseband zu, wie die Eintracht am Sonntag mitteilte, und wird mindestens bis zur Winterpause ausfallen. Es steht wohl noch nicht ganz fest, ob die Syndesmose gerissen oder „nur“ angerissen ist. Und ob Castaignos operiert werden wird, soll sich an diesem Montag entscheiden. Da ist es gut, dass für das Derby nächste Woche in Mainz Haris Seferovic zurückkehren kann. Und dass Carlos Zambrano und Marc Stendera die fünfte gelbe Karte vermieden haben, also auch spielen dürfen.

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Mit Castaignos‘ Ausfall hatte die Fehlerkette und die Pechsträhne ihren Anfang genommen. Auf den schnellen Stürmer war die Taktik aufgebaut, aus einer verstärkten Defensive mit Konterspiel zum Erfolg zu kommen. Der Plan sei mit Castaigsnos' Auswechslung „kaputt“ gewesen, gestand Veh ein. Er hatte für Castaignos Verteidiger Timothy Chandler aufs Feld geschickt (22. Minute), Makoto Hasebe eine Position weiter nach vorne und Alexander Meier ganz in die Spitze geschoben. In das ganze Durcheinander fiel dann auch noch das 0:1 (23.). Was freilich nichts mit dem Umstellungen zu tun hatte, sondern mit einer Kettenreaktion von Fehlern. Torwart Lukas Hradecky hatte erst David Abraham kurz angespielt, nach dessen Rückpass noch einmal Slobodan Medojevic in Schwierigkeiten gebracht. Der war an den ersten Leverkusenern noch vorbeigekommen, hatte dann aber den Ball verloren. Zu allem Überfluss berührte Hradecky dann nach der Flanke den Ball mit der Fingerspitze, lenkte ihn durch die Beine des abwehrbereiten Kollegen Abraham und Chicharito hatte keine Mühe zu vollenden. „Das war mein Fehler“, gab der Frankfurter Torwart später zu, „ich hätte ihn nicht dahin spielen dürfen.“

In wenigen Minuten war die Taktik der Eintracht also über den Haufen geworfen. Und der Trainer hatte personell keine Alternativen mehr, fehlten doch mit Marco Russ, Stefan Reinartz, Johannes Flum (alle verletzt) und dem gesperrten Haris Seferovic neben Castaignos viele erfahrene Spieler. „Wir sind nicht so breit aufgestellt, um solche Ausfälle kompensieren zu können“, sagte der Trainer. Später, in der zweiten Halbzeit, brachte er nacheinander mit Joel Gerezgiher (20) und Luca Waldschmidt (19) noch zwei seiner ganz Jungen, die dann schnell an ihre Grenzen stießen. „Wenn es läuft, dann sind sie unbekümmert“, stellte der erfahrene Trainer fest, „aber man sieht, dass sie noch nicht so weit sind.“ Der Einzige aus der Riege der Talente, der bislang die Klasse für die Bundesliga auf eine längere Distanz nachweisen konnte, ist Marc Stendera. Gegen Leverkusen hat der 19 Jahre alte U21-Nationalspieler mit einem prächtigen Freistoß den Anschlusstreffer von Medojevic vorbereitet. „Es ist schon außergewöhnlich, was er kann“, lobt der Trainer, der Stendera einst schon als B-Jugendlichen zu den Profis geholt hatte. Obwohl der Jüngste im Team, übernehme Stendera schon „viel Verantwortung“. Waldschmidt und Gerezgiher sind (noch) meilenweit von dieser Klasse entfernt. Waldschmidt hatte dennoch zwei, drei gute Szenen, bereitete unter anderem die zweite „Hundertprozentige“ von Aigner kurz vor Schluss vor. Gerezgiher freilich schien einmal mehr dem Druck der Liga nicht gewachsen.

Bilder: Eintracht verliert verdient gegen Leverkusen

Als diese beiden kamen, war die Partie im Grunde allerdings schon entschieden. Mit dem 0:2, das Chicharito aus einer Abseitsposition heraus erzielte, und dem 1:3 durch Hakan Calhanoglu, nachdem Slobodan Medojevic per Kopf der Anschluss geglückt war, hatte sich die Leverkusener Überlegenheit auch in Toren ausgedrückt. Das dritte Gegentor ärgerte den Trainer am meisten. „Dass Calhanoglu nach innen zieht, kann man in der Bundesliga ruhig wissen“, schimpfte er auf Verteidiger Chandler, der da nicht so wirklich gut verteidigt hatte. Freilich war beim amerikanischen Nationalspieler auch Pech dabei, hatte er den Ball doch noch leicht abgefälscht. War die Abwehr zuletzt bei den „Nullnummern“ gegen Bayern und Hoffenheim wieder dicht, war sie diesmal wieder löchrig. „Wir haben uns selbst in Nöte gebracht“, sagte Stefan Aigner, der die Riesenchance zum 2:2-Ausgleich vergeben hatte. Als „Katastrophe“ bezeichnete Verteidiger Bastian Oczipka die Entstehung der Gegentore. „Ein Gurkentor und zwei Kontertore“, sagte er, „das darf in der Bundesliga einfach nicht passieren.“

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