Joker der Eintracht stechen

Kovac und seine Asse im Ärmel

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Niko Kovac hat fast immer noch ein As im Ärmel, gegen den BVB reichte es allerdings trotzdem nicht.

Frankfurt - Niko Kovac schüttelt die guten Spieler aus dem Ärmel. Der Trainer der Frankfurter Eintracht spricht nicht nur über einen breiten Kader und lobt die große Auswahl, er nutzt sie auch und lebt die Vielfalt. Von Peppi Schmitt

Und bringt sie seit Wochen gewinnbringend ein, auch wenn das nicht immer heißt, dass die Eintracht tatsächlich auch gewinnt. Die jüngsten Beispiele für die Kreativität des Trainers in Dortmund waren wieder eindrucksvoll, obwohl sie am Ende den ganz großen Frust nicht verhindern konnten. Die Frankfurter haben 2:3 verloren, in allerletzter Minute, ziemlich unglücklich. Sie haben damit eine Riesengelegenheit verpasst, sich tatsächlich für den Endspurt um die Champions-League-Ränge zu positionieren. „Wir haben uns tapfer geschlagen“, sagte Kovac, nachdem er die erste Enttäuschung hinuntergeschluckt hatte, „wir werden aus dieser Situation lernen“. Mehr Coolness, mehr Cleverness hätte es bedurft, um den Punktgewinn über die Zeit zu bringen, „wir hätten uns selbst, die Dortmunder Spieler und 75.000 Zuschauer runterbringen müssen“, sagte Kovac.

An der nötigen Abgezocktheit hat es seinen Spielern wieder einmal gefehlt Die Mannschaft aber hat den Beweis erbracht, auch gegen die Großen der Branche mithalten zu können. Das lag auch daran, dass Kovac seine Aufstellung und die Spieler ihre Einstellung in der zweiten Halbzeit korrigiert hatten. Und an den Assen, die er aus den Ärmel gezogen hat. Zweifellos die größte Überraschung ist seit zwei Wochen Jonathan de Guzman. Den Holländer hatten nicht mehr viele auf dem Zettel. Zu groß war die Enttäuschung nach einem mauen Start des ehemaligen niederländischen Nationalspielers in die Saison. Immerhin hatte der Neuzugang, der letzte Saison auch bei Chievo Verona nur 15 Spiele bestritten hatte, siebenmal in der Anfangsaufstellung gestanden. Doch überzeugt hatte er nie. De Guzman, als eine Art „rechte Hand“ des Trainers vorgesehen, konnte keine Akzente setzen. Die Vorschusslorbeeren, mit ihm einen erfahrenen Spieler geholt zu haben, der ein Spiel „lesen“ und mit guten Standards und Pässen auch beeinflussen kann, wurde er nicht gerecht.

Nach einer Einwechslung in Mainz am 10. Spieltag, verschwand de Guzman von der Bildfläche. Grund auch: Beim Testspiel gegen den SV Sandhausen hatte er sich am 10. November letzten Jahres eine Schultereckgelenksprengung zugezogen, musste operiert werden und fiel lange aus. Vierzehn Spiele lang konnte er nur zuschauen. Und wenig sprach dafür, dass er so zurückkehren könnte, wie er nun zurückgekehrt ist. Gegen Hannover stand er im letzten Heimspiel in der Anfangself. Diese Überraschung war dem Trainer gelungen. De Guzman spielte erstaunlich gut, selbstbewusst, sicher am Ball. Zum ersten Mal hatte konnte er zeigen, was er kann und was sich die Verantwortlichen von ihm versprochen haben. In Dortmund musst er zunächst auf die Bank. Nach der langen Pause wollte ihn Kovac nicht gleich ins zweite schwere Spiel in Folge schicken. Nach der Halbzeit aber brachte er de Guzman. Und wieder war es ein Volltreffer. „Sehr, sehr gut“ habe sich der30 Jahre alte Holländer präsentiert, lobte Kovac und übertrieb nicht. De Guzman riss das Spiel an sich, schlug tolle Freistöße und Ecken, bereitete den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich vor.

Eintracht-Zeugnis gegen Dortmund

Auf einmal hatte Kevin-Prince Boateng einen Partner im Mittelfeld, mit dem er kombinieren konnte. Das war und ist wichtig fürs Eintracht-Spiel. Wenn Omar Mascarell fehlt, und das wird sicher auch am Samstag beim Heimspiel gegen Mainz so sein, braucht die Eintracht in der Zentrale zwei Spieler mit technischen Fähigkeiten, die ein Spiel lesen können, es auflösen können mit Pässe oder mit Dribblings. Erstaunlich, dass de Guzman gerade in diesem Bereich Marco Fabián überflügelt hat. Der mexikanische Nationalspieler war nicht einmal im Kader. De Guzman könnte im Saisonfinale zu jenem Trumpf werden, der er zu Beginn der Saison nicht sein konnte.

Ähnlich liegt der Fall bei Luka Jovic. Der junge Serbe (20) hat schon einige Male seine Klasse unter Beweis gestellt. Der Kopfball zum 1:1 in Dortmund war schon sein fünfter Saisontreffer, obwohl er erst vier Mal von Beginn an gespielt hat und nur ein einziges Mal über 90 Minuten. Jovic ist der Top-Joker. Und sollte Sébastien Haller weiter im Formtief stecken, könnte Jovic die Lösung sein. Hallers Entwicklung dagegen ist besorgniserregend. Seit acht Spielen ist er ohne Tor. Zuletzt wurde der Mittelstürmer nur noch wegen seiner Defensivqualitäten gelobt. Aber selbst die waren in Dortmund verschüttet.

Bilder: Eintracht verliert in Dortmund

Dafür hat der Trainer noch einen dritten Überraschungsgast präsentiert, Danny Blum. 16 Minuten beim Derby in Mainz in der Vorrunde, das war bislang die magere Bilanz. Jetzt durfte er elf Minuten in Dortmund spielen. Und prompt hat er ein Tor geschossen, das zu einem Punkt hätte reichen müssen, aber wegen der Schusseligkeit hinten nicht gereicht hat. „Ich weiß, was ich kann“, sagte der 27 Jahre alte Angreifer, „ich wollte das Vertrauen des Trainers zurückzahlen.“ Das ist ihm gelungen. Wahrscheinlich wird er nun auch gegen Mainz im Rückspiel im Kader stehen. Wenn der Trainer nicht irgendwo ein neues As findet.

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