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In Form oder außer Form? Das Rätsel um die Eintracht

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Danny da Costa (l) von Eintracht Frankfurt in Aktion gegen Mathew Leckie (M) von Hertha BSC.

Die Rückrunde in der Bundesliga steht bevor. Für Eintracht Frankfurt geht es zum Auftakt nach Hoffenheim.

Frankfurt - So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein: Ob Sportvorstand Fredi Bobic, Trainer Adi Hütter oder wichtige Spieler wie Kevin Trapp oder Sebastian Rode - bei der Frankfurter Eintracht haben alle vom Trainingslager in den USA geschwärmt und die Fortschritte herausgehoben, die die Mannschaft in Bezug auf Zusammenhalt, neues Spielsystem und Rückbesinnung auf ureigenste Qualitäten gemacht habe. Die Bild-Zeitung dagegen setzt die Eintracht in ihrem sogenannten „Formbarometer“ auf den letzten Platz aller Bundesligaklubs. Danach ist das Team also völlig außer Form. Was die verschiedenen Einschätzungen des Status Quo für den Start in die Rückrunde am kommenden Samstag bei der TSG Hoffenheim bedeuten? Nicht viel, wie die Erfahrung lehrt. Vorbereitungsspiele, wie jenes 1:2 der Eintracht gegen Hertha BSC in Amerika, haben ebenso wenig Aussagekraft wie die Lobeshymnen auf Unterkunft, Klima, Stimmung oder penibel gepflegte Rasenflächen, auf denen das Training durchgeführt wird. Denn zum einen wird bei Testspielen viel experimentiert und manchmal auch geblufft. Und zum anderen sind längst alle Bundesligavereine in der Lage, sich unter professionellen Bedingungen vorzubereiten. Gerade die Eintracht hat ja in den letzten Jahren ganz unterschiedliche Ziele gewählt, u.a. Abu Dhabi, Spanien oder eben die USA. Und immer waren die Bedingungen nach eigener Aussage „optimal“.

Eintracht Frankfurt: Hütter wünscht Neuzugänge

Es geht also um andere Dinge. Ganz grundsätzlich natürlich um die Qualität der Spieler. „Ich bin von unserem Team zu hundert Prozent überzeugt“, sagt dazu Trainer Adi Hütter, wünscht sich freilich dennoch eine Personalauffrischung. Die Erklärung für den vermeintlichen Widerspruch: Im Rahmen des Trainingslagers haben sich mit Gelson Fernandes, der nach einer Hüftoperation bis zu vier Monate fehlen wird, und Daichi Kamada, der nach einem Bänderriss im Knöchel vielleicht schon beim Marathon im Februar mit sieben Spielen in 27 Tagen wieder helfen kann, zwei Stammkräfte schwer verletzt. Sportvorstand Fredi Bobic hätte gerne auf Wintertransfers verzichtet, ist nun aber wohl doch bereit, dem Trainer Wünsche zu erfüllen. Vor einem Jahr hatte er dabei ein ganz besonders glückliches Händchen im Winter: Mit Martin Hinteregger und Sebastian Rode wurde zwei Spieler zunächst auf Leihbasis geholt, die inzwischen fest verpflichtet wurden und sich längst zu Leistungsträgern entwickelt haben.

Neben der personellen Ausstattung wird es darauf ankommen, ob die Analyse zutrifft, die der Trainer angestellt hat. In einem Interview mit dem „Kicker“ hat Hütter einen detaillierten Einblick in seine Überlegungen gewährt. Die Belastungen mit schon 31 Spielen in dieser Saison hätten ihren Tribut gefordert. Das Spielsystem mit einer Dreierkette in der Abwehr sei von den Gegnern „gelesen“. „Die anderen analysieren uns ja auch“, sagt er. Vieles sei „unglücklich“ gelaufen, als schlechte Beispiele dienen die Platzverweise für Fernandes, Kohr und Abraham und die vielen Gegentore nach abgefälschten Schüssen. Zudem habe beim Verteidigen zu häufig die Kompaktheit gefehlt. „Im Schnitt 1,5 Gegentore, das geht einfach nicht“, sagt Hütter. So die Kurzform der Trainereinschätzung im Rückblick.

Eintracht Frankfurt: Hohe Belastung im Training

Daraus hat der Eintracht-Coach in der Vorbereitung Konsequenzen gezogen. Auch hier die Kurzform: Trotz der hohen Belastungen will er seine Spieler wieder an ihre Leistungsgrenzen führen. Das habe nicht so viel mit Kondition zu tun, sondern mehr mit mentaler Stärke, mit Selbstvertrauen. „Wir müssen das schaffen. Punkt, Aus“, sagt er. Die größte taktische Veränderung wird die Umstellung auf eine Viererkette sein. Dazu müsse dem gemeinsamen Verteidigen mehr Priorität eingeräumt werden. „Wir müssen da die Bremse reinhauen“, fordert er. Und nach sieben Spielen ohne Sieg müsse die Kehrtwende auch ein Stück weit erkämpft werden.

Viele Ansätze, die darauf fußen, dass diese Frankfurter Mannschaft eigentlich viel besser ist als ihr Tabellenplatz am Rande der Abstiegszone. In der Präsentation nach Außen versucht Hütter einen verbalen Spagat. Die Gefahr soll keinesfalls unterschätzt werden. „Weg aus der Abstiegszone, so schnell wie möglich“, sei das größte Ziel. Die in den letzten Jahren gezeigten Stärken sollen aber dennoch nicht dem reinen Sicherheitsdenken geopfert werden. „Wenn man ängstlich spielt, ist es schwer zu gewinnen“, sagt er, „also müssen wir wieder mutiger sein.“ 

Von PEPPI SCHMITT

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