Eintracht Frankfurt

Raus mit Applaus aus dem Abstiegskampf

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Der Treffer zum Sieg: Almamy Touré (re.) feiert mit Timothy Chandler.

Eintracht siegt gegen den Tabellenführer - auch dank Tourés Tor des Monats. Trainer Hütter: „Ich bin stolz“.

FRANKFURT - Das ging viel schneller als erwartet: Nach nur zwei Spieltagen im neuen Jahr hat die Frankfurter Eintracht den Abstiegskampf wohl schon hinter sich gelassen. Es sind nicht alleine die sechs Punkte, die gegen Hoffenheim und Leipzig erkämpft und erspielt wurden, die diese These stützen. Es ist vielmehr das zurückgewonnene Vertrauen in die eigene Stärke, die den Weg in bessere Tabellenregionen vorzeichnet. „Ich freue mich für uns alle, dass wir so gut aus der Winterpause gekommen sind,“ sagte Trainer Adi Hütter nach dem 2:0 (0:0) gegen den Tabellenführer aus Leipzig, „und ich bin stolz, wie die Spieler die taktischen Veränderungen umgesetzt haben.“ Sportvorstand Fredi Bobic war rundumzufrieden. „Ein Sieg fühlt sich immer gut an, aber gegen den Tabellenführer ist es natürlich immer etwas Besonderes“ sagte er, „zumal Leipzig hat in der ersten Halbzeit überragend gespielt hat.“ Über 50 000 Zuschauer in der Arena feierten die Mannschaft für eine nicht immer gute, aber durchweg engagierte Leistung.

Eintracht Frankfurt: Vieles ist anders

Es war nicht mehr die taumelnde Eintracht aus der Vorweihnachtszeit, die da auf dem Platz gestanden hatte. Vieles hat sich geändert im neuen Jahr, die taktische Anordnung, Teile des Personals, vor allem aber die mentale Einstellung und die körperliche Konstitution. Die kurze Winterpause hat in der Tat kleine Wunder bewirkt, ganz so, wie der Trainer es sich erhofft hatte. Die Konzentration und die Zusammenarbeit beim Verteidigen waren der Schlüssel zum Erfolg. Selbst während der drückenden Überlegenheit der Leipziger in der ersten halben Stunde hatte die Eintracht nicht wirklich viele Chancen zugelassen. Und wenn die Gäste doch mal durchgekommen waren, dann hatten sie in Kevin Trapp ihren Meister gefunden. Der Nationaltorwart zeigte unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw eine tadellose Leistung. Trapp habe nach monatelanger Verletzungspause „großen Anteil“ am Aufschwung, lobte Trainer Hütter, „er strahlt eine große Persönlichkeit aus.“

Die Viererkette funktioniert

Die zur Rückrunde neu eingeführte und zusammengestellte Viererkette mit den Routiniers David Abraham und Martin Hinteregger im Zentrum und den jungen Franzosen Almamy Touré und Evan Ndicka außen hat zum zweiten Mal gut zusammengearbeitet. Das Frankfurter Spiel hat ganz allgemein zu alter Stabilität zurückgefunden. Und, das wurde gegen Leipzig deutlich: Das Spielglück ist zurück. Die Gäste hatten ihre wenigen Gelegenheiten nicht genutzt, die Eintracht dafür gleich ihre erste. In der 48.Minute hatte Touré das 1:0 erzielt. Es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt für sein allererstes Bundesligator gegen können. Martin Hinteregger hatte den Ball maßgerecht vorgelegt, Touré mit einem Volleyschuss aus 16 Metern in den Winkel getroffen. „Das gehört in die Kategorie Tor des Monats“, sagte der Trainer. „Der Ball kam genial in den Rückraum und ich habe da gar nicht lange überlegt und einfach draufgehalten“, sagte der Schütze. Kurios: In einem Mediengespräch unter der Woche hatte der Franzose von „Stürmerblut“ in seinen Adern gesprochen und ein Tor angekündigt. „Ich wollte mein Versprechen so schnell wie möglich einlösen“, sagte er nun, „jetzt bin ich sehr glücklich, dass es so schnell geklappt hat.“

Mit dieser Führung sei der „Knoten geplatzt“, stellte der Trainer hinterher sachlich fest. Nicht vergessen war darüber die erste Halbzeit, als die Eintracht im Grunde nur hinterhergelaufen war. Hütter knallhart: „In der ersten Halbzeit waren wir klar unterlegen. Wir hatten eine einzige Aktion über einen Eckball, wir waren sehr, sehr ungefährlich. Wir waren sehr, sehr schlampig, wenn wir am Ball waren. Auch in den Zweikämpfen waren wir nicht gut.“ Vor allem habe der Mut gefehlt. Nach der Pause stand dann eine andere Eintracht auf dem Platz. Der Trainer als Bessermacher in der Halbzeit? „Ich habe gar nicht so viel gesagt“, sagte er später, „die Spieler haben doch selbst gewusst, dass sie so nicht weiterspielen konnten“.

Eintracht Frankfurt: Verändert in die zweite Hälfte

Und plötzlich haben sie anders gespielt. Mutiger nach vorne, angetrieben vom Publikum. „Es waren 50 000 Zuschauer hier, die wollen dann schon sehen, dass wir zumindest Nadelstiche setzen“, sagte Hütter. Das hat die Eintracht getan. Und sie hatte auch noch viel besser verteidigt. Eine einzige Chance hatten die Leipziger nur nach dem Wechsel. „Das hat mir sehr gefallen“, sagt der Trainer. Der Boss fasste seine Gefühlslage so zusammen. „Zur Halbzeit war ich froh, dass es 0:0 stand“, sagte Fredi Bobic, „gefallen hat mir, dass wir zusammen verteidigt haben.“ Vor der Winterpause sei dies das große Manko gewesen. Bobic: „Die Jungs haben für den Sieg gekämpft. Das hat von außen vielleicht nicht immer so schön ausgesehen, aber der Zweckt heiligt die Mittel.“

Vieles was nach dem Führungstor gekommen war, hatte dann aber doch wieder schön ausgesehen. Auf einmal spielte die Eintracht wieder schnell nach vorne. Filip Kostic war am linken Flügel mit seinen Sprints kaum zu stoppen, Bas Dost legte die Bälle nach rechts und links ab, die Mittelfeldspieler Sebastian Rode, Djibril Sow und Mijat Gacinovic rannten und rannten und rannten. Und als sich das ganze Stadion schon im Feiermodus befand, schickten die Spieler die Zuschauer noch mit einem Bonbon nach Hause. In der letzten Minute der Nachspielzeit erntete Kostic den Lohn für all seine Bemühungen, erzielte nach Vorarbeit des eingewechselten Goncalo Paciencia das 2:0. Der 25 Jahre alte Portugiese hatte vor dem Spiel seinen Vertrag vorzeitig bis zum Jahr 2023 verlängert, Auch das hat gepasst an diesem für die Eintracht so erfreulichen Nachmittag.

Eintracht Frankfurt: Groß gegen die Großen

Geblieben ist die Vorliebe für das Spiel gegen die Großen der Liga. 2:0 gegen Leipzig, 5:1 gegen Bayern, 3:0 gegen Leverkusen, 2:2 gegen Dortmund – diese Häufung kann kein Zufall sein. „Vielleicht sollten wir so eine Art Champions-League in der Liga teilnehmen“, flachste Sportchef Bobic. „Vielleicht wissen da alle, dass sie noch mehr investieren müssen und dass jeder Fehler bestraft wird“, rätselt auch der Trainer über die Stärke seiner Mannschaft gegen die Starken. Und mahnt mit Blick auf das Duell beim Kellerkind in Düsseldorf nächsten Samstag: „Das ist ein Schlüsselspiel. Wer den Tabellenführer schlägt, sollte auch versuchen, dort zu gewinnen.“ Wenn das gelingt, kann die Eintracht in der Tabelle auch urplötzlich wieder nach oben schauen. 

VON PEPPI SCHMITT

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