Fans wollen nicht anfeuern

Kommentar: Boykott schadet der Eintracht

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Ein solch stimmungsvolles Bild aus der Eintracht-Kurve wird es wohl am kommenden Montag im Spiel gegen RB Leipzig nicht geben.

Zu Recht sorgt die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs für Unmut bei den Fans. Dass aber Teile der Eintracht-Anhänger aus Protest gegen Montagsspiele ihrer Mannschaft im Spitzenspiel gegen Leipzig die Unterstützung verweigern wollen, ist nicht wirklich nachvollziehbar. Von Niels Britsch

Unglaubliche Ablösesummen im dreistelligen Millionenbereich, Spieler, die den Hals nicht voll genug bekommen können und ihren Vereinen auf der Nase herumtanzen, gierige Berater, die an den Transfers mitverdienen: Das Geschäft mit dem Fußball nimmt schon lange abartige Züge an. Hinzu kommen Sonntagsspiele und Anstoßzeiten, die dem Amateurfußball schaden, weil die Übertragungen mit den unterklassigen Spielterminen kollidieren.

Auch Auswärtsfahrten werden für Fußballfans immer schwieriger, weil wegen der Übertragungen im Fernsehen keine Rücksicht mehr auf Fans genommen wird, die ihre Mannschaft auch in der Ferne unterstützen wollen. Die Montagsspiele sind das beste Beispiel dafür, in der zweiten Liga sind sie allerdings schon längst Normalität. Während Freitagsspiele und Partien im DFB-Pokal von den meisten Fans akzeptiert sind, die Europapokalspiele unter der Woche gar herbeigesehnt werden, und wegen der besonderen Atmosphäre unter Flutlicht durchaus ihren Reiz haben, regt sich nun Protest gegen den neuen Bundesliga-Spieltermin am Montag. Premiere dieser Neuansetzung ist ausgerechnet in der kommenden Woche das Heimspiel von Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig.

Während viele Leipziger gar nicht erst nach Frankfurt fahren, wollen Teile der Eintracht-Anhänger aus Protest gegen den Termin ihrem Team die Unterstützung verweigern. Dabei kann die Frankfurter Mannschaft für die Spielansetzung nichts, denn die DFL terminiert die Partien. Die Eintracht steht so gut in der Tabelle da, wie schon lange nicht mehr, das Aufeinandertreffen mit den Leipzigern ist ein Spitzenspiel, da können die Spieler die Anfeuerung gut gebrauchen. Zumal die Eintracht-Fans für ihre stimmungsvolle Unterstützung bekannt sind. Ein grundsätzlicher Boykott der TV-Übertragungen oder der verantwortlichen Sender wäre sicherlich zielführender, als die Mannschaft in einem solch wichtigen Spiel im Stich zu lassen.

Bilder: Highlights aus Europas Fan-Choreos

Dass sich wahrscheinlich viele aus Protest daheimgebliebenen Anhänger das Spiel sicher trotzdem im Fernsehen anschauen werden, konterkariert jeglichen Protest, es macht ihn geradezu lächerlich.

Kurzum: Die Proteste gegen die Auswüchse des Fußballgeschäfts sind vollkommen berechtigt, die Kritik an Montagsspielen nachvollziehbar, aber angesichts der Vorfreude auf europäische und nationale Pokalspiele unter der Woche auch teils widersprüchlich. Ein Stimmungsboykott der Fans im Spitzenspiel gegen Leipzig schadet jedoch nur der Eintracht und ihren möglichen Europapokal-Ambitionen.

Pyrotechnik und Protestbanner

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