Trainer ruft Abstiegskampf aus

Rücktritt kommt für Armin Veh nicht in Frage

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Armin Veh beim Spiel in Aue

Frankfurt - Den Spielern der Frankfurter Eintracht wurde nach der 0:1-Pokalblamage in Aue vorgeworfen, nicht alles aus sich herausgeholt zu haben. Beim Heimspiel gegen den FC Bayern München am Freitagabend (20.30 Uhr, alle 51.500 Karten sind verkauft) soll das alles wieder anders werden. Von Peppi Schmitt

Trainer Armin Veh präsentierte sich jedenfalls im Kampfmodus. Der erfahrene Coach wollte nicht um die Probleme drumherum reden und bereitete die Anhänger und Fans des Vereins auf harte Zeiten vor, wohl wissend, dass dies nicht überall wirklich gut ankommen wird. Das ursprüngliche Saisonziel, mit einem sicheren Mittelplatz definiert und dem Wunsch in die Nähe internationaler Plätze zu kommen, wurde nun offiziell heruntergeschraubt. „Wir werden dieses Jahr darum kämpfen, drei Mannschaften hinter uns zu lassen“, sagte er, „das ist die Realität.“ Zwar seien zwölf Punkte kein „Untergang“, aber die jüngsten Leistungen eben doch besorgniserregend. „Es wäre fatal, die Realität nicht zu erkennen“, sagt er. Deshalb gelte es, zuerst einmal die größte Not zu vermeiden. Zweifel, dass der Trainer der Richtige dafür ist, die Trendwende nicht nur einzuleiten, sondern auch zu schaffen, gibt es im Club nicht im Geringsten.

Das ist der Unterschied zur vergangenen Saison, als die Kritik am damaligen Trainer Thomas Schaaf intern aufgeflammt war. Davon ist aktuell nicht zu spüren, nicht im Vorstand (Boss Heribert Bruchhagen: „Ich habe ein großes Grundvertrauen in Trainer, Manager, Mannschaft und die Gesamtkonstellation“), nicht im Aufsichtsrat und schon gar nicht in der Mannschaft. Und so klar Armin Veh die aktuellen Probleme anspricht, so klar positioniert er sich auch persönlich. Ein freiwilliger Abgang wie vor einem guten Jahr beim VfB Stuttgart „können sie komplett ausschließen“ versicherte er in der offiziellen Pressekonferenz auf Nachfrage. Ganz im Gegenteil, Veh verspricht noch größere Anstrengungen. „Ich haue mich rein“, sagt er, „es ist jeden Tag meine Aufgabe, die Situation zu verbessern.“

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Bei diesem Bemühen sei die Niederlage von Aue zum „dümmsten Zeitpunkt gekommen“. Der Plan sei gewesen, den Schwung des Auswärtssieges von Hannover mitzunehmen und verloren gegangenes Selbstvertrauen wieder aufzubauen. Das ist in Aue gehörig in die Hose gegangen. „Die Leistung war beschämend“, sagt Veh deutlich, er habe sich „maßlos“ geärgert und dies den Spielern auch mitgeteilt. Eine komplette Kehrtwende im Umgang mit seiner Mannschaft will und wird er aber nicht vollziehen. Die Erfahrung lehre, dass eine „sachliche Analyse“ mehr bringe als „blinder Aktionismus“. Und nach wie vor beschreibt der Frankfurter Trainer seine Schützlinge als „anständige Jungs“. Es sei nicht richtig, nach der Niederlage von Aue die Charakterfrage zu stellen.

Rückblick: Eintracht verliert Heimspiel gegen Bayern

Eintracht verliert gegen FC Bayern München

„Manchem Spieler fehlt manchmal Siegermentalität wie sie mein Keeper Hradecky hat“, gibt Veh zu, „aber nicht jeder kann über seinen Schatten springen“. Und es sei nicht zu spät, noch dazuzulernen. Da nimmt er sich lieber selbst in die Verantwortung. „Wir wollen mehr, aber wir können im Moment nicht mehr“, sagt Veh, „auch darauf muss ich die Mannschaft einstellen“. Die Politik der ruhigen Hand also, Schritt für Schritt soll es wieder aufwärts gehen. Um den ersten Schritt zu tun, ist der Gegner an diesem Freitag natürlich der denkbar unangenehmste. „Es ist das schwerste Spiel des Jahres, weil die Bayern die beste Mannschaft sind“, sagt der Eintracht-Coach, „die können gegen jeden Gegner haushoch gewinnen.“ Schon die Frage nach der taktischen Einstellung sei kompliziert. „Wollen wir tief stehen und die Räume eng machen“, gewährt Veh Einblick in seine Überlegungen, „oder wollen wir versuchen drauf zu gehen und unsere Chance zu nutzen?“

Mit beiden Varianten hätten andere Clubs schon Schiffbruch erlitten. Veh: „Ich hoffe, ich mache das Richtige.“ Eines aber hat der Frankfurter Coach deutlich gemacht: Mit einer Niederlage, nach dem Motto „Hauptsache gut aus der Affäre gezogen“ könne er sich im Vorfeld nicht zufrieden geben. „Ich gehe doch nicht ins Spiel und denke, na ja, nur 0:3 , das ist ja super“, sagt er, „wir wollen natürlich gewinnen, das ist der Ursprung dieses Sports.“ Auch wenn die Chance nicht wirklich realistisch ist.

Bilder: Eintracht blamiert sich in Aue, Fans zündeln

Eintracht: Hradecky – Ignjovski, Zambrano, Abraham, Oczipka – Medojevic, Hasebe, Stendera – Aigner (Castaignos) , Meier, Seferovic

Bank: Lindner – Chandler, Russ, Djakpa, Reinartz, Flum, Castaignos (Aigner), Waldschmidt

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