Liebe zu Frankfurt bleibt bestehen

Schöngeist Detari sorgt für letzten Triumph

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Das entscheidende Tor für die Eintracht im Pokalfinale 1988. Der Ungar Lajos Detari (Dritter von rechts) trifft per Freistoß zum 1:0 gegen den VfL Bochum.

Frankfurt - Er hat nur ein Jahr für die Eintracht gespielt und doch tiefe Spuren hinterlassen. Er hat in 33 Spielen elf Tore erzielt, gesprochen wird von einem einzigen. Von Peppi Schmitt

Er hat 1988 für den bisher letzten Pokalsieg der Eintracht gesorgt. Er hat Fußballschuhe getragen, die heute nicht auffallen würden, damals aber eine Sensation waren. Lajos Detari war nicht der erste ausländische Profi, der in Frankfurt für Furore gesorgt hat. Da gab es vor ihm seinen ungarischen Landsmann Istvan Sztani, den Österreicher Willi Huberts oder den Jugoslawen Fahrudin Jusufi, um nur ein paar zu nennen.

Und natürlich hatte es vor ihm Spieler gegeben, die in der Geschichte der Eintracht einen noch festeren Platz einnehmen, die Deutschen Meister von 1959, natürlich die Weltmeister Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Doch Lajos Detari war so etwas wie der erste Star im heutigen Sinne. Eine schillernde Fußballfigur, ein Spieler, um den sich Geschichten und auch kleine Skandälchen rankten, ein Spieler, der aufgefallen ist in jeder Beziehung, der vergöttert wurde von den Fans. Aber nach seinem über Nacht erfolgten Abgang auch verflucht wurde.

Der Ungar war ein Fußballer, wie in Frankfurt geliebt hat und noch immer liebt. Ein feiner Techniker, ein Schöngeist auf dem Platz, ein Mann, der an Jürgen Grabowski erinnert hat. Geholt hatte ihn die Eintracht für 1,8 Millionen Euro (3,6 Millionen DM) von Honved Budapest, verkauft hat sie ihn angeblich für 8,7 Millionen Euro an Olympiakos Piräus. So genau wusste das niemand. Sportlich hat die eine Saison der Eintracht geholfen, finanziell hat der Verkauf wenig genutzt. Nicht die gesamte Summe soll in die Vereinskasse geflossen sein. Die „verschwunden Detari-Millionen“ wurden zum geflügelten Wort. Sein letztes Tor für die Eintracht war auch sein wichtigstes. Im Pokalendspiel 1988 hat er den Ball bei einem Freistoß zum 1:0 gegen Bochum in den Winkel geschnippelt. Die Eintracht gewann den Pokal.

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Doch während der Vorbereitung auf die neue Saison verschwand er nach Griechenland. „Eigentlich wäre ich lieber zu Juventus Turin gegangen“, hat er später erzählt. Doch dieser Wunsch erfüllte sich nicht, auch wenn er später noch in Italien (Bologna, Genua, Ancona) gespielt hat. Heute lebt Detari wieder in seiner Heimatstadt Budapest. Die Trainerkarriere hat ihn nicht so viel weitergebracht. Eine Fußballschule für Kinder betreibt er noch, mit 54 Jahren hat er sich sportlich zur Ruhe gesetzt. Detari hat zwei erwachsene Töchter, ist geschieden. Dem Fußball ist er noch immer eng verbunden. „Ich besuche viele Spiele hier in Ungarn“, erzählt er in gutem Deutsch. Die deutsche Sprache kann er gut gebrauchen, wenn er sich mit Thomas Doll, Trainer von Ferencvaros, auch einst Profi bei der Eintracht, unterhält. Oder mit Ralf Zumdick, dem Torwarttrainer des Traditionsvereins. Er war damals der Torwart des VfL Bochum, der den Freistoßtreffer nicht verhindern konnte.

Die Eintracht verfolgt er noch immer ganz genau. Und er hat beim Pokal-Halbfinale fest die Daumen gedrückt. Auch ein wenig aus Eigennutz. Denn die früheren Pokalsieger waren schon letztes Jahr zum Finale eingeladen nach Berlin. Detari auch. „Doch dann hat was mit dem Flugticket nicht geklappt und ich konnte nicht kommen“, sagt er. Jetzt wird es klappen. So gern gesehen Detari in Frankfurt ist, so sehr liebt er den Blick zurück auf seine Frankfurter Zeit. „Ich hatte viel Spaß bei der Eintracht und ich habe viele Freunde gefunden“, sagt er. Der unvergessene Zeugwart Toni Hübler hat ihm die ersten deutschen Worte beigebracht, der damalige Geschäftsführer Peter Röder oder Mitspieler wie Charly Körbel haben ihm immer weitergeholfen.

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Nicht nur das Tor im Finale hatte für ziemliches Aufsehen gesorgt. Da war auch ein Hallenturnier, das die Menschen bewegt hat. Es fand damals in der Eissporthalle am Ratsweg statt und die Eintracht, allen voran Detari, hatte die Konkurrenz auf dem Kleinfeld aufgemischt. Hallenfußball hatte damals in der Winterpause durchaus eine große Bedeutung. „Da bin ich zum ersten Mal so richtig aus mir herausgegangen“, berichtet Detari. Kurz darauf hat ihm sein deutscher Schuhausrüster einen weiß-rot-grünen Schuh in den ungarischen Landesfarben auf den Fuß „geschneidert“. Ein bunter Schuh für einen bunten Hund - das war eine Sensation in der Liga der schwarzen Schuhe. Heute ist es eher umgekehrt. „Es hat sich viel geändert in den letzten 31 Jahren“, sagt Detari, seine Liebe zu Frankfurt nicht.

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