Vierter Teil unserer Eintracht-Serie

Bobic, der Baumeister

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Fredi Bobic (hier bei der Pokalfeier auf dem Frankfurter Römer) ist der Baumeister der Eintracht-Mannschaft.

Frankfurt - All jenen Anhängern der Frankfurter Eintracht, die in diesen Tagen schon ein wenig unruhig werden, weil die Nachrichten über Neuzugänge kaum oder nur sehr spärlich fließen, sei ein Blick zurück in den letzten Sommer empfohlen. Teil IV unserer Serie von Peppi Schmitt

Sportvorstand Fredi Bobic, gemeinsam mit Manager Bruno Hübner für die Personalzusammenstellung verantwortlich, ist kein Mann der Schnellschüsse, lässt sich lieber ein bisschen länger Zeit. Vor einem Jahr sind die besten Entscheidungen erst kurz vor dem Saisonstart gefallen. Da hat Bobic zunächst Ante Rebic zurückgeholt, nachdem sich die Eintracht noch ein paar Wochen zuvor nicht zu einer Weiterbeschäftigung des kroatischen Angreifers hatte durchringen können. Und Bobic hat Kevin-Prince Boateng aus Spanien geholt. Kurz zuvor war er mit Torwart Lukas Hradecky zu der Vereinbarung gekommen, dass der Finne trotz eines 2018 auslaufenden Vertrages bleiben würde. Drei „goldene“ Entscheidungen ohne die die Eintracht ganz sicher nicht so gut abgeschnitten hätte in der Liga. Und ohne die der Pokalsieg nicht möglich gewesen wäre. Das zeigt also: Gut Ding will Weile haben.

Es hat auch gezeigt, dass Bobic Argumenten zugänglich ist. Denn Trainer Niko Kovac war maßgeblich daran beteiligt, dass diese drei Top-Spieler zur Mannschaft gestoßen oder geblieben sind. Kovac hatte schon in den Trainingslagern in den USA und später im Südtiroler Gais erkannt, dass die Substanz der Mannschaft ohne weitere Verstärkungen zu schwach gewesen wäre. Nach dem Verkauf von Bastian Oczipka war der Trainer ein wenig unruhig geworden.

Wann auch immer, warum auch immer – die Eintracht hat kluge Personalentscheidungen getroffen. Der Franzose Sébastien Haller, mit sieben Millionen Euro der bislang teuerste Einkauf in der Vereinsgeschichte, wurde aus der holländischen Liga vom FC Utrecht geholt. Später der Holländer Jetro Willems aus Eindhoven als Oczipka-Nachfolger. Haller ist im ersten halben Jahr durchgestartet, hat im zweiten halben Jahr stagniert. Willems hatte viele gute neben einigen schlechten Spielen gezeigt. In der Summe erfolgreiche Transfers.

Unsere Eintracht-Serie:

Teil I: Niko Kovac, ein Trainer auf der Achterbahn

Teil II: Lukas Hradecky - der Mann und das Bier

Teil III: Boateng - ein Prince ohne Star-Allüren

Bobic, der den Hang dazu hat, viele Positionen mit ihm bekannten Personen oder Vertrauten zu besetzen, verlässt sich auf das Urteil von Ben Manga. Der firmiert offiziell bei der Eintracht als „Kaderplaner“. In der Öffentlichkeit taucht er so gut wie nie auf. Intern wird ihm ein großer Teil der erfolgreichen Transfergeschäfte zugeschrieben. Manga hat sich mit Unterstützung von Bobic ein Netz von „Scouts“ aufgebaut. Darin hängen geblieben ist unter anderem ein junger Mann namens Luka Jovic. Auch im letzten Sommer kein Unbekannter, aber ein Spieler, der trotz unverkennbaren Talents in der zweiten Mannschaft von Benfica Lissabon zu versauern drohte. Die Eintracht hat den Serben geholt und der ist durchgestartet, hat mit einem „Hackentor“ die Endspielteilnahme erst möglich gemacht. Jovic gilt als Rohdiamant, steht im erweiterten WM-Aufgebot Serbiens. Das Beste: Der Leihvertrag mit Benfica läuft noch ein weiteres Jahr und eine Kaufoption wurde vereinbart.

Eintracht Frankfurt stellt Fredi Bobic vor: Bilder

Bei der rundum positiven Beurteilung der Frankfurter Personalpolitik bis hin zum technischen Direktor Marco Pezzaiuoli, der unter anderem für die Entlassung der Eintracht-Legenden Alexander Schur und Uwe Bindewald als U19-Trainer mitverantwortlich ist und sich auch sonst in der Nachwuchsabteilung am Riederwald nicht wirklich viele Freunde gemacht hat, darf man freilich auch nicht die eine oder andere Ecke und Kante vergessen. Dass die Eintracht Marius Wolf von Hannover 96 für läppische 500.000 Euro geholt hat, war ein echtes Schnäppchen. Dass Wolf nun für eine festgeschriebene Ablöse von fünf Millionen Euro gehen kann, obwohl sein Marktwert ein Vielfaches beträgt, ist sicher kein Ruhmesblatt. Freilich: Die Öffentlichkeit ist ja bei den Vertragsgesprächen nicht dabei und so bleiben die Irrungen und Wirrungen meistens unter dem Teppich.

Bobic hat die Eintracht-Mannschaft schon zweimal umgebaut. Möglich, dass er es jetzt zum dritten Mal tun wird. Nicht alle Neuen sind eingeschlagen, das ist normal. Aber Substanz ist bei allen vorhanden. Manchmal ist nur Geduld vonnöten, die intern mehr aufgebracht wurde als extern. Bestes Beispiel: Jonathan de Guzman. Der erfahrene Holländer hatte keinen wirklich guten Start, hat sich dann auch noch schwer an der Schulter verletzt, schien seine Zukunft in Frankfurt schon hinter sich zu haben. Doch er ist gestärkt aus der Verletzung zurückgekommen. Im Finale der Saison, auch im Pokal-Endspiel, hat er dann sein ganzes Potential abgerufen. Andere Neue gehören längst zum Stammpersonal, Danny da Costa und Carlos Salcedo, mit Abstrichen Gelson Fernandes und Simon Falette. Ob allerdings Fernandes und Falette dauerhaft tragfähige Lösungen sind und ob die jungen Daichi Kamada und Marijan Cavar wirklich das Zeug für die Bundesliga haben, wird erst die Zukunft zeigen. Zweifel sind angebracht.

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Das Einkaufen also liegt Bobic, dem Frankfurter Baumeister. Mit dem Verkaufen tut er sich schwerer. So wollte Bobic es bei seinem Amtsantritt auf jeden Fall verhindern, dass Spieler ablösefrei den Verein verlassen. Es ist ihm nicht gelungen. Vor einem Jahr ist Haris Seferovic ohne Erlös für die Eintracht nach Lissabon gegangen, jetzt Hradecky nach Leverkusen. Dass der Vertrag mit Yanni Regäsel aufgelöst wurde und mit Max Besuschkow ein Neuer nach der Ausleihe nach Kiel quasi völlig von der Bildfläche verschwunden ist, soll erwähnt werden, auch wenn beides keine wirklichen wirtschaftlichen oder sportlichen Folgen hatte.

Bobic wird, davon kann man ausgehen, den Kader in den nächsten Monaten aufräumen. Nicht alle mit Vertrag haben auch Zukunft. Und Bobic wird mit den wichtigen Transfers wieder lange warten, um dann zuzuschlagen. Das hat sich ja bewährt.

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