Gacinovic ist Startelfkandidat

Setzt Adi Hütter gegen Leipzig auf volles Risiko?

+
Brüder im Geiste: Ralf Rangnick und Adi Hütter (von links) kennen sich aus Salzburger Zeiten. Dort spielte einst auch Torhüter Peter Gulacsi.

Frankfurt – Volles Risiko oder lieber die Sicherheitsvariante? Eintracht-Coach Adi Hütter muss beim Spiel in Leipzig genau abwägen. Er trifft dort in Ralf Rangnick auf einen guten Bekannten. Von Ingo Durstewitz  

Sehr wahrscheinlich wird Adi Hütter heute bei der obligatorischen Pressekonferenz erneut gefragt werden, ob er denn seine gesammelte Offensivpower wieder gemeinsam loslassen wird, und mit Sicherheit wird der Eintracht-Coach diese Frage ins Leere laufen lassen. „Ich weiß nicht, weshalb ich immer jedem erklären muss, warum ich wie aufstelle“, sagte er.

Hütter wird entscheiden müssen, ob er sich auch morgen in Leipzig traut, Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic zusammen stürmen zu lassen, schließlich sind die Roten Bullen kraftstrotzend unterwegs, haben 4:0 in Düsseldorf und 3:0 in Hannover gewonnen, im DFB-Pokal den VfL Wolfsburg dominiert.

Adi Hütter ist gewiss kein Sicherheitskommissar, der sich vor lauter Angst in der eigenen Hälfte verschanzt. Nein, in acht der vergangenen elf Partien ließ er seinen furiosen Sturm im Dreierpack von der Leine – es stehen vier Siege, zwei Pleiten und zwei Remis zu Buche.

Diese mutige Ausrichtung fordert Opfer, Mijat Gacinovic durfte immer nur von Beginn an spielen, wenn Hütter den Dreierangriff sprengte, also beim 2:1 gegen Leverkusen, dem 2:2 in Mainz und 0:3 gegen die Bayern. Der Serbe, unter Ex-Coach Niko Kovac ein Dauerbrenner, ist ein Profi, der das klaglos hinnimmt. Wenn er reinkommt, gibt er alles. Dass er sich im Übereifer mal verzettelt, ist bekannt. Wichtig ist er mit seiner Stärke im Pressing und seiner Laufbereitschaft.

Damit dürfte er eine Option für die schwere Aufgabe in Leipzig sein. Denn für die Eintracht wird es auch darauf ankommen, dagegenzuhalten und die schnellen Spieler des Champions-League-Aspiranten in Schach zu halten. Es könnte ein interessantes, intensives Spiel werden, weil beide Teams den gleichen Ansatz verfolgen: Druck auf den Gegner, Überzahl in Ballnähe, Kugel gewinnen, blitzschnell umschalten. Der Leipziger Trainer Ralf Rangnick hat dafür den Begriff „Mehrkampfstärke“ erfunden, „es geht um Schwarmverhalten mit vielen Sprints“. Darauf legt auch Hütter größten Wert, die Eintracht führt die Statistik der Spurts und intensiven Läufen an. Da stehen sich zwei Brüder im Geiste gegenüber. Rangnick, der Trainer wie Thomas Tuchel, Roger Schmidt oder auch Alexander Zorniger geprägt hat, war es, der einst Adi Hütter nach Salzburg lockte.

Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund teilen Punkte: Bilder

Die Verbindung dort war erfolgreich, Hütter holte 2014/15 das Double, verabschiedete sich aber dann Richtung Bern, weil er sich mit der Philosophie des Klubs nicht identifizieren wollte, der seine Topspieler zumeist an den großen Bruder nach Leipzig abgab. Genau deshalb kennt Hütter den morgigen Gegner nur zu gut, in Peter Gulacsi, Kevin Kampl, Marcel Sabitzer, Stefan Ilsanker und Konrad Laimer stehen fünf Akteure im Aufgebot, die damals unter ihm in Salzburg spielten. Ein Vorteil? „Es ist derzeit schwer, an uns vorbeizukommen“, hält Rangnick dagegen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare