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Eintracht Frankfurt: Angst vor dem Absturz

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Frankfurts Gelson Fernandes (l-r), Martin Hinteregger, Filip Kostic und Danny da Costa verlassen enttäuscht den Platz.

Nach der Niederlage von Mainz steht das Schlüsselspiel gegen Hertha BSC an. Der Trend zeigt klar nach unten.

Frankfurt - Zehnter Platz in der Liga mit siebzehn Punkten nach dreizehn Spieltagen, fünf Punkte Rückstand auf die europäischen Plätze, sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz – Eintracht Frankurt ist nach der 1:2-Niederlage beim FSV Mainz 05 im Niemandsland angekommen, verkörpert tiefstes Mittelmaß. Doch sogar das ist trügerisch, denn bei einer weiteren Niederlage am Freitag im Heimspiel gegen Hertha BSC müssten sich die Frankfurter zumindest vorübergehend nach unten orientieren.

Nach drei Niederlagen in Folge besteht noch kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Besorgnis. „Wir müssen gegen Hertha jetzt unbedingt gewinnen“, sagt Trainer Adi Hütter. Das wird kein leichtes Unterfangen, denn die Frankfurter befinden sich durchaus in einer kleinen Krise. Es gibt Probleme auf allen Ebenen, die mit immer wiederkehrendem Aufbäumen gegen große Gegner wie Arsenal, Leverkusen oder die Bayern abgemildert werden. Saisonübergreifend hat Eintracht Frankfurt in den letzten neunzehn Spielen nur fünfmal (!) gewonnen, in dieser Spielzeit auswärts nur ein einziges Mal. Die Niederlage von Mainz war also keine Eintagsfliege, sie war auch kein Unglück, auch wenn sie unglücklich zustande gekommen ist. Sie hat vielmehr einen Trend bestätigt. Der Trainer hat Sorgen in (fast) allen Mannschafsteilen und in vielen Bereichen des modernen Fußballspiels.

Eintracht Frankfurt: Rönnow der Fels in der Brandung

Allein zwischen den Pfosten von Eintracht Frankfurt gibt es keine Beanstandungen. Frederik Rönnow war auch in Mainz wieder der beste Mann. Aber davor hakt es gewaltig. Es fehlt dem Team an taktischer und den Spielern an persönlicher Disziplin, was sich in unnötigen Platzverweisen ausdrückt. Gelson Fernandes musste in Freiburg (0:1) in der 44.Minute vorzeitig gehen, der Ausraster von David Abraham ist hinreichend bekannt. Jetzt hat es in Mainz Dominik Kohr in der 44.Minute erwischt. „Komplett hätten wir sicher gepunktet“, sagte Hütter. Kohr war aber fast kein Vorwurf zu machen, er war nur das Ende einer fatalen Fehlerkette. Bei eigener Führung kurz vor der Halbzeit nach einem eigenen Eckball ausgekontert zu werden, ist schlicht eine taktische Dummheit, „Das haben wir nicht gut gemacht“, räumte Hütter ein. Freilich: Dass die Abwehrspieler Touré, Hinteregger und Ndicka bei Eckstößen alle im gegnerischen Strafraum Posten beziehen und ganz offenbar klare Absprachen zur Absicherung fehlen, hat auch etwas mit der gnadenlos offensiven Ausrichtung zu tun. Der Eintracht-Trainer nennt es in Anspielung auf das eigene Führungstor, als nach einer Ecke Touré auf den Schützen Hinteregger abgelegt hatte, „Fluch und Segen“.

Auch die hochgelobte Einkaufspolitik von Eintracht Frankfurt ist gerade in diesen Tagen und Wochen an ihre Grenzen gestoßen. Dass die „Büffelherde“ mit den Superstürmern Rebic, Haller und Jovic nicht „eins-zu-eins“ zu ersetzen sein würde, war klar. Aber das mit Bas Dost und André Silva zwei Stürmer geholt wurden, die bisher körperlich nicht in der Lage sind, dauerhaft überhaupt zu spielen, ist alarmierend. Beim Holländer sind die körperlichen Defizite deutlich sichtbar, beim Portugiesen waren die Achillessehnenprobleme lange bekannt. Dass vor der Saison ohne Not die medizinische Abteilung fast komplett ausgetauscht wurde führt im Hintergrund auch zu heftigem Grummeln. „Wir haben nicht mehr die Durchschlagskraft wie letztes Jahr, weil wir nicht aus den Vollen schöpfen können“, sagt der Trainer vorsichtig. Das liegt natürlich auch an den Dauerbelastungen. In Mainz hat Eintracht Frankfurt schon ihr 26. Pflichtspiel bestritten. Das entschuldigt einiges, aber nicht alles.

Eintracht Frankfurt: Kohr und Sow enttäuschen

Denn da sind auch die eher enttäuschenden Leistungen der für knapp 20 Millionen Euro verpflichteten Dominik Kohr und Djibril Sow, die über gute Ansätze noch nicht hinausgekommen sind. Erik Durm und Dejan Joveljic sind keine wirklichen Alternativen bei Eintracht Frankfurt. Und ein paar Stammspieler laufen ihrer Form hinterher. Filip Kostic zum Beispiel spielt weiter so, als seien seine Kumpels Jovic, Haller und Rebic noch immer da. Er flankt und flankt und flankt – ins Niemandsland. Die Liste wäre fortzusetzen. Hoffnung macht, dass sich auch in dieser Saison die andere Eintracht schon gezeigt hat. Jene Eintracht, die begeistert, die mit viel Mentalität spielt. Jene Eintracht, die nie aufgibt, wie in Mainz, als die Frankfurter in den letzten zehn Minuten trotz Unterzahl wieder wie vor der Pause die bessere Mannschaft war. „Die Eintracht ist eine richtig starke Mannschaft“, sagte Mainz-Trainer Achim Beierlorzer, „ich habe viele Nerven verloren am Ende.“ Was soll Adi Hütter da erst sagen… 

von PEPPI SCHMITT

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