Fantastisches Spiel

Pokal pur: Waldhof Mannheim begegnet der Eintracht auf Augenhöhe

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SV Waldhof Mannheim - Eintracht Frankfurt

Beim Pokalspiel der Eintracht gegen Waldhof Mannheim fielen Tore wie am Fließband. Denn es war eine Partie auf Augenhöhe. 

Mannheim - So muss Pokal sein, so muss Fußball sein. Was Waldhof Mannheim und die Frankfurter Eintracht auf den Rasen brachten, war Pokal pur, Werbung für den Wettbewerb. Die Stimmung unter den 24 302 Zuschauern war prächtig und ausgelassen. Es fielen Tore wie am Fließband, der „Underdog“ war über weite Strecken überlegen, der Favorit wachte aber rechtzeitig auf und so entwickelte sich eine dramatische Partie auf Augenhöhe. 

Am Ende hatten die Frankfurter glücklich mit 5:3 (2:2) die Nase vorn. Das zweite Scheitern in der ersten Runde in Folge wurde mit Mühe abgewendet. Die Eintracht konnte sich übers Weiterkommen freuen, die Waldhöfer über eine tolle Leistung und die Zuschauer über ein fantastisches Spiel. „Es gab heute nur Gewinner“, sagte Eintracht-Manager Bruno Hübner. 

Frankfurter Trainer war sauer über den Auftritt seiner Mannschaft

Der Frankfurter Trainer war auch froh über den Sieg, aber stinksauer über das zwischenzeitliche Auftreten seiner Mannschaft. “Es hat am Anfang alles gefehlt, wirklich alles, das Spiel mit dem Ball, das Spiel gegen den Ball, die taktische Disziplin, wir hatten Leichtsinnigkeiten bei Ballverlusten und wir sind träge ins Spiel gegangen“, polterte Adi Hütter zu Recht, „dementsprechend sind wir bestraft worden“ Das Ende hat dem österreichischen Trainer dann wieder gefallen. „Hinten raus haben wir zurückgefightet, das hat mir imponiert“, sagte er.

Hütter hatte seine vermeintlich aktuell beste Mannschaft aufs Feld geschickt. Mit einer Ausnahme: Für Goncalo Paciencia spielte Dejan Joveljic. Das Tor hütete wie erwartet Kevin Trapp und feierte damit sein Comeback im Eintracht-Trikot. Zum ersten Mal konnte die Eintracht von der in dieser Saison eingeführten neuen Regelung des DFB Gebrauch machen und zwanzig Spieler auf dem offiziellen Spielberichtsbogen nominieren. Auf der Auswechselbank saßen also neun statt wie früher sieben Spieler, mehr Auswahl für den Trainer also. Verzichtet hatte Hütter noch einmal auf Sebastian Rode, der zwar spielen wollte, aber noch einmal geschont wurde. „Wir müssen ein bisschen auf ihn aufpassen“, sagte der Eintracht-Coach.

David Abraham und Martin Hinteregger bewegten sich wie im Nebel

Die Eintracht-Abwehr aber passte gar nicht auf. Was sich hinten bei den Hessen abspielte, spottete jeder Beschreibung. Dabei gehörte Libero Makoto Hasebe noch zu den besseren. Doch links und rechts bewegten sich David Abraham und Martin Hinteregger wie im Nebel, wurden von Danny da Costa und Filip Kostic wenig bis gar nicht unterstützt. Im Mittelfeld verloren Gelson Fernandes und Dominik Kohr die gerade erst erkämpften Bälle postwendend. Es war erschreckend, was die Eintracht spielte. Und für Trapp war es ein Alptraum. Nach drei Minuten verlor Kohr den Ball, Gian-Luca Korte versetzte Abraham und schoss von schräg halblinks. Trapp wehrte den Ball nicht weit genug zur Seite ab, Hinteregger „pennte“ , Maurice Deville legte noch einmal quer und Valmir Sulejmani hatte keine Mühe zum 1:0 „abzustauben.“

Die Eintracht wirkte irgendwie abwesend. Die Quittung: Das 2:0 in der 10.Minute. Sulejmani dribbelte Abraham und Hinteregger aus und schob den Ball ins kurze Eck. Da hatte der Frankfurter Keeper, der bis dahin noch keinen Ball abwehren konnte, keine Chance. Waldhof hatte alles im Griff, hätte gegen wie aufgescheuchte Hühner umherrennenden Frankfurter das dritte Tor erzielen können. Stattdessen brachte der neben Hasebe beste Frankfurter sein Team zurück. In der 21.Minute versenkte Daichi Kamada den Ball mit einem Linksschuss aus zwölf Metern zum Anschluss. „Daichi war einer der wenigen, die einen klaren Ball gespielt und nie die Übersicht verloren haben“, sagte Manager Bruno Hübner, „er ist eine Bereicherung für uns Spiel.“

Ante Rebic machte schließlich den Unterschied

Der Bundesligist war auch danach nicht gut, aber nun immerhin auf Augenhöhe mit dem Drittligisten. Kostic war es dann, der die Eintracht endgültig wieder ins Spiel zurück brachte. Nach Pass von Abraham zog er in der 45.Minute aus 22 Metern ab und traf flach ins Eck. 2:2 zur Halbzeit, das war schmeichelhaft für die Eintracht. Der Frankfurter Trainer reagierte zur Pause, brachte für Da Costa Neuzugang Erik Durm auf der rechten Seite ins Spiel. Das war ein kluger Schachzug. Durm brachte Schwung, bereitete zwei Tore vor. „Erik hat es super gut gemacht“, freute sich der Trainer, „es ist doch schön, damit ist der Konkurrenzkampf eröffnet.“ Ganz langsam schienen die Frankfurter nun auch ihrer Rolle gerecht zu werden. Rebic spielte Joveljic frei, doch der scheiterte in der 51.Minute aus bester Position an Torwart Markus Scholz. Der Keeper wehrte dann noch einen Weitschuss von Kohr ab. Waldhof kam kaum noch in die Frankfurter Hälfte. In der 63. und 64. eine Doppel-Kopfballchance, doch Abraham und Hinteregger brachten den Ball nicht am ausgezeichneten Torwart vorbei. Und dann schlug Waldhof zurück. Kostic konnte im Mittelfeld einen Ball nicht kontrollieren, Schultz kam an den Ball und traf in der 72.Minute aus 25 Metern mit einem prächtigen Schuss. Die Waldhof-Fans waren zu recht aus dem Häuschen und stimmten den Gassenhauer „wir fahren nach Berlin“ an. Das war zu früh, wie sich drei Minuten darauf zeigte, Durm konnte flanken, Rebic drückte ein.

Eine Woche vor Bundesligastart

Nun hatte Ante Rebic Lust an diesem Spiel gefunden. Jetzt war er der Mann, der den Unterschied machte. In der 81.Minute wurde er von Durm und Kostic freigespielt und brachte die Eintracht mit einem herrlichen Treffer zum ersten Mal in Führung. Und kurz vor dem Ende traf er zum dritten Mal. Das war ein astreiner Hattrick (75., 81., 88.Minute) in einer guten Viertelstunde. Die Eintracht hatte einen schwierigen Nachmittag noch gut überstanden und die Fans im Stadion bejubelten jeweils ihre Mannschaft. Auch der Trainer war ein Gewinner, hat er doch genau gesehen, an wie vielen Stellen es eine Woche vor dem Bundesligastart gegen Hoffenheim noch hapert. Das größte Problem war sicher die abwehrende Abteilung. „Wir haben drei Gegentore bekommen und jedesmal einfache Fehler gemacht, hatten einfache Ballverluste, das darf in der Bundesliga nicht passieren“, sagte Abwehrchef Hasebe, „aus diesem Spiel müssen wir für Sonntag lernen und gut vorbereitet sein.“ Torwart Trapp sah es ähnlich, wandte sich gegen die Vermutung, die Eintracht habe den Gegner womöglich unterschätzt. „Ganz sicher nicht“, sagte der Nationalspieler, „nein, wir haben einfach viele Dinge falsch gemacht“. Aber dann rechtzeitig noch den Hebel umgelegt.

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