Anno 1994

Eintracht-Legende Uli Stein bei der SGE gefeuert, in der Fußball-Bezirksliga Offenbach gefeiert

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Uli Stein hat einen neuen Job gefunden

Uli Stein hatte eine große Karriere in der Bundesliga. Nach seinem Rauswurf bei der Eintracht trainierte er kurzzeitig sogar einen Offenbacher Bezirksligisten.

Offenbach/Frankfurt – Die Krise der Frankfurter Eintracht im April vor 25 Jahren in der Fußball-Bundesliga und der Klassenerhalt des 1. FC Langen in der Bezirksliga Offenbach wenige Wochen später sind eng miteinander verbunden. Kann man sich heute zwar kaum noch vorstellen, ist aber so. Das versichert der in Frankfurt geborene Eintracht-Fan Stephan Seibel, damals Kapitän und Torjäger der Langener. Der 56-Jährige ist nun bereits seit acht Jahren Vorsitzender des Clubs und wird im November erneut zur Wahl antreten.

Uli Stein gerät mit Vizepräsident Bernd Hölzenbein aneinander

Der Blick zurück: Bei der Eintracht waren Vizepräsident Bernd Hölzenbein und Uli Stein nach den blamablen Niederlagen in der Bundesliga gegen Leipzig (0:1) und Duisburg (1:2) aneinander geraten. Der Torwart hatte nach den verpassten Chancen, nochmals im Kampf um die Meisterschaft einzugreifen, heftige Kritik an seinen Mitspielern geübt. Er warf ihnen vor, dass sie „ohne Charakter, Herz und Biss“ spielen. Hölzenbein meinte gegenüber dem Reporter unserer Zeitung, Stein solle Bälle halten und sich aus der Vereinspolitik heraushalten.

Das tat Stein nicht mehr allzu lange für die Eintracht. Nach der 1:2-Niederlage beim FC Bayern München setzte die Eintracht Trainer Klaus Toppmöller und ihn vor die Tür. Co-Trainer Karl-Heinz Körbel, bis vor kurzem Vizepräsident des SC Hessen Dreieich, ersetzte Toppmöller bis Saisonende, Thomas Ernst rückte beim Neuanfang, dem 5:1 gegen die SG Wattenscheid, ins Tor.

Uli Stein heuerte in der Bezirksliga an

Und Stein? Der ehemalige Nationaltorwart stand nur wenige Tage nach seinem Rauswurf wieder auf dem Platz. In Langen-Oberlinden, ganz in der Nähe seines Hauses. Als Trainer des abstiegsgefährdeten 1. FC Langen in der Bezirksliga. „Wir waren damals in einer schwierigen Situation, kannten Uli Stein und haben ihn eher im Spaß angesprochen. Und er hat tatsächlich zugesagt, wollte uns helfen – wir konnten das selbst kaum glauben“, berichtet Seibel.

Für den damaligen FCL-Trainer Karl-Heinz Werner war das natürlich ein herber Schlag. Er sprach nach dem 1:0-Sieg beim SV Aris Offenbach und seiner Demission von einem Vertrauensbruch, vom Tiefpunkt seiner Trainerkarriere. Das Angebot, in der neuen Saison wieder einzusteigen. lehnte er ab. Werner hatte erst kurz zuvor per Handschlag für eine weitere Saison in Langen zugesagt, unabhängig von der Liga. „Für ihn persönlich hat mir diese Entwicklung leid getan. Aber bei uns ging es dann mit Uli Stein richtig ab – das war unglaublich“, sagt Seibel.

Zum ersten Training unter Stein kamen mehr Zuschauer als zu normalen Heimspielen. RTL, SAT1 und der HR hatten sogar ihre Fernsehteams nach Oberlinden geschickt. Mehr als 500 Zuschauer kauften Tickets für das erste Heimspiel gegen den FC Alemannia Klein-Auheim, das der Club nach Toren von Artur Rockstein und Seibel mit 2:0 gewann. „Wir hatten einen Riesenhype und haben plötzlich deutlich besser Fußball gespielt. Das ging nur über die Motivation. Jeder wollte sich vor Uli Stein beweisen“, sagt Seibel und bezeichnet den ehemaligen Nationalspieler als „guten Typen, der ordentliches Training angeboten hat und auch bei uns super ehrgeizig war“. Seibel verspürte das recht bald am eigenen Leib. Als er bei einer klaren Führung gegen den Türk SV Neu-Isenburg einen Elfmeter leichtfertig vergeben hatte, holte Stein seinen Kapitän sofort vom Feld. „So etwas ging gar nicht – das hatte dann auch der letzte Spieler kapiert. In diesem Fall ich“, meint Seibel.

Uli Stein arbeitete ehrenamtlich als Trainer

Der damals 39-jährige Stein habe auch kein Geld für seine Trainertätigkeit gewollt, sondern lediglich eine zünftige Abschlussfeier, falls es mit dem Klassenerhalt klappt. Und die haben sie tatsächlich gefeiert im Langener Süden mit 400 Personen im Festzelt. Der Club beendete die Saison als Tabellenzehnter mit 31:37 Punkten und 65:63 Toren – immerhin zu Zeiten der Zwei-Punkte-Wertung pro Sieg sieben Zähler von den Abstiegsplätzen entfernt. Unter Stein holte der FCL in sieben Spielen 11:3 Punkte.

In der nächsten Saison übernahm zunächst Toni Schiesser den FC Langen als Trainer, bereits im September löste ihn Klaus Fiederer ab. Uli Stein kehrte als Torwart zurück in den Profifußball, stieg mit Arminia Bielefeld nochmals auf in die Bundesliga. Er beendete 1997 seine Karriere.

Die Eintracht schaffte in der Bundesliga-Saison 1993/94 als Tabellenfünfter hinter dem FC Bayern, Kaiserslautern, Leverkusen und Dortmund den Sprung in den UEFA-Pokal.

VON HOLGER APPEL

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