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Eintracht Frankfurt verschläft erste Halbzeit

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Enttäuschung bei der Eintracht.

Aufgrund einer schwachen ersten Halbzeit muss sich Eintracht Frankfurt in Mönchengladbach geschlagen geben.

Was für ein komisches Spiel, was für ein aufregendes Spiel: Eine Stunde lang ist die Frankfurter Eintracht in Mönchengladbach nur hinter dem neuen Tabellenführer hergelaufen, schien auf ein Debakel hinzusteuern und ist dann doch noch einmal zurückgekommen. Zur einem Punkt hat es nicht gereicht, die Gladbacher setzten sich nach guten 90 Minuten letztlich verdient mit 4:2 (2:0) durch. Die 52.300 Zuschauern sind mit Sicherheit zufrieden nach Hause gegangen, die Gladbacher sowieso, aber selbst die Frankfurter Fans waren trotz der Niederlage hin- und hergerissen, wie die Spieler auch. „In der ersten Halbzeit waren wir zu passiv, hatten zu wenig Mut nach vorn“, fasste der ehemalige Mönchengladbacher Djibril Sow zusammen, „in der zweiten Halbzeit haben wir das wahre Gesicht unserer Mannschaft gesehen, darauf können wir stolz sein“.

Das freilich war nur ein Teil der Wahrheit. Um stolz zu sein, war es dann doch zu wenig. Denn zwei Drittel der Partie hatte dem neuen Spitzenreiter gehört. Die gesamte erste Halbzeit, als die Eintracht vor sich hin dilettierte, am Anfang und am Ende der zweiten Halbzeit. Mittelfeldspieler Gelson Fernandes, mit seiner Kampfkraft einer der wenigen richtig guten Frankfurter über die gesamte Spielzeit, legte den Finger in die Wunde. „Wenn man auswärts drei oder fünf Tore machen muss, um zu gewinnen, dann wird es schwer“, sagte er. Den beiden Treffern vor der Pause waren einfache Fehler vorausgegangen.

Eintracht Frankfurt: Wie im Kindergarten

Beim 1:0 in der 28.Minute war Breel Embolo bei einem Konter auf der rechten Seite schon ins Stolpern geraten, hatte den Ball aber noch nach innen gebracht. Dort stand nur der Gladbacher Marcus Thuram. Von Danny da Costa war nichts zu sehen und David Abraham war im falschen Moment am falschen Ort. Wie im Kindergarten ging es dann beim zweiten Gladbacher Tor in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zu. Patrick Herrmann brachte den Ball wieder von rechts nach innen. Da Costa sprang am Ball vorbei, Gelson Fernandes blockte den ersten Abschluss noch, doch dann kam Oscar Wendt frei zum Schuss und drosch das Leder ins Tor. Der Trainer war sauer. In der Halbzeit soll es laut in der Frankfurter Kabine geworden. „Und das völlig zu Recht“, sagte Fernandes. Der Trainer wollte von Lautstärke nichts wissen, nur von Deutlichkeit. „Die Gegentore wären einfach zu verteidigen gewesen“, sagte Hütter.

Der Eintracht-Coach wollte das Spiel differenziert beurteilt wissen. Auch darum wollte er nicht ganz so hart ins Gericht gehen mit seiner Mannschaft. „Die zweite Halbzeit hat mir richtig gut gefallen“, sagte er. Schönreden aber wollte er auch nichts. „Die erste Halbzeit war zu wenig und vier Gegentore sind einfach zu viel“, sagte er. Die Eintracht hat schlicht schlecht verteidigt vor der Pause und sie hat eigentlich gar nicht gestürmt. „Ich habe keine Mannschaft gesehen, die daran geglaubt hat, hier gewinnen zu können“, ärgerte sich der Trainer. 

Hütter hatte wieder einmal auf seine verletzten Stürmer André Silva und Bas Dost verzichten müssen. Kurzfristig war auch noch Mijat Gacinovic mit muskulären Problemen ausgefallen. Die Eintracht war damit vieler Offensivmöglichkeiten beraubt. Aber Hütter wollte darauf nicht abheben. „Ich hatte das Gefühl, dass das Spiel kippt“, sagte er zur Aufholjagd nach der Pause. Nach dem Anschlusstor durch da Costa (59.) hatte Kamada die dicksten Chancen. „Doch immer wenn wir dran waren, gab’s ein Gegentor“, sagte der Coach. Es waren zwei Standardsituationen, die die Eintracht am Ende schlugen. Erst köpfte Elvedi das 3:1 (75.),dann erzielte Zakaria nach Martin Hintereggers erneutem Anschluss (75.) das 4:2 (85.). Hütter: „Sehr ärgerlich.“ 

Eintracht Frankfurt trifft am Mittwoch im Pokal auf St. Pauli

Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt nicht, schon am Mittwoch spielt die Eintracht im Pokal beim FC St.Pauli. Ob mit oder ohne Silva und Dost, konnte Hütter noch nicht sagen. Die Spieler sind auf eine ganz schwere Aufgabe eingestellt. „Ich habe dort noch nicht gespielt, aber ich habe gehört, es ist eng und laut und es wird ganz schwer“, sagte Mittelfeldspieler Fernandes. Es wird also darauf ankommen, dass die Eintracht von Beginn an die Leistung bringt, die sie in Mönchengladbach erst in der zweiten Halbzeit gebracht hat. „Wir tun gut daran von Anfang an so zu spielen“, mahnte Djibril Sow, „wir sind ja nicht so stark, dass wir immer ein 0:2 aufholen können. Aber weit weg sind wir auch nicht.“ Weit weg vom Tabellenführer hat er gemeint. In der Tabelle sind es fünf Punkte. 

Von Peppi Schmitt

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