Eintracht Frankfurt

Ex-Eintracht-Spieler ist jetzt Eismann: Benny Köhler hat sein Leben wieder

Der Ex-Eintracht Spieler Benjamin Köhler spielte 257 Spiele für die Hessen.
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Der Ex-Eintracht Spieler Benjamin Köhler spielte 257 Spiele für die Hessen.

Der Ex-Eintracht Spieler Benjamin Köhler bekam 2015 die Krebs-Diagnose, die ihm einen Schock versetzte. Jetzt ist er wieder zurück im Leben.

Frankfurt - Am vorvergangenen Sonntag stand Benjamin Köhler mal wieder auf dem Sportplatz, Spielmacher natürlich, Anstoß allerdings schon um 10 Uhr am Morgen. Es ging im Berliner Defendo-Pokal gegen SV Stern Britz 1889, Kunstrasen, und das Team von Benjamin Köhler, der bei den Senioren der Spandauer Kickers (Ü32) spielt, fidelte den Gegner locker ab, 10:0, auch Benny Köhler, mit seiner „7“ auf dem Buckel, traf einmal, zum 10:0. 

Verlernt hat der Linksfuß nicht viel, noch immer steckt er mit viel Gefühl fein die Bälle durch, setzt die Kollegen gekonnt ein, die durchaus namhaft sind: Karim Benyamina etwa, einst bei Union Berlin am Ball, Chinedu Ede (Mainz 05), Michael Delura (Schalke 04) oder Daniel Ziebig (Energie Cottbus). „Auch Maik Franz gehört zur Mannschaft“, erzählt Benny Köhler, allerdings hat der Manager des Drittligisten 1. FC Magdeburg immer seltener Zeit. 

Die Spandauer Kickers stehen in der Senioren-Verbandsliga, logisch, auf Platz eins (mit einem Torverhältnis von 85:20), Köhler selbst ist aktuell zweitbester Torschütze mit zwölf Treffern. Benjamin Köhler, im August wird er 40, ist längst wieder im Leben zurück. Vom Fußball kann der Ex-Eintracht-Profi nicht lassen, ohne Fußball geht es nicht, selbst im gesetzten Alter nicht. Dass er das nach Herzenslust immer noch tun kann, wieder tun kann, ist sein größter Erfolg. 

Eintracht Frankfurt: Ehemaliger Eintracht Spieler wieder zurück im Leben

Es ist der Sieg über den Krebs. 2015, vor fünf Jahren ist bei Köhler, damals beim FC Union Berlin als Profi unter Vertrag, Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden, von einer auf die andere Sekunde war das Leben auf den Kopf gestellt, war nichts mehr wie zuvor. Eine Woche lang ist der damals 33-Jährige wie benommen durch die Welt gelaufen, „Ich bin eher der Typ, der alles in sich hineinfrisst und es mit sich selbst ausmacht“. 

Dann hat er den Kampf gegen die heimtückische Krankheit angenommen. „Du musst glauben und kämpfen“, war sein Motto. Köhler hat es geschafft, der Krebs ist geheilt seit vier Jahren schon. „Ich fühle mich pudelwohl.“ Regelmäßige Untersuchungen sind zwar noch obligatorisch, aber längst nicht mehr so nervenaufreibend wie einst, als er ständig in seinen Körper hineingehorcht hatte und bei jedem Wehwehchen sofort die Alarmglocken läuten hörte. 

„Inzwischen bin ich relativ weit weg von dem Thema, nur wenn mir Bilder von früher gezeigt werden, ich ohne Haare und so, dann kommen die Erinnerungen wieder hoch“, sagt der 39-jährige Vater von drei Kindern. Benny Köhler ist im Leben zurück. In Berlin betreibt er seit einiger Zeit gemeinsam mit seiner Frau Marina eine Eisdiele, „La Luna“ heißt das Café in der East Side Mall, ein Einkaufszentrum an der Warschauer Brücke in Friedrichshain, zehn Mitarbeiter arbeiten ihm zu, und drei-, viermal in der Woche steht der Ex-Profi an der Theke und verkauft Schokoladeneis oder balanciert einen Teller mit Waffeln, Eis, Sahne und heißen Kirschen oder kümmert sich um die Buchhaltung. 

Ex-Eintracht Spieler Benjamin Köhler betreibt eine Eisdiele

„Das ist ein Ganzjahresgeschäft“, sagt der Unternehmer, derzeit planen sie, eine weitere Filiale in Berlin zu eröffnen. „Wir haben ein ganz normales Arbeitsleben.“ Fußball guckt der gebürtige Berliner selbstverständlich weiterhin, ein Auge hat er auf Union und die Eintracht, auch wenn die Kontakte nach und nach lockerer werden. Mit Kumpel Alex Meier steht er in regelmäßigem Austausch, Marco Russ hat er bei dessen Krebserkrankung sofort kontaktiert. Die Partie heute Abend wird er sich im Fernsehen anschauen, nach Frankfurt kommt er heute nicht. 

257 Spiele (33 Tore/35 Vorlagen) hat er für die Hessen bestritten, neun Jahre spielte er im Stadtwald, bei keinem seiner anderen Klubs, etwa Hertha, RW Essen, MSV Duisburg oder 1.FC Kaiserslautern, hielt er es so lange aus. Frankfurt hat den kleinen, aber feinen Techniker geprägt, mit den Hessen war er im Pokalfinale 2006, spielte unter Trainer Friedhelm Funkel auch europäisch. 

Zum Ende seiner Karriere ist er zurück in seine Heimatstadt gekehrt, hat sich Union angeschlossen, 2013 war das, und Union spielte mehr schlecht als recht in der zweiten Liga. Den momentanen Aufschwung der „Eisernen“, die ihn während seiner Krebserkrankungen enorm viel Zuspruch und Unterstützung hatten zuteil werden lassen, verfolgt Köhler mit einigem Staunen. „Die spielen einen richtig guten Fußball, oft mit einem Kontakt.“ Trainer Urs Fischer habe einen prima Job gemacht, auch die Mischung im Team stimme zwischen jungen, talentierten und erfahrenen Spielern. „Die Klasse hält Union, ganz sicher“, legt sich Benny Köhler fest.

Sein Tipp: 1:1

Es lebe der Bolzplatz: Wie Andreas Möller die Eintracht-Jugend wieder nach oben führen will. Für den von den Eintracht-Fans angefeindeten Ex-Profi ist klar, dass die besten Spieler aus dem Rhein-Main-Gebiet das Eintracht-Trikot tragen müssen.

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