Analyse

Eintracht Frankfurt hat das Fußballspielen in der Offensive verlernt

Makoto Hasebe darf bei Eintracht Frankfurt nicht spielen. Dabei gehört er zu den besten Fußballern der SGE. 
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Makoto Hasebe darf bei Eintracht Frankfurt nicht spielen. Dabei gehört er zu den besten Fußballern der SGE. 

Eintracht Frankfurt hat das Fußballspielen in der Offensive verlernt. Eine Analyse zur Lage der SGE.

  • Eintracht Frankfurt hat das Fußballspielen verlernt
  • Nach vorn geht nichts mehr bei der SGE
  • Analyse über die Situation

Frankfurt - Die Eintracht Frankfurt bleibt im neuen Jahr ungeschlagen. Nach zwei Siegen gegen Hoffenheim und Leipzig wurde nun ein 1:1 (0:0) bei Fortuna Düsseldorf geholt. Der Abstand auf die Abstiegszone ist damit auf sieben und acht Punkte angewachsen. Damit sind die guten Nachrichten aus Sicht der SGE auch schon alle aufgezählt.

Denn das Spiel beim Tabellenletzten in Düsseldorf, die Leistung und das gesamte Auftreten, war ein Rückfall in ganz schlechten Zeiten. Besonders angefressen war Torhüter Kevin Trapp. „Man hätte fast glauben können, dass wir Letzter sind, so wie wir gespielt haben“, schimpfte der Nationalspieler, „es war einfach nicht ausreichend, was wir heute gemacht haben.“ Trainer Adi Hütter sprach von „Magerkost“ und Manager Bruno Hübner stellte fest: „Das kann nicht unser Anspruch sein.“ Es herrschte also Einigkeit in der Beurteilung der mühseligen und unansehnlichen Darbietung von Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt: Die Mängelliste der SGE ist lang

Die Mängelliste der SGE war lang, sehr lang. Über die Notwendigkeit, die Defensive zu stärken, hat Eintracht Frankfurt den Spaß am Angriffsspiel verloren. Nach vorne ging gar nichts, ganz so wie vor Wochenfrist in der ersten Halbzeit gegen Leipzig. Ballstafetten? Fehlanzeige. Schnelles Spiel in die Spitze? Fehlanzeige. Dribblings, Doppelpässe, all das kommt nicht mehr vor bei Eintracht Frankfurt, irgendwie hat die Mannschaft das Fußballspielen verlernt.

„Es hat an allen Ecken und Enden gefehlt“, räumte auch der Trainer ein. Alleine individuelle Qualitäten der SGE haben den einen Punkt möglich gemacht. Die Ruhe des Torwarts Trapp, der inzwischen die besten Pässe der ganzen Mannschaft spielt. Die Kompromisslosigkeit der Innenverteidiger Martin Hinteregger und David Abraham, die den überlegenen Schlusslichtern aus Düsseldorf kaum Chancen gestatteten.

Eintracht Frankfurt: Timothy Chandler trifft wieder für die SGE

Der Fleiß von Sebastian Rode und der erstaunliche Offensivgeist von Timothy Chandler. Der Verteidiger von Eintracht Frankfurt mit Stürmerblut hat nach dem Siegtor von Hoffenheim nun auch den Treffer in Düsseldorf erzielt. „Timmy hatte heute zwei Chancen und ein Tor erzielt und hat eine weitere Chance vorbereitet“, gabs ein Sonderlob vom Trainer. Die Vorarbeit zum Ausgleich für die SGE in der dritten Minute der Nachspielzeit hatte André Silva geleistet, der einen besseren Eindruck als der zur Pause ausgewechselte Goncalo Paciencia hinterließ. Wirklich gut aber war auch Silva nicht.

Es gab viele schwache Spieler in den Reihen von Eintracht Frankfurt. Danny da Costa kommt einfach nicht mehr an seine Form der letzten Saison heran und war am Führungstor der Fortuna maßgeblich beteiligt, weil er bei Kaan Ayhans Freistoßtor (78.Minute) die Lücke in der Mauer öffnete und den Ball auch noch abfälschte. Der Zweck der Mauer sei dabei „nicht erfüllt“ worden, sagte der machtlos Trapp. Evan Ndicka ist nach vorne ein Ausfall, Daichi Kamada ist einmal mehr wie ein Jugendspieler rübergekommen, hat in 45 Minuten nur einen einzigen Zweikampf gewonnen.

Eintracht Frankfurt: Bei der SGE stimmt die Gesamtleistung nicht 

 „Wir sollten nicht über einzelne Spieler sprechen“, wünscht sich der Trainer von Eintracht Frankfurt, „es hat mannschaftlich nicht gestimmt.“ In diese Kerbe hieb auch Anführer Trapp. „Es wird immer solche Spiele geben, wo nicht viel funktioniert, aber zwischen nicht viel funktionieren und taktisch nicht diszipliniert sein, ist noch ein großer Unterschied“, mäkelte er zu Recht, „wir haben nicht die Räume eng gemacht und wir haben nicht gemeinsam verteidigt.“

Es gibt kein Spiel der SGE mehr nach vorne, keinen wirklichen Aufbau, keine Ideen, keine Wucht. Es ist längst nicht mehr die Eintracht aus der letzten Saison. Was vor allem, aber nicht nur, am Fehlen von wirklich durchsetzungsstarken Stürmern liegt. Der Eintracht fehlt es ganz grundsätzlich an Tempo nach vorne. Und in der winterlichen Transferperiode wurde es, aus welchen Gründen auch immer versäumt, da Abhilfe zu schaffen. „Ich weiß natürlich, dass wir vorne rechts noch ein Spieler gesucht haben, der schnell, dribbelstark ist, der auch eins gegen eins gehen kann“, räumt Hütter ein. Sportchef Fredi Bobic hat keinen gefunden. Der „Markt“ hat eine solche Lösung offenbar weder im letzten Sommer noch jetzt im Winter hergegeben.

Eintracht Frankfurt: Stefan Ilsankers Qualitäten liegen nicht im feinen Spiel 

Dafür wurde von Eintracht Frankfurt mit Stefan Ilsanker einer geholt, der seine Qualitäten ganz sicher auch nicht im feinen Spiel hat (siehe nebenstehender Artikel). Es fehlt ein kreativer Spieler im Mittelfeld. Da ist es durchaus verwunderlich, dass der wohl unbestritten beste Fußballer bei Eintracht Frankfurt, der Japaner Makoto Hasebe, durch die Systemumstellung seit Jahresbeginn komplett außen vor ist und noch keine einzige Minute gespielt hat. Das Dilemma des Trainers: Er hat die der SGE Abwehr dicht bekommen, was unbedingt nötig war. Und hat dafür die Ansätze zum attraktiven Fußballspiel geopfert. Hütter weiß das sehr wohl. „Wir sind nicht in der Verfassung, jemand an die Wand zu spielen“, gibt er zu, „es geht darum in sichere Gefilde zu kommen.“ Die hohen Erwartungen und auch eigenen Ansprüche könne die Mannschaft aktuell nicht erfüllen.

Dass mit Almamy Touré, (leichte muskuläre Problem), Mijat Gacinovic (Adduktorenprobleme) und Bas Dost (Magenprobleme) drei Spieler aus den ersten erfolgreichen Jahreswochen gefehlt haben, hatte die spielerische Notlage verschärft. Herausgekommen ist eines der schlechtesten Spiele der jüngeren Vergangenheit. „Aber ein ganz wichtiger Punkt“, sagt Hütter. Bei aller Kritik wollte der Trainer nicht den positiven Aspekt aus den Augen verlieren. „Wir haben mit Mentalität zurückgeschlagen“, sagt er, „Ende der Vorrunde hätten wir sicher keinen Punkt geholt, es hat sich also was verändert.“ Für diese rein auf Ergebnis orientierte Spielweise hat die Eintracht aktuell einen hohen Preis bezahlt.

Von Peppi Schmitt

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