Eintracht Frankfurt

Jetzt schon klar: Adi Hütter kann auch Abstiegskampf

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Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt.

Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt, beweist seine Qualitäten, mahnt aber auch: „Wir sind noch nicht hinten raus“.

  • Eintracht Frankfurt mit Befreiungsschlag im Abstiegskampf
  • Platz im gesicherten Mittelfeld
  • Adi Hütter zeigt seine Qualitäten

Frankfurt - Adi Hütter ist ein Erfolgstrainer. Aufstieg in die österreichische Bundesliga mit dem SV Grödig (2013). Meisterschaft und Pokalsieg mit RB Salzburg (2015). Zweimal Vizemeister (2016 und 2017) und dann Meister (2018) mit Young Boys Bern. Im letzten Jahr mit der Frankfurter Eintracht Halbfinalist in der Europa-League. Und dann der Absturz mit Eintracht Frankfurt in den letzten Wochen des alten Jahres bis an den Rand der Abstiegszone. Die Frage wurde gestellt: Kann Adi Hütter auch Abstiegskampf? Der Einwand sei berechtigt, räumte Hütter ein, „bis jetzt hatte ich es noch nie, in der Tabelle weit hinten zu stehen.“ Das neue Jahr ist dann wieder „Hütter like“ losgegangen. Zwei Siege gegen Hoffenheim und Leipzig zum Auftakt, raus aus dem Abstiegskampf, zurück ins zunächst einmal gesicherte Mittelfeld. „Ich will das mit dem Abstiegskampf nicht erleben, weil es für alle Beteiligten sehr, sehr unangenehm ist“, sagt er, „meine Antwort waren die sechs Punkte.“ Das meint er gar nicht überheblich. Und fügte deshalb hinzu: „Wir sind noch nicht hinten raus.“

Eintracht Frankfurt: Hütter meistert Krise

Der 49 Jahre alte österreichische Fußball-Lehrer hat im zweiten Jahr in Frankfurt nun schon seine zweite Krise gemeistert. Ganz am Anfang nach seinem Amtsantritt war es nicht gut gelaufen. Damals, im Frühherbst 2018 wurde die Frage gestellt: Kann Hütter nach Österreich und der Schweiz auch die deutsche Bundesliga? Er konnte. Er hat die Eintracht nach der Vorarbeit und erfolgreichen Stabilisation durch seinen Vorgänger Niko Kovac auf ein neues spielerisches Level gehoben. Nicht durchweg, aber schon über eine lange Zeit. Vor allem europäisch haben die Frankfurter geglänzt. Und jetzt gerade hat Hütter die Winter-Frage ganz in seinem Sinne beantwortet und eventuelle Zweifel zerstreut. Der Mann weiß, was er tut. Er ist selbstbewusst, na klar, aber er ist auch selbstkritisch. Das hat er dem einen oder anderen voraus, auch im eigenen verein. Die Kritik an ihm, an der Mannschaft sei „komplett richtig“ gewesen, hat er gesagt, „wenn man aus sieben Spielen nur einen Punkt holt und dann keine Kritik kommt, wäre ich fehl am Platz.“

Das ist er ganz sicher nicht. Hütter ist der richtige Trainer für dieEintracht. Auch weil er die richtigen Schlüsse nach der Delle gezogen hat. Ob es die Umstellung von Dreier- auf Viererkette alleine war, die den Umschwung eingeleitet hat, mag dahingestellt sein. Es war in jedem Fall das richtige Mittel, um festgefahrene Strukturen aufzubrechen. Übrigens: Hütter war vor seiner Frankfurter Zeit ein Fan der Viererkette, hatte sich dann aber anders entscheiden. Unter anderem, weil die Dreierkette für Makoto Hasebe die ideale Abwehrform war. Jetzt wollte der Coach keine Rücksicht mehr auf seinen ältesten Profi und in vielen Bereichen besten Fußballer mehr nehmen.

Hütter die kurze Zeit nach dem letzten Spiel in Paderborn (1:2) und dem Start ins Trainingslager dazu genutzt, zu analysieren und aus den Erkenntnissen der Analyse Konsequenzen zu ziehen. Er hat dabei der Versuchung widerstanden, auf die körperliche Schwäche des Teams am Ende des alten Jahres mit verstärktem körperlichem Training am Anfang des neuen Jahres zu reagieren. Konditionsbolzerei hatte nicht oben auf dem Zettel für die Vorbereitung gestanden. Hütter hat vielmehr darauf vertraut, dass mit zwei Wochen Urlaub und Entspannung, auch mental, jene Frische zurückkehrt, die diese Mannschaft für ihr aufwendiges Spiel braucht. Von diesen beiden Ansätzen, Systemumstellung und mehr Frische, war der Trainer überzeugt. Der dritte Steilpass, um die Krise vergessen zu machen, war die Rückkehr wichtiger Spieler. Die Persönlichkeit von Kevin Trapp sollte zur Stabilisierung beitragen, die Schnelligkeit von David Abraham ebenfalls. Und die Fitness von Bas Dost hat das aktuelle System mit einem „Wandstürmer“ vorne, so erst möglich gemacht.

Eintracht Frankfurt hat endlich wieder Spielglück

Vieles, im Grunde alles, was Hütter erhofft, aber auch erarbeitet hat, ist in den ersten Wochen eingetroffen. Dazu kommt noch der Faktor Glück, in diesem Fall Spielglück. Fast bei jedem Bundesligaspiel gibt es Situationen, die das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen können. Vor der Winterpause war da vieles gegen die Eintracht gelaufen, jetzt hatten sie das Glück zweimal wieder auf ihrer Seite. Ganz nach dem Motto: „Glück hat nur der Tüchtige.“ Da gelingt eben Timothy Chandler in Hoffenheim ausgerechnet in jener Phase das Siegtor, als der Gegner die Oberhand zu gewinnen schien, und da schlägt gegen Leipzig der erste Schuss (durch Almamy Touré) gleich ein und verändert das ganze Spiel.

Was bleibt ist die Feststellung: Ja, Hütter kann Abstiegskampf. Weil er schlicht ein guter Trainer ist. Und weil er nicht dazu neigt, abzuheben, warnt er vor den beiden nur vermeintlich „leichteren“ Spielen in Düsseldorf und gegen Augsburg. „Wir müssen weiter gut und hart trainieren“, gibt er den Druck an seine Spieler weiter, „wer den Tabellenführer schlägt, sollte nun auch versuchen in Düsseldorf zu gewinnen.“ Wieder einmal stehe die Eintracht vor einem “Schlüsselspiel“. Mit einem weiteren Sieg könnte es wieder in obere Gefilde gehen, bei einer Niederlage wäre graues Mittelfeld angesagt. Aber das ist nicht Adi Hütters Welt, so wenig wie der Abstiegskampf

Von PEPPI SCHMITT

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