Amerika-Trainingslager vorbei

Nach dem Totalabsturz der Eintracht: Adi Hütter wünscht sich neue Spieler

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Eintracht-Trainer Adi Hütter wünscht sich nach dem Totalabsturz 2019 neue Spieler. Sportvorstand Fredi Bobic bemüht sich, den Wunsch des Trainers nach Verstärkungen zu erfüllen.

Die Spieler von Eintracht Frankfurt haben wieder heimatlichen Boden unter den Füßen. Das neuntägige Trainingslager der SGE in Amerika ist vorbei.

Frankfurt - Nach einer kurzen Übungseinheit hat Trainer Adi Hütter den Spielern bis zum Dienstag freigegeben, auch um den Jetlag nach und nach zu überwinden. Dann beginnt die Vorbereitung auf die Rückrunde mit dem Start am Samstag bei der TSG Hoffenheim. Die Fakten sind klar: Mit drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz und vier auf den ersten direkten Abstiegsplatz befindet sich die Eintracht mitten im Abstiegskampf. Daneben stehen in Europapokal (Salzburg) und DFB-Pokal (Leipzig) weitere wichtige Spiele auf dem Plan. Die kurze Winterpause und die allseits gelobte Arbeit in Übersee stehen dann auf dem Prüfstand.

Eintracht Frankfurt (SGE): Fredi Bobic möchte Wunsch von Adi Hütter erfüllen

Vieles soll im neuen Jahr anders werden nach dem Totalabsturz im letzten Dezember. Das beginnt mit neuen Spielern. Sportvorstand Fredi Bobic bemüht sich, den Wunsch des Trainers nach Verstärkungen zu erfüllen. Eher unwahrscheinlich, dass dies bis zum Auftakt schon klappt, aber bis zum Ende der winterlichen Transferperiode Ende des Monats sollen bis zu zwei Neue da sein. Sie sollen sportlich sofort helfen, denn nach den Ausfällen von Gelson Fernandes (Hüftoperation) und Daichi Kamada (Bänderriss) besteht dringender Handlungsbedarf. Hilfe von außen scheint unabdingbar.

Mindestens genauso wichtig aber ist die „Selbsthilfe“ innerhalb des vorhandenen Kaders. Änderungen in allen Mannschaftsteilen sind absehbar. Im Tor setzt die Eintracht große Hoffnungen auf die Rückkehr von Kevin Trapp. Der Nationalspieler hat den Anschluss nach seiner schweren Schulteroperation aus dem letzten September erstaunlich schnell wieder geschafft und die ersten Trainingseinheiten ebenso wie das Testspiel gegen Hertha BSC (1:2) gut überstanden. Trapp kann Kraft seiner Persönlichkeit zum großen Rückhalt werden. Das wird auch nötig sein, denn der gute Vertreter Frederik Rönnow hat sich einmal mehr verletzt (Sehnenriss) und fällt noch längere Zeit aus.

SGE: Defensive von Eintracht Frankfurt soll stabiler werden

Die Defensive soll mit einer taktischen Veränderung stabiler werden. Trainer Adi Hütter wird wohl von Dreier- auf Viererkette umstellen. Das ist freilich auch mit einigen Risiken behaftet. Zum einen konnte die neue Formation nur selten geübt werden, zum anderen könnte diese Umstellung ausgerechnet zulasten von Makoto Hasebe gehen, dem unstrittig besten Fußballer aus der Defensivabteilung. Dessen „Liberoposition“ würde dann ja quasi wegfallen. David Abraham und Martin Hinteregger, die im neuen System die Zentrale bilden werden, haben ihre Qualitäten eher im Zweikampfverhalten und Kopfballspiel. Hasebes Pässe aus der Abwehr heraus würden sicher fehlen. Rechts und links werden in der abwehrenden Abteilung, Stand jetzt, Almamy Touré und Evan Ndicka spielen. Touré hat sich dabei immer wieder wegen seiner leichtsinnigen Spielweise als Risikofaktor erwiesen. Womöglich entschließt sich Hütter deshalb doch noch, den erfahrenen Timothy Chandler in die Abwehrkette einzureihen. Ndicka hat sich im Trainingslager mit grundsoliden Vorstellungen als linker Verteidiger empfohlen.

Eine Vierer-Abwehr hat natürlich Auswirkungen auf die taktischen Anordnungen im Mittelfeld. Auf die Außen Danny da Costa und vor allem Filip Kostic wird der Frankfurter Trainer sicher nicht verzichten können, irgendwie muss das Spiel ja auch nach vorne entwickelt werden. Gerade Kostic könnte ein „echter“ linker Verteidiger wie Ndicka sogar zugutekommen, müsste er dann doch etwas weniger Aufgaben in der Defensive übernehmen. Sebastian Rode ist als Mann vor der Abwehr gesetzt, auch Dominik Kohr hat gute Chancen. Nach Fernandes‘ Ausfall gibt es aber kaum noch eine Alternative, schließlich ist ja auch Lucas Torró verletzt.

Bas Dost: Der große Hoffnungsträger von Eintracht Frankfurt (SGE)

Und je weiter es nach vorne geht, desto größer werden die Probleme. Wie Trapp im Tor ist Bas Dost im Sturm der große Hoffnungsträger. Der Stürmer hat bei entsprechendem Fitnesszustand sicher die Qualität, Tore zu erzielen. Dazu muss er aber auch geschickt ins Spiel gebracht werden. Eine Lösung dafür hat die Eintracht noch nicht gefunden, wie im Test gegen Hertha zu beobachten war, weder strukturell noch personell. Ohne Kamada fehlt der Eintracht jede Kreativität im Anspiel in das vordere Drittel. Mijat Gacinovic fehlt dazu bei allem Fleiß schlicht die Klasse. Wer also soll die Spitze oder die Spitzen einsetzen? Das ist eine der zentralen Fragen, die die sportliche Leitung noch nicht beantwortet hat. Mit dem bislang besten Torschützen Goncalo Paciencia bietet sich dem Trainer immerhin eine weitere erfolgversprechende Variante im Angriff als Partner oder Ersatz für Dost. Ein Rätsel bleibt weiter der hochveranlagte André Silva. Er plagt sich wieder mit muskulären Problemen, sodass der Trainer nur sehr eingeschränkt mit ihm planen kann.

Es hakt und klemmt also weiter an vielen Ecken und Enden, die Sorgen und Nöte sind seit der Niederlage in Paderborn kurz vor Weihnachten (noch) nicht wirklich kleiner geworden.

VON PEPPI SCHMITT

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