Bas Dost krank, Goncalo Paciencia motiviert

Die Eintracht und ihre Kompaktheit auf Kosten der Angreifer

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Zehn Tore, sieben davon in der Liga: Goncalo Paciencia ist der treffsicherste Spieler der Eintracht.  

Kompakt soll es neuerdings zugehen bei Eintracht Frankfurt, die Stürmer müssen sich daran anpassen - und hoffen insgeheim sicher auf eine Systemanpassung.

  • Eintracht Frankfurt anders ausgerichtet
  • Bas Dost immer wichtiger
  • Paciencia lässt aufhorchen

Pünktlich war er jedenfalls, zumindest in der Zeitrechnung von Eintracht Frankfurt. Als Spieler und Trainer des hessischen Fußball-Bundesligisten am Dienstagvormittag vor den Augen der rund 50 durchnässten und fröstelnden Kiebitze mit einstündiger Verspätung den Übungsplatz an der Arena betraten, gesellte sich plötzlich auch ein wohlbekannter Stürmer zur Menschenmenge dazu. Rote Schuhe, rote Hose, schwarze Jacke, die Trainingstasche in der Hand. Der künftige Mann für Frankfurter Tore? Vermutlich. Die von vielen erhoffte Verstärkung für die Offensive des Adi-Hütter-Teams? Mitnichten.

Denn Mo Idrissou, 39, hatte nur einen Ausflug in den Stadtwald gemacht. Den kurz vor der Fußballerrente stehenden Angreifer, der immerhin 27 Mal für die Hessen spielte und dabei 14 Treffer erzielte, hat es bekanntlich jüngst wieder zurück in die Stadt am Main verschlagen, nachdem er in Österreich in Abschiebehaft saß. Auch künftig schnürt er noch für einen Frankfurter Verein die Kickschuhe, für den Sechstligisten Rot-Weiss, und ganz nebenbei soll er auch beim Traditionsteam der Eintracht mittun. Aber natürlich nicht mehr bei der Erstligatruppe von Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt: Bas Dost plagt sich mit einem Magen-Darm-Infekt rum

Für die konnte am Dienstag auch ein anderer Torjäger nicht auf dem Rasen mitwirken. Bas Dost plagte sich daheim mit einem Magen-Darm-Infekt rum. Der Niederländer soll, so die Hoffnung der Eintracht, aber bis zum Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr) beim Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf wieder fit sein. Das wäre gerade deshalb wichtig, weil Dost im neuerdings von Hütter angewandten Attackesystem eine gestiegene Bedeutung zukommt. 

Marco Russ ist zurück auf dem Rasen – zumindest in Laufschuhen. Der Verteidiger, 34, arbeitet nach einem Achillessehnenriss am Comeback und joggte am Montag noch vor der Einheit der fitten Teamkameraden um den Platz. dani

Bei den beiden Rückrundensiegen gegen Hoffenheim und Leipzig bildete Dost einen Angriff mit sich selbst. Unterstützte der offensive Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic die einzige Spitze als fleißiger Dauerrenner in Sinsheim wenigstens ab und an mit Sprints in die Tiefe – unter anderem bereitet er auch dessen fünften Saisontreffer vor – gelang das am vergangenen Samstag gegen Spitzenreiter Leipzig kaum noch. Dost sah vor allem in der ersten Hälfte etliche lange Befreiungsschläge von den Abwehrkollegen auf sich zufliegen und musste sich dann meist gegen zwei, drei Gegenspieler allein zur Wehr setzen. Das gelang ihm dürftig. Kein Torschuss, 23 Ballkontakte – es war gewiss nicht das Spiel von Bas Dost.

Auffällig ist, dass sich der aus Lissabon verpflichtete 1,96-Meter-Hüne darum bemüht, die zu ihm gespielten Bälle möglichst rasch weiterzuleiten, meist direkt mit dem ersten Kontakt. Das zählt zu seinen großen Stärken, damit kann er einen Angriff beschleunigen. Wenn die Teamkollegen jedoch weit in die eigene Hälfte gedrängt sind – wie häufig gegen Leipzig –, verpufft diese Art des Tempomachens jedoch schnell. Den Ball abzuschirmen, ihn auch mal für zwei, drei Sekunden zu halten und erst dann weiter zu passen, wie es vergangene Saison Sebastien Haller so gekonnt praktizierte, gehört dagegen weniger zum Stil von Dost. Freilich lässt sich daran arbeiten.

Eintracht Frankfurt: Goncalo Paciencia schart schon mit den Stollenschuhen

Jan Zimmermann , ebenfalls 34, hat derweil das Leibchen gewechselt. Nicht mehr in roter Torwart-, sondern in mausgrauer Trainerkleidung betrat er den Rasen. Bis vergangene Woche war „Zimbo“ bekanntlich noch die Nummer vier im Ballfänger-Ranking, ehe er völlig überraschend Moppes Petz als Torwarttrainer ablöste. Am normalen Trainingsbetrieb als Keeper nahm er daher nicht teil. dani

Oder aber er erhält ganz vorne künftig doch wieder Unterstützung durch einen zweiten Mann. Goncalo Paciencia jedenfalls schart schon mit den Stollenschuhen. Der Portugiese, der mit zehn Toren in 31 Pflichtspielen treffsicherster Angreifer der Eintracht in dieser Saison ist, betrat im Heimspiel gegen Leipzig für die finalen 13 Minuten erstmals in diesem Jahr wieder das Feld. Und ließ prompt aufhorchen. Seine starke Vorarbeit zum 2:0 von Filip Kostic war sehenswerter als der Abschluss selbst.

Gute Erinnerungen hat Paciencia auch an den kommenden Gegner. Zweimal spielte er bisher gegen die Fortuna, sowohl beim 3:0-Auswärtstriumph in der vergangenen Saison als auch dem 2:1-Heimerfolg in dieser schoss er je ein Tor und bereitete ein weiteres vor. Das sei ein „gutes Gefühl“, mehr aber auch nicht. „Das wird ein völlig anderes Spiel“, so Paciencia.

Ebenso anders wie es auch die Ausrichtungen der vergangenen und des kommenden Kontrahenten sein werden. Hoffenheim und Leipzig wollten selbst die Ballhoheit besitzen, sie wollten bestimmen, wie das Spiel läuft. Das Schlusslicht aus Düsseldorf wird der Eintracht dagegen wohl weitestgehend die Kugel überlassen. Paciencia warnt jedoch davor, den Gegner zu unterschätzen: „Wir haben auch damals beim Letzten in Paderborn verloren. So dürfen wir nicht denken.“

Eintracht Frankfurt: Paciencia lässt sich Laune nicht verderben

Dass er zum Jahresauftakt dem System zum Opfer gefallen ist (ebenso wie sein Portugiesen-Partner André Silva), der von Trainer Hütter geforderten Kompaktheit, die sich letztlich in einer Reduzierung der Angriffskräfte niederschlug, freut den 25-Jährigen natürlich nicht. Die gute Laune lässt er sich davon aber nicht verderben. Er sagt: „Wenn du gut verteidigst, greifst du besser an.“ Und weiter: „Wenn du über Tore nachdenkt, wirst du keine Tore schießen.“

Sein Vertrag verlängerte der Portugiese gerade erst um ein Jahr bis 2023. Der Grund dafür ist recht simpel. „Ich habe mich vom ersten Tag an in Frankfurt wie daheim gefühlt“, sagt Paciencia, er wolle nun einfach konzentriert weitermachen, um wieder mehr Spielzeit zu bekommen. Denn: „Ich will im Sommer zur EM, dafür muss ich arbeiten und Tore schießen.“

Im Sieben-Spiele-Februar wird er dazu sicher die eine oder andere Gelegenheit erhalten. Mo Idrissou wird ihm jedenfalls nicht in die Quere kommen.

Von Daniel Schmitt

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