Teil 1 der Serie

Eintracht in der Saison 2018/19: Ohne Drama geht es nicht 

+
Eintracht in der Saison 2018/19: Ohne Drama geht es nicht 

Nach einem Fehlstart in die Saison 2018/19 galt er als der erste Trainer, der vorzeitig entlassen werden sollte. Rückblickend erwies sich Adi Hütter als absoluter Glücksgriff. Alle lieben Eintracht Frankfurt, den großen Sieger der Saison 2018/19. Teil 1 der Serie.

In diesen Tagen kämpft der VfB Stuttgart gegen Union Berlin um den Verbleib in der Bundesliga. 2016 musste die Frankfurter Eintracht diese Nervenprobe bestehen, damals gegen den 1.FC Nürnberg (1:1 und 1:0). Es ist also erst drei Jahre her, da standen die Frankfurter am Abgrund. Das kann sich heute niemand mehr vorstellen. Es macht die rasante Entwicklung dieses Klubs deutlich, der seinen stetigen Aufstieg in diesem Jahr mit einer (fast) perfekten Saison fortgesetzt hat. Dass es ohne Drama bei der Eintracht nicht geht, hat auch diese Spielzeit wieder gezeigt, am Ende mit dem Ausscheiden in Chelsea aus der Europa-League im Elfmeterschießen und der Qualifikation für Europa durch die Hilfe des Nachbarn Mainz am letzten Spieltag. Aber auch schon am Anfang mit einem ernüchternden 0:5 im Supercup gegen die Bayern und dem „Aus“ im DFB-Pokal als Titelverteidiger schon in der ersten Runde in Ulm. Unser Mitarbeiter Peppi Schmitt beleuchtet die Entwicklung in einer dreiteiligen Serie.

Auch interessant: Wie viel ist Luka Jovic wirklich wert? Mega-Angebot schon im Winter

Der größte Erfolg: Alle lieben die Eintracht

Der Sieg gegen die Bayern im letztjährigen Pokalfinale hatte die Eintracht in jeder Beziehung auf eine neue Ebene gehoben. Es war der Erfolg von David gegen Goliath, der es möglich gemacht hat, dass ein ganzer Verein in völlig anderem Licht gesehen wird. Ganz Frankfurt war damals auf den Beinen, als die Mannschaft am Tag danach in die Heimat zurückkehrte. Jetzt weiß man: Dieser Triumph der Eintracht ist keine Eintagsfliege geblieben. Mannschaft, Verein, Umfeld und Fans haben den eingeschlagenen Weg konsequent fortgeführt. Wann hat es das schon mal gegeben, dass ganz Fußball-Deutschland einer Frankfurter Mannschaft in Europa die Daumen gedrückt hat? Jetzt war es so.

Auch interessant: Plant Paris nicht mehr mit Kevin Trapp? Erstes SGE-Angebot abgelehnt - doch Eintracht will kämpfen

Rückblick: Es ist noch nicht lange her, da war die Eintracht eine „graue Maus“, häufig in finanziellen Nöten, froh überhaupt mitspielen zu dürfen in der Bundesliga. Ihre Fans hatten sich ironisch als „Randalemeister“ gefeiert, in der eigenen Stadt wurde der Klub mit Argwohn beobachtet. Das alles hat sich grundlegend geändert. Die sportlichen Erfolge haben geholfen, Einfluss, Zuneigung und Image zu gewinnen.

Adi Hütter nach Niko Kovac ein Glücksgriff

Ein Rädchen greift ins andere. Vorstand Axel Hellman ist der „Vordenker“, forciert zum einen Investitionen in Steine (Neubau des Profi-Campus und Ausbau der Arena), zum anderen aber auch eine zukunftsgewandte Vereinspolitik mit Schwerpunkten auf Digitalisierung und Internationalisierung. Dabei gelingt ihm der Spagat, die Tradition der Eintracht, das familiäre Gefühl des Klubs, nie außer Acht zu lassen. Sein sportlicher Pendant Fredi Bobic hat eine Fußballphilosophie eingebracht, die zu Frankfurt passt wie die Faust aufs Auge. Hier betrifft die Internationalisierung die Zusammenstellung des Personals aus aller Herren Länder oder auch die Aufstellung einer Scouting-Abteilung, die im Grunde weltweit agiert. Am Anfang hat Bobic nicht wenige verschreckt mit seiner Politik, inzwischen sind die meisten verzückt. Der Frankfurter Weg ist ein spezieller, für die Eintracht ganz offenbar der richtige.

Auch interessant: Ex-Real-Sportdirektor kritisiert Jovic-Transfer scharf

Mit Adi Hütter als Nachfolger von Niko Kovac ist Bobic ein Glücksgriff gelungen. Er hat genau den richtigen Mann zur Komplettierung des „magischen Dreiecks“ in der Spitze gefunden. Der Österreicher forciert jenen Fußball, den sie in Frankfurt schon immer geliebt haben, offensiv, mutig, kreativ, leidenschaftlich. Dabei hatte Hütter einen schweren Beginn. 0:5 gegen Bayern, 1:2 in Ulm, wahrlich kein guter Start. „Wir galten als Abstiegskandidat“, hat er jetzt gesagt, „und ich war der erste Trainer, der fliegen sollte.“ Das war ein wenig übertrieben. Aber so richtig viel hatten tatsächlich nicht viele von der neuen Eintracht erwartet, die im letzten Sommer ja einige wichtige Spieler verloren hatte. Und nicht alle hatten dem Bundesliga-Neuling Hütter zugetraut, was ihm nun gelungen ist. Nach dem letzten Spiel der Saison, wieder gegen die Bayern, hat er selbst die Bilanz gezogen: „Das alles hat uns doch keiner zugetraut.“

Auch interessant: Nächster Büffel auf dem Sprung? SGE fürchtet Abgang von Sebastien Haller

Hütter kann Bundesliga

Hütter ist ein freundlicher Mensch, kommunikativ, höflich, auf Ausgleich bedacht. Er hat aber auch eine andere Seite. Er ist durchsetzungsstark, soll manchen Strauß mit seinen Vorgesetzten ausgefochten haben, wenn es um die Mannschaft gegangen ist. „Ich bin ja kein Anfänger“, hat er vor Kurzem mal gesagt, „ich habe ja schon einiges hinter mir.“ Meisterschaften in Österreich und der Schweiz hatte er vorzuweisen, die Saison mit der Eintracht hat aber auch ihn persönlich auf eine neue Stufe gehoben. „Ich habe bewiesen, dass ich Bundesliga kann“, sagt er. Er musste schnell lernen zu Beginn der Saison. Und er hat schnell gelernt.

Auch interessant: Verlässt Ante Rebic die SGE? Eintracht bangt um den Stürmer

Hütter ist nicht dogmatisch. Er hat sich früh von seiner eigentlichen Spielidee mit einer Viererkette verabschiedet. Ganz einfach, weil er gemerkt hatte, dass er mit Makoto Hasebe einen Spieler im Team hat, für den die Dreierkette prädestiniert ist. Und weil er mit Danny da Costa und Filip Kostic zwei Trümpfe ausspielen konnte, auf die viele Gegner keine Antworten wussten. Hütter hat Spieler besser gemacht. Kostic, eigentlich Linksaußen hat er zum stürmenden Verteidiger oder verteidigenden Stürmer gemacht, je nach Betrachtungsweise. Ein Volltreffer.

Die Eintracht als großer Sieger der Saison

Hütter hat Mut. Oft hat er drei Spitzen aufgeboten, die „Büffelherde“ war seine Erfindung. Zur Erinnerung: Schon im Jahr zuvor hatten Luka Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller bei der Eintracht unter Vertrag gestanden, aber kaum zusammengespielt. Hütter weiß, was er will. Als sein ehemaliger Schützling Martin Hinteregger auf den Markt kam, hat er darauf gedrängt, die Chance zu nutzen. Hütter ist selbstkritisch. Die anfänglichen Probleme, zuletzt auch die 1:6-Klatsche in Leverkusen, hat er nicht entschuldigt, sondern zum Teil auf die eigene Kappe gekommen. „Wenn Kritik berechtigt ist, habe ich damit kein Problem“, sagt er. Damit unterscheidet er sich von vielen Kollegen, selbst mit Fehlern hat er also gepunktet.

Alles in allem gehört die Eintracht zu den größten Siegern der Saison. Der wichtigste Erfolg ist die bundesweite Anerkennung. Die „Adler“ werden geliebt, das gab es in dieser Ausprägung noch nie. Sie haben für Rekordeinschaltquoten im TV gesorgt. Noch nie sind so viele Zuschauer ins Stadion gekommen (49 700 im Schnitt). Die Mitgliederzahl ist über 75 000 gestiegen. Spieler, Trainer und Bosse sind in den Leitmedien, nicht nur den sportlichen, des Landes präsent. Die Politik sucht mit wenigen Ausnahmen die Nähe des Vereins, die Eintracht ist fest verankert in der Zivilgesellschaft. Und dann gibt es noch die kleinen Siege. Die Kinder rennen mit Eintracht-Trikots durch die Gegend, auf den Autos kleben die kleinen Adlerwappen, an den Stammtischen wird positiv geredet. Vorstand Hellmann fand eine charmante Formulierung: „Wir sind der Zweitlieblingsklub“. Soll heißen: Nicht mehr nur von den eigenen Fans innig geliebt. Was für eine Entwicklung!

Lesen sie Teil II: Der Triumphzug durch Europa

Lesen Sie auch:

Wo bei Eintracht Frankfurt die Grenzen des Wachstums liegen

Um noch besser zu werden, braucht die Eintracht Spieler, die mehr Geld kosten. Das wäre in Frankfurt nach der sportlich und finanziell erfolgreichen Saison eigentlich da. Aber das birgt auch eine Gefahr.

Transfer-Ticker: Barcelona will Supertalent verkaufen - Eintracht kämpft um ihn

Alle Transfers von Eintracht Frankfurt: Die Gerüchteküche bei Eintracht Frankfurt brodelt. Kommt ein Supertalent vom FC Barcelona?

Eintracht-News: Geldstrafe für Pyrotechnik in Düsseldorf und Hannover

Wer ist verletzt, wer krank und was gibt es sonst Wissenswertes über die Adler? Die Eintracht ist vom DFB zu einer Geldstrafe wegen des Abbrennens von Pyrotechnik verurteilt worden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare