Teil 3 der Serie

Das sind die Gewinner der Saison bei Eintracht Frankfurt

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Makoto Hasebe gehört zu den Gewinnern der Saison.

Am Ende der Saison gibt es immer und überall Umfragen nach den besten Spielern, dem besten Trainer oder auch Siegern und Verlierern. Bei der Eintracht gibt es viele Sieger und nur wenige Verlierer.

Frankfurt - Der Trainer hat (fast) alles richtig gemacht. Wie heftig waren die Reaktionen, als Niko Kovac vor gut einem Jahr seinen wenig gentlemanliken Abgang zu den Bayern inszeniert hatte. Ein paar Wochen hatte Eintracht Frankfurt daran zu knabbern, die Suche nach einem Nachfolger war begleitet von vielen Spekulationen. Ganz prominente Namen waren im Gespräch, Slaven Bilic als ehemaliger Nationaltrainer Kroatiens oder Ralph Hasenhüttl, der Leipzig in die Bundesliga-Spitze geführt hatte, waren nur zwei davon. Als Adi Hütter verpflichtet wurde, war das eine Überraschung. Der Österreicher, der aus der Schweiz gekommen ist, hat sich als Volltreffer herausgestellt, als Trainer mit klaren Vorstellungen und guten Nerven.

Hütter hat viel gemacht aus der Mannschaft und noch mehr aus vielen Spielern. „Alte“ sind noch besser geworden und „Junge“ auf eine neue Stufe geklettert. Die größte Überraschung hat womöglich der älteste Spieler aus dem Aufgebot bereitgehalten. Makoto Hasebe hat eine überragende Saison gespielt, meistens als „Libero“, ab und zu aber auch noch im Mittelfeld.

SGE: Deshalb ist Makoto Hasebe besser geworden

Dem 35 Jahre alten Japaner ist zugutegekommen, dass er aus der Nationalmannschaft seines Heimatlandes nach 114 Länderspielen zurückgetreten war und ihm so viele Tausend Flugkilometer erspart geblieben sind. Hasebe hat sich im Winter seiner Karriere noch einmal neu erfunden. Er hat nicht nur mit Auge und Übersicht gespielt, was man von einem Routinier erwarten konnte, er hat sich auch mit Leidenschaft in Zweikämpfe gestürzt und läuferisch mitgehalten. Lohn für die professionellen Anstrengungen: Der Vertrag wurde noch einmal um ein Jahr verlängert.

Hasebe war gut. Ein anderer war noch besser. Filip Kostic, vor einem Jahr aus Hamburg gekommen, mit dem HSV abgestiegen wie vorher mit dem VfB Stuttgart. „Legionär“, talentiert, launisch – das Urteil über ihn war gefällt. Es hat sich als nicht haltbares Vorurteil herausgestellt. Kostic wurde von Hütter vom reinen Linksaußen zum stürmenden Verteidiger umfunktioniert und hat sich selbst vom lässigen Teilzeitprofi zum vorbildlichen Vollprofi entwickelt.

Filip Kostic rennt für Eintracht Frankfurt die Linie rauf und runter

Der serbische Nationalspieler ist die ganze Saison lang die Linie rauf und runter gerannt, hat den Spaß, den er am Fußball in Frankfurt wiedergefunden hat, mit Leidenschaft auf den Platz gebracht. Die Hamburger und Stuttgarter reiben sich die Augen über diesen Kostic, der mit seiner Wandlung ganz neue Erfahrungen gesammelt hat. In Frankfurt nämlich wird er geliebt, nicht nur in Fankurve. Auch er wurde belohnt: Die Eintracht hat die Kaufoption gezogen und ihn bis 2023 gebunden.

Martin Hinteregger (links) und Luka Jovic gehören bei Eintracht Frankfurt zu den Gewinnern der Saison.

Noch so ein Spieler der erfolgreich gegen Vorurteile gekämpft hat: Martin Hinteregger. Im Winter aus Augsburg gekommen, weil er dort den Trainer moderat kritisiert hatte („Ich kann über ihn nichts Positives sagen“). Bei der Eintracht hat er auf große Worte verzichtet und alleine mit Taten überzeugt. Die Fans widmeten dem Österreicher eine eigene Hymne, verziehen ihm auch den Elfmeter-Fehlschuss von London. Hinteregger, kein glattgebügelter Profi und ein bisschen anders als die meisten anderen, will nun unbedingt bleiben. Die Eintracht arbeitet daran.

Luka Jovic ballert die SGE nach vorn

Der Star der Saison war Luka Jovic. 17 Tore in der Bundesliga, zehn Tore in der Europa-League, das hat ihn zu einer der „heißesten Aktien“ auf dem Spielermarkt gemacht, wie Sportvorstand Fredi Bobic sagt. 40, 50, 60 Millionen Euro soll der 21 Jahre alte Serbe wert sein. Die Eintracht wird ihn nicht halten können. Real, Barcelona, auch die Bayern werden als neuer Arbeitgeber genannt. Allerdings: Gerade die letzten Spiele haben gezeigt, dass Jovic noch viel lernen muss und von den ganz großen Stürmern der Branche noch ein Stück weit entfernt ist.

Noch wertvoller als Jovic war für die Eintracht Sébastien Haller. Im ersten Jahr wurde der Franzose noch ein wenig unterschätzt. In seinem zweiten Jahr hat ihn der Trainer nun auf ein höheres Niveau gehoben. Haller ist der „Prellbock“ im Angriff, er gewinnt Zweikämpfe, reißt Lücken für die anderen und schießt „nebenbei“ auch noch Tore. Haller ist der Anführer der „Büffelherde“, wie die drei Topstürmer bezeichnet werden. Auch Ante Rebic hat sich gesteigert, aber so gut wie die beiden Kollegen ist er nicht.

Eintracht Frankfurt: Evan Ndicka auch stark

Trapp, Rode, Da Costa, Fernandes - auch sie gehören zu den „Gewinnern“ der Saison. Wie Evan Ndicka. Der 19 Jahre alte Franzose, ein wirklich „junger Hüpfer“, gekommen aus der zweiten französischen Liga, war über Monate Stammspieler, bevor ihn am Ende ein wenig die Kräfte verließen. Der U 20-Nationalspieler war vielleicht nicht der beste, aber der überraschendste Spieler der Saison.

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Und die Verlierer? Ein paar gibt es. Jetro Willems vor allem, der irgendwie nicht mehr richtig mitgekommen istbei der heißen Jagd der Eintracht. Oder Marc Stendera, der auch unter dem nächsten Trainer Hütter den Durchbruch nicht geschafft hat. Oder Frederik Rönnow, der nach der Trapp-Verpflichtung nicht wirklich Gelegenheit bekam, seine Klasse zu zeigen. Vielleicht sogar David Abraham, der sein eigenes Niveau zuletzt immer häufiger unterboten hat. Und einige andere, die mit großen Hoffnungen in die Saison gestartet waren, aber längst wieder weg sind: Chico Geraldes, Marco Fabián, Carlos Salcedo oder Nicolai Müller.

Von Peppi Schmitt

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