Eintracht Frankfurt

Stefan Ilsanker leidet unter der Pause: „Es ist zum Kotzen“

Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt.
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Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt.

Stefan Ilsanker, Profi von Eintracht Frankfurt, mit deutliche Worten: „Habe Lust mal einen wegzugrätschen.“

  • Stefan Ilsanker von Eintracht Frankfurt ist ungeduldig
  • Aktuelle Situation „kotzt“ ihn an
  • Stefan Ilsanker ist ein Kämpfer

Frankfurt - Der letzte Profi, der bei Eintracht Frankfurt gesprochen hat, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, war Lukas Hradecky. Nicht immer politisch korrekt, aber immer ehrlich, geradeheraus, so war der Finne, der von 2015 bis 2018 drei Jahre im Tor gestanden hat bei den Frankfurtern, inzwischen für Bayer Leverkusen nach den Bällen hechtet. Seine Rolle beim Klartext reden hat inzwischen Stefan Ilsanker eingenommen. Der 30 Jahre alte Österreicher ist immer für einen Spruch gut und redet nicht um den heißen Brei herum. Als er nun im vereinseigenen TV gefragt wurde, wie es denn sei in der schönen neuen Trainingswelt dieser Corona-Tage, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Es kotzt mich an.“ Für Ilsanker, Fußballtyp „Kernbeißer“, sind Übungseinheiten ohne Körperkontakt nur ein klein bisschen mehr als das Nichts davor. „Ich habe Lust, einfach mal einen wegzugrätschen“, sagt er ehrlich. Das sei aber ja „leider“ nicht möglich, die Spieler müssen ja Abstand halten.

Eintracht Frankfurt: Ungeduld bei Ilsanker

Aus jedem Wort des österreichischen Nationalspielers (42 Länderspiele) spricht die Ungeduld. Er will einfach nur spielen, „richtigen“ Fußball spielen. Es mache in diesen Tagen zwar „mehr Spaß“ wenigstens auf dem Platz wieder gegen den Ball zu treten, als wie in den Wochen zuvor nur auf dem Ergometer zu sitzen, aber so wirklich gut fühle es sich nicht an. „Es ist schon schlimm, wenn ich das Stadion nebenan sehe“, gibt er zu, „hin und wieder schaue ich rein in die Arena und das tut dann schon weh.“ Auch den freien Tagen über Ostern konnte er nicht so wirklich viel abgewinnen. „Langweilig“ sei es gewesen, „ich habe entspannt und ein bisschen Bier getrunken.“ Das hört sich dann schon wieder an wie einst bei Lukas Hradecky.

Trainer Adi Hütter hat Recht behalten, als er im Januar voller Überzeugung auf die Verpflichtung von Ilsanker gedrängt hatte. „Ilse passt richtig gut zur Eintracht“, war Hütters Kernsatz. Die anfängliche Skepsis, die Ilsanker bei seinem Wechsel aus der Anhängerschaft entgegengeschlagen ist, hat sich längst gegeben. Zu alt sei er, um perspektivisch die Mannschaft weiterzubringen, war vor ein paar Wochen noch die vorherrschende Meinung. Und vor allem: Ilsanker ist aus Leipzig gekommen, von RB, jenem Verein, dem die meisten Fans in der Liga mit gelebter Abneigung gegenüberstehen. Die Eintracht hat trotzdem eine halbe Millionen Euro ausgegeben für Ilsanker und dabei ganz auf die fachliche Expertise ihres Trainers vertraut. Hütter hatte einst noch mit dem ganz jungen Ilsanker in Salzburg in einer Mannschaft gespielt und viele Jahre später in Salzburg trainiert. Mit Erfolg übrigens, Salzburg holte das Double.

Eintracht Frankfurt: Ilsanker ein Kämpfer

Ilsanker ist ein Kämpfer, einer der weder sich noch die anderen schont. Das gefällt den Fans und hilft der Mannschaft. Gegen Werder Bremen im Pokal-Viertelfinale wie beim Europacupspiel in Salzburg hatte er sich jeweils Platzwunden an der Augenbraue zugezogen, aber immer tapfer weitergemacht. Frisch genäht und mit frischem Trikot, da hat er sozusagen sein Hemd gegeben für den Klub. Und die richtigen Worte gefunden. „Ich gebe mein Herzblut für diesen Verein“, hatte er gesagt, „die Cuts sind nicht der Rede wert.“ Ilsanker passt auch ins Gefüge des Kaders, kann er doch auf zwei wichtigen Positionen spielen, auf denen die Eintracht vor der Corona-Krise wegen Verletzungen nicht so wirklich üppig besetzt war. Hütter setzt ihn mal in der Innenverteidigung ein, meistens aber im defensiven Mittelfeld. In beiden Fällen ist der Konkurrenzkampf inzwischen wieder größer geworden, die lange verletzten Marco Russ, Lucas Torró und Gelson Fernandes sind zurück im Training. Sie werden es freilich schwer haben, an Ilsanker vorbeizukommen. 

von PEPPI SCHMITT

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