Oberbürgermeister": Der Stolz der Stadt"

Sportlich, wirtschaftlich, politisch: Eintracht auf dem Vormarsch

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Die Spieler feiern nach dem Sieg von Eintracht Frankfurt gegen Borussia Mönchengladbach.

Frankfurt - In der Bundesligatabelle in den Champions-League-Rängen. In der ARD und im ZDF in den politischen Nachrichtensendungen, in den Zeitungen auf Seite 1, in den Kommentarspalten prominent platziert, auf den Sport- wie den Politikseiten. Von Peppi Schmitt

Was für ein Wochenende war das für die Frankfurter Eintracht. Da ist ein Verein auf dem Vormarsch, sportlich, wirtschaftlich, politisch. Und wird dabei kritisch begleitet. Vorstand Axel Hellmann hat es so zusammengefasst: "Kraft, Leidenschaft und Wucht umgeben diesen Verein, Eintracht Frankfurt ist aktuell in einem guten Zustand." Die Verantwortlichen arbeiten mit Realismus, aber auch Visionen daran, dass das so bleibt.

Da sind die Spieler und ihr Trainer Niko Kovac, unter dem es stetig voran geht. Der 46 Jahre alte Kroate hat aus mehr als 30 Profis aus siebzehn verschiedenen Nationen eine Mannschaft geformt, die nicht mehr nur den Blick nach unten werfen muss, sondern ein wenig auch nach oben schielen darf. Viele, nicht alle, der von Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner verpflichteten Spieler, haben erstaunliche Entwicklungen genommen. Allen voran die Saison-Entdeckung Marius Wolf oder der Torjäger Sébastien Haller. Belohnt wurde auch der Mut, einen Star wie Kevin-Prince Boateng zu holen.

Kovac hat es mit viel Fleiß und Sachverstand geschafft, basierend auf einer kämpferischen Grundlage eine spielerische Linie herauszuarbeiten. Noch immer lebt das Team von Leidenschaft und Kampfkraft, aber längst wird auch guter Fußball gespielt, mal mehr, mal weniger. Da ist es an der Zeit, mal die wegen ihrer mangelnden technischen Fähigkeiten oft gescholtene abwehrende Abteilung zu loben. Sie ist das Fundament der Erfolge. Nur Bayern München (16) hat weniger Gegentore erhalten als die Frankfurter (20). Das spricht für eine disziplinierte Defensive der ganzen Mannschaft, aber auch für die großen Kämpfer ganz hinten. Natürlich für den Kapitän David Abraham, der schon einige Wochen wegen Verletzung fehlt, aber auch für Carlos Salcedo, Simone Falette und Marco Russ, die eher rustikal zu Werke gehen. Für die Gegner ist es keine Freude gegen sie zu spielen. Und dahinter steht ja der famose Torwart Lukas Hradecky. Dass auch ihm mal ein Ball vom Fuß verrutscht, spielt im Grunde keine Rolle, weil er in seiner Kernkompetenz sicher einer der besten Torhüter der Liga ist. Die nächsten Wochen mit Spielen in Augsburg und zu Hause gegen Mainz (Pokal), Köln und Leipzig werden zeigen, wie weit der Weg nach oben führt.

Wirtschaftlich hat sich die Eintracht zu einem Faktor im Rhein-Main-Gebiet entwickelt. Der Umsatz beträgt weit über 100 Millionen Euro nur bei der Fußball AG, wäre deutlich höher, wäre die Eintracht nicht von Einnahmen der städtischen Arena abgeschnitten und müsste horrende Mieten zahlen. Die jahrzehntelang beklagte Zurückhaltung der Banken und Finanzwirtschaft wurde aufgebrochen. Längst gehören Deutsche Börse und Deutsche Bank zu den Sponsoren. Mit "Indeed" haben die Frankfurter ein internationales Unternehmen als Hauptsponsor gefunden. Ins Bild passt, dass Oberbürgermeister Peter Feldmann bei der Mitgliederversammlung den Verein als "Stolz dieser Stadt" bezeichnete. Mit der vor allem von Hellmann forcierten Internationalisierung arbeitet die Eintracht daran, weitere Märkte in Asien oder Amerika zu öffnen.

Eintracht-Zeugnis gegen Mönchengladbach

Die Planung sieht vor, nicht nur in Beine, sondern auch in Steine zu investieren. In diesem Jahr wird mit dem Bau einer neuen Geschäftsstelle inklusive Heimat für die Profis auf der Tennisanlage in unmittelbarer Nähe der Arena begonnen. "Jeder Club braucht einen Ort mit Würde und Stolz", sagte Hellmann selbstbewusst, "man muss merken, dass Eintracht Frankfurt etwas ausstrahlt". Das wird auch die Stadt Frankfurt spüren, wenn ein neuer Vertrag für die Arena ausgehandelt wird, der dann ab 2020 laufen soll. "Wir wollen entscheiden, was im Stadion passiert", sagte Hellmann, "und niemand sonst." Die Eintracht fordert einen Ausbau der Arena von 51.500 auf 60.000 Zuschauer, will such daran beteiligen.

Auch politisch mischt sich der größte hessische Verein ein. Präsident Peter Fischer hat klare Worte an die Adresse der AfD gerichtet, die vielleicht nicht jedem gefallen, aber doch Maßstäbe gesetzt haben. Sportpolitisch fasste Axel Hellmann heiße Eisen wie die in Frage stehende "50 plus 1"-Regelung an, die es untersagt, dass Investoren in der Bundesliga Vereine "kaufen" können, ebenso wie die Spieltagszerstückelung mit dem ungeliebten Montagspiel. "Wir wollen die 50 plus 1-Regel beibehalten, aber wir müssen uns darauf einstellen, wenn sie fällt", sagt er. Wer dann nicht vorbereitet sei, wäre im Spiel der Großen chancenlos. Die Entscheidung darüber nahe, denn Präsident Martin Kind wird seinen Antrag auf Übernahme von Hannover 96 bald einreichen. Wird ihm das verwehrt, droht er mit Klage.

Mitgliederversammlung der Eintracht: Bilder

Auch bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) will die Eintracht eine größere Rolle spielen. Hellmann fordert eine Diskussion über die von der Mehrzahl aller Fans, aber wohl auch von vielen Sponsoren, abgelehnten Montagspiele. Dafür freilich trügen die Vereine, nicht die DFL die Verantwortung. "Die Vereine müssen es diskutieren", fordert der Eintracht-Vorstand, "im Zweifelsfall müssen wir dann auf Geld verzichten, wenn wir tatsächlich eine Schmerzgrenze erreicht haben." Für das Montagspiel der Eintracht (19. Februar) gegen Leipzig haben die Fans bereits einen Stimmungsboykott angekündigt. "Ausgerechnet wir bekommen das erste Montagsspiel, super Drehbuch, der Spielansetzer sollte sich bei Netflix oder Amazon bewerben", sagte Hellmann sarkastisch, "ich wusste, dass die Debatte nun mit voller Wucht auf uns zukommt". Die Eintracht wird ihr nicht ausweichen, ihr Wort soll ja wieder Gewicht bekommen.

Bilder: Eintracht gewinnt gegen Gladbach

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